der alte Evnuche zu mir kam und mir das geheimnis zum teil entwikkelte. Du sollst, sagte er mir, von stunde an zur Beischläferinn des erhabnen Fali, des grossen Feldherrn ausgerufen werden, und sogleich wirf die Sklavenkleider von dir und ziehe dieses Gewand an, das dich mit deiner bisherigen Gebieterinn in gleichen Rang setzt, und, wenn du klug genug bist, meinen Ratschlägen getreulich folgst und die nötige Vorsichtigkeit gebrauchst, dich an die Spitze des ganzen Harem emporheben wird. – Ich zog das kostbare Kleid an, gelobte ihm den unverbrüchlichsten Gehorsam und folgte ihm, worauf ich in ein schönes möblirtes Zimmer kam, das mir nebst etlichen andern zu meiner wohnung bestimmt war: die für mich bestellten Verschnittene und Sklavinnen empfiengen mich und stunden auf jeden meiner Winke in Bereitschaft: – kurz, ich war die geehrteste glücklichste Bewohnerinn des ganzen Harems und in der Gunst meines Herrn die oberste.
Guter Mann! Du weisst es vielleicht aus eigner trauriger Erfahrung, dass der Neid unmittelbar in die Fusstapfe tritt, wenn die Grösse den Fuss von ihr aufhebt: ich erwartete ihn und trug ihn daher desto standhafter. Meine vorige Gebieterinn setzte den ganzen Harem wider mich in Aufruhr; ihre ehemaligen Feindinnen – welches alle ihres gleichen waren – wurden jetzt die auserlesensten Freundinnen, die sich mit ihr zu meinem Untergange verschwuren. Der alte Evnuche stellte mir die Grösse der Gefahr oft vor Augen, da ich sie ohne ihn nicht einmal erfahren haben würde, so versteckt waren alle Minen, die mich sprengen sollten, ermahnte mich zu vorsichtiger Standhaftigkeit und schwur mir teuer zu, dass mich nicht der mindeste Stoss von der angelegten Untergrabung treffen werde, weil ER mein Beschützer sei. Sein Wort war mir um so viel sichrer, weil ich wusste, dass er der Liebling unsers Herrn war und so viel über ihn vermochte, dass auch die Neigungen des grossen Fali von dem Willen und der Billigung dieses alten Geschöpfes abhiengen: alle Unternehmungen wider mich gingen also fehl, nur die einzige, die unglücklichste unter allen wäre beinahe gelungen – man trachtete mir nach dem Leben. Weil man nirgends zum Zwecke gelangen konnte, so liess man die Decke meines Schlafzimmers allmählich so zerwühlen und die Befestigung derselben so locker machen, dass sie unfehlbar herunterfallen und mich tödten musste. Ob man gleich bei diesem mörderischen Anschlage die nötigsten Maasregeln ergriffen hatte, um den völligen Einsturz zu veranstalten, wenn ich den Untergang nicht vermeiden konnte, so kam doch der Zufall ihren weisen Veranstaltungen zuvor, und warf die Decke mit einem gewaltigen Krachen hernieder, als ich eben auf den glücklichen Sofa in den Armen des grossen Fali in der vollsten Empfindung lag. Der Feldherr, der über diese Störung seines Vergnügens ergrimmte, forschte nach dem Täter; denn man fand deutliche Spuren, dass Kunst gebraucht worden war, den Fall zu befördern: er forschte mit aller Strenge nach ihm, doch ohne ihn zu entdecken. Diese Fruchtlosigkeit seiner Bemühung liess ihm eine Verschwörung vermuten, in welche, wo nicht das ganze Harem, doch wenigstens der grösste teil desselben verwickelt sein musste: teils um zu strafen, teils um abzuschrecken, liess er ein schreckliches Blutbad anrichten, das die Hälfte des Serails und mit derselben auch meine vorige Gebieterinn wegnahm. Ich bat, ich flehte; aber der rasende Fali war unerbittlich und ruhte nicht eher als bis er die Zusammenrottung in Strömen Menschenblut ersäuft hatte.
Kurz nach diesem grausen Auftritte entzündete sich ein neuer Krieg: alles war in Zwietracht; und mein alter Evnuche berichtete mir, dass ER der einzige Urheber dieser Unruhen sei und sie zu Beförderung seiner Absichten nie erlöschen lassen dürfe. – Und welche sind das? fragte ich neugierig. – Absichten, erwiderte er, deren Reife herannaht. So höre dann! Den Mann, in dessen Umarmung du bisher die süssesten Empfindungen der Liebe geschmeckt hast, sollst du stürzen. – Ihn? fuhr ich auf: ihn, von dessen Händen ich Glück und Wohlsein empfieng, der mich auf die oberste Staffel seiner Gunst erhob, ihn sollte ich stürzen? Undankbar will ich nimmermehr sein. – So stürze dich! war seine kalte Antwort. Wähle zwischen seinem und deinem Untergange! – Ich wollte Einwendungen machen und fragen tun, aber er schnitt mir meine Rede gerade zu ab, verbot mir alle Declamationen und befahl mir zu wählen, und dann zu hören, was ich gewählt hätte. Keine Verlegenheit kann in der Welt grösser gewesen sein, als die meinige damals: sich selbst, oder seinen Wohltäter schaden müssen, ein trauriger Wechsel! Ich gehorchte dem Verlangen meiner Selbsterhaltung und bezeigte mich zu den Anschlägen des bösen Evnuchen bereitwillig, der mich alsdann durch den schrecklichsten Schwur die Bewahrung des Geheimnisses angeloben liess. Der grosse EDZAR, fing der Bösewicht an, der Nebenbuhler unsers Herrn, hat mich zu der Ausführung seiner Absichten ausersehen; ich habe mich ihm verpflichtet und muss schlechterdings seinen Auftrag zu stand bringen. Er gebot mir eine von den niedrigsten Sklavinnen in die Gunst des Fali zu bringen, deren Glück in meiner Gewalt wäre, und die also entweder sich in unsre Entwürfe fügen oder ihrer eignen Erhaltung entsagen müsste: ich wählte dich dazu, und du hast dein Glück dem Glücke eines andern vorgezogen, was man leicht voraussehn konnte. Vernimm also was dir weiter zu tun obliegt! Der grosse mächtige Herr deines Herrn wird dich von ihm verlangen: es wird ihm schwer werden, und ich will machen, dass es ihm unmöglich wird, dich zu missen, eben so wie der Feldherr Edzar es