indessen dass die Feinde an der brennenden Hütte des Derwisches und den übrigen lauerten, um den herauskommenden Zauberer zu erhaschen: sie lauerten, bis alles niedergebrannt war, sie lauerten bis zum Morgen: der Zauberer erschien nicht, weswegen sie vermuteten, dass er durch die Lüfte entwischt sei, und da sie sich nicht getrauten, ihm auf diesem Wege nachzusetzen, so verfluchten sie ihn, gingen unwillig fort, machten eine Einteilung von den Schätzen, die sie hätten bekommen können, und prügelten sich tapfer herum, wenn einer zu habsüchtige Ansprüche machte: so nahm die Komödie doch wenigstens ein würdiges Ende. –
So sind meine schönen Hoffnungen abermals zerstäubt? rief Belphegor, als er sich ein wenig gesammelt hatte. Ich wollte erst anfangen zu träumen, und habe schon ausgeträumt! dass doch jede Glückseligkeit auf diesem elenden Planeten vorüberfliegender Traum ist, und nur die Leiden nicht! – So will ich wenigstens die Umstände brauchen, wie sie sind: kann ich in diesem Winkel nicht mit meinem ehrwürdigen Freunde glücklich leben, so will ichs ohne ihn tun. Hier in diesen Bergen will ich wohnen, die Früchte der verscheuchten und getödteten Bewohner geniessen, und dann Tod! dann in deiner Umarmung glücklich werden! –
So beschlossen, so getan. Er schlich schüchtern zu den Wohnplätzen zurück, fand alles verheert, verwüstet, verbrannt und keine lebendige Seele. Die wenigen Früchte, die er antraf, reichten auf einige Tage hin, und so eifrig er die hülfe des Todes vorhin wünschte, so bekümmert war er jetzt, da ihr Termin so nahe herbeirückte. Er machte schon verschiedene Anschläge, wie er sich mit dem vorhandnen Vorrate beladen und aus den Gebürgen hinausbringen sollte. – Allein, sprach er endlich unmutsvoll, ob mich der Hunger oder die Menschen tödten! Sollte ich ihrer Grausamkeit gar den Gefallen erzeigen und mich von ihnen umbringen lassen? Nein, hier sterbe ich! Hier, Tod, erwarte ich deinen hülfreichen Schlag! –
Mit dieser Entschliessung setzte er sich unter einen Baum und wartete voller Verlangen auf den Tod. Mitten unter seinen Erwartungen hörte er das Geräusche eines Fusstrittes, hielt es für einen Feind, und weil er schlechterdings nicht von Menschenhänden umgebracht sein wollte, so sprang er auf und floh. Der andre sezte ihm nach und erhaschte ihn: in der ersten Hitze, ehe sie einander erkannten, taten sie sich ein Paar Feindseligkeiten an, und wurden endlich zu ihrem Leidwesen gewahr, dass sie sich unnötige Wunden gemacht hatten. Es war einer von der Kolonie des Derwisches, der Belphegor bei diesem gesehen hatte und also wohl schliessen konnte, dass ihn Eine Ursache mit ihm in die Flucht getrieben habe. Sie verständigten sich hierüber, und Belphegors erste Frage war alsdann, wo der Derwisch hingekommen sei.
Er ist nebst seinen beiden Töchtern zu Pulver verbrannt, war die Antwort. Ich habe in den Ruinen seiner wohnung ihre Gebeine gefunden, gesammelt und dort unter jenem frischen Erdhügel verscharrt. –
So verscharre mich neben ihm! unterbrach ihn Belphegor; denn ich will sterben, hier auf diesem Flecke sterben. –
Der andere tat etliche unmassgebliche Vorschläge, wie sie wohl mit Ehren beide noch länger leben könnten, und ermahnte in dieser Rücksicht Belphegorn, mit ihm sich durch das Gebürge durchzuarbeiten, französische Kaufleute aufzusuchen und dann nach Frankreich zurückzukehren.
Nein, ich will sterben! rief Belphegor. In Frankreich sind Menschen; wo die sind, ist man unglücklich: ich will sterben. –
Sein Freund sezte ihm mit seiner ganzen Beredsamkeit zu, weil ihm daran lag, einen gefährten zu seiner Reise zu haben, und brachte es endlich so weit, dass er wenigstens seine Vorschläge in Erwägung zog. – Wir wollen als Gaukler, als Leute, die Merkwürdigkeiten zeigen, herumziehn, bis wir in eine Stadt kommen, wo uns die Zuflucht zu einem Konsul meiner Nation offen steht: – das war sein Vorschlag. – Belphegor weigerte sich, wollte sterben, willigte drein und blieb leben.
Sie versorgten sich mit allem, was sie tragen konnten, traten den Weg an und Belphegor sandte einen schwermütigen Seufzer in das verwüstete Tal zurück, als sie in den Wald hineintraten, um es nie wieder zu erblicken.
Sie sannen nunmehr auf Projekte, wie sie die Neugierde der Perser reizen und ihnen für eine kleine Belustigung den Unterhalt abgewinnen könnten. Nachdem vieles Nachdenken verschwendet war, so brachte Belphegorn ein Einfall darauf, die geschichte Alexanders des Grossen nach seinem tod zu malen, und sie als ein den Persern höchst interressantes Schauspiel für Geld zu zeigen: – versteht sich, dass die Vorstellung nicht zum Vorteile des Macedoniers ausfallen sollte.
Belphegor war nun einmal geschworner Feind der Eroberer und aller, die jemals zum Würgen und Morden Anlass gegeben hatten: weil er beständig wider sie zürnte, so wollte er schon vor vielen Jahren in einer unwilligen Laune, sie insgesammt der öffentlichen Verachtung aussetzen, doch glücklicher Weise hatte er die idee aufgehoben, um jetzt sein Brod damit zu verdienen.
Die Komposition des Gemäldes war erfunden, und man schritt zur Ausführung; aber zur grössten Bestürzung wurde man gewahr, dass man zum Malen Leinwand und Farbe brauche und doch kein Geld bei der Hand habe, um diese Materialien anzukaufen. Belphegors Gefährte wusste Rat zu schaffen: er schlich des Abends in ein kleines Dorf, kam zurück und überbrachte seinem gefährten, so viel er für nötig erachtete, was er aller Wahrscheinlichkeit gemäss gestohlen haben musste: es wurden Farben aus Wurzeln gepresst, aus Erden zubereitet, die Leinwand aufgespannt