ihm auf gutes Glück hin.
Die Lebensart war nicht wenig einträglich für sie: doch für Belphegorn weniger als seinen gefährten, weil dieser die Kunst der Unverschämteit besser inne hatte. Belphegor tröstete sich damit, dass er sein schlechteres Fortkommen einer höhern natürlichen Würde zuschrieb, und sein gesicherter Stolz hielt den Neid zurück. Plötzlich wandte sich durch einen Zufall das Glück. Der zurückgesetzte Belphegor geriet auf den Einfall, das Frauenzimmer zu seiner Goldmine zu machen, und bediente sich dabei der bekannten Wünschelrute – der Schmeichelei: jeder, die er ansichtig wurde, sagte er eine Süssigkeit – je hässlicher sie war, je stärker gab er die Dosis – und er lebte im Ueberflusse. Sein Gefährte war schon zu sehr gewohnt, einen Vorzug vor ihm zu haben, als dass er sich jetzt so ruhig von ihm überholen lassen sollte: es kam ihm als ein Eingriff in seine Rechte vor, sein Neid wurde rege, und da er ihm nichts entgegenzusetzen hatte, so wuchs er täglich im Stillen, bis er mit Sturm ausbrach. Er suchte Ursache zum Zwiste, und wie leicht kann jedem in dieser Welt damit gedient werden! Er fand sie, Belphegor gab nach, bis er endlich durch den Ungestüm des Andern gleichfalls erhitzt wurde; es wurde offner Krieg, worinne Belphegor den Kürzern zog: sein Gefährte plünderte ihn, und versetzte ihn in einen Zustand, dass er ihm nicht sogleich nachfolgen konnte, entfloh und trennte sich von ihm auf ewig.
Belphegor lag mit blutendem gesicht und halbgelähmten Lenden an einem kleinen Flusse, wo er abermals über Welt und Menschen sein Klagelied sang und von den Beschwerlichkeiten des vorigen Treffens ausruhte. Endlich da er weiter nichts vor sich sah, als seinen Weg und sein Bettlergewerbe fortzusetzen, stunde er unwillig auf und hinkte längst des Flusses hin.
Nach einer kleinen Strecke stiess er an ein Frauenzimmer, das an einem Scheidewege auf einem Steine sass und ihn schon in der Ferne mit den wollüstigen Geberden bewillkommte: er merkte also leicht, dass es eine von den orientalischen Schönheiten war, die ihre Reize auf den öffentlichen Strassen selbst verhandeln. Sein Mut war zu sehr gesunken, um an ihren Einladungen teil zu nehmen: er ging also ungerührt vorüber und würdigte sie kaum eines Seitenblickes. Sie folgte ihm und beunruhigte ihn mit den Bemühungen, sein Felsenherz zu erweichen, so lange bis er unwillig sie zurückwies: sie verfolgte ihn unaufhörlich. Um wenigstens die Qual ihrer Zudringlichkeit zu mindern, bat er sie, ihm den Weg zur nächsten Hauptstadt zu zeigen, welches sie gern tat, weil der nämliche Platz für ihre Geschäfte der vorteilhafteste war, und unterwegs, da sie durch seine Offenheit gleichfalls offen geworden war, unterhielt sie ihn mit ihrer geschichte, den Beschwerlichkeiten ihres Handwerks und ihrem Ekel dafür. Sie bewies besonders bei dem letzten Punkte eine Empfindsamkeit, die sie ihrem Begleiter merkwürdig machte, und versicherte, dass sie nichts als die äusserste Not in eine der schändlichsten erniedrigendsten Lebensarten gestürzt habe, die sie hasste und verfluchte, und nur, um nicht zu verhungern, emsig betreiben müsste. – O, setzte sie hinzu, Schicksal! du bist der Schöpfer unsrer Vergehungen!
Achtes Buch
Belphegors Begleiterinn fing ungeheissen an, ihm etliche Stücke ihrer geschichte mitzuteilen, und zwar mit dem Tone eines geheimen Kummers, der sich öffnen will, um sich zu erleichtern: allein ihr Zuhörer war mit seinen eignen trübsinnigen Gedanken zu sehr beschäftigt, um von ihrer Erzählung interessirt zu werden. Sie fuhr demungeachtet ungehindert fort und versicherte, dass der ganze unübersehliche Faden ihrer grausamen Schicksale von einem gewissen FROMAL angesponnen sei, dem sie dafür allen Fluch des himmels und der Erde zur Belohnung anwünschte.
Belphegor fuhr auf und sah sie unbeweglich an. Von einem gewissen Fromal! rief er, wie aus einem Traume erwachend.
Ja, von diesem schändlichsten aller Bösewichter, der mich verleitete, einen gewissen BELPHEGOR zum haus hinauszuwerfen –
Einen gewissen Belphegor! unterbrach sie ihr Gefährte erschrocken, doch ohne sich zu verraten, ob er gleich merkte, mit wem er zu sprechen die Ehre hatte.
Sie erzählte ihm hierauf mit geläufiger Zunge ihre ganzen Schicksale bis zu der grossen Wolkenreise,15 wo sie von ihrem versöhnten Liebhaber und seinem Freunde Medardus getrennt wurde, und zwar mit den nämlichen Umständen, unter welchen meine Leser ihren Bericht bereits vernommen haben. Belphegor konnte daraus nichts anders schliessen, als dass die geschichte wahr und sein Freund Fromal ein treuloser Freund sei, der ihn doppelt hintergangen, als er ihn nach seiner Verweisung aus Akantens haus beruhigte, und als er ihm die Ursachen herrechnete, warum er zu seiner Vertreibung etwas beigetragen hatte. Er nährte schon lange einen bittern Unwillen wider alles, was menschlich heisst, bei sich, und glaubte um so viel leichter, dass sein Schluss richtig, und Fromal, wie alle Menschen, ein Bösewicht sei.
Während dass er mit einer geheimen melancholischen Freude dieser Meinung beifiel, fuhr Akante in ihrem Berichte fort und erzählte ihm, dass sie von ihrer Wolkenfahrt in die Türkei herabgelassen worden sei und sich, um ihrem gänzlichen Mangel abzuhelfen, an einen reichen Kaufmann als Sklavinn verhandelt habe.
Mein Herr, sagte sie, ward meiner bald überdrüssig: so sehr ich selbst nach dem Verluste meiner hauptsächlichsten natürlichen Schönheiten in Europa gefiel, so wenig wurde dieser fühllose Türke von meiner marmornen Hand und meinem schön lackirten gesicht gerührt, das leider! jetzt nur noch Ruinen seiner vormaligen Schönheit aufzuweisen hat. Er verkaufte mich an einen Herrn, der sich besser darauf verstand, weil er