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Belphegor staunte voller Erwartung, als die beiden Töchter den Alten unter die arme fassten und ihn seitwärts durch einen gekrümmten Weg in ein dunkles Zypressenwäldchen führten, das jedem, der hineintrat, einen heiligen Schauer entgegen sandte: durch die Spitzen der Bäume fiel düstrer Mondschein auf den Weg und auf einzelne Plätze zwischen den Bäumen, wo ihn eine zufällige Oeffnung durchliess: Stille herrschte überall und weit sah das Auge in eine langgedehnte Dü-sternheit hinab, die aber der blick mehr vermuten als sehen liess. Der Greis ging stillschweigend fort bis zu einem Steine, wo er sich seufzend niedersetzte und mit einem Tone, der Tränen vermuten liess, zu Belphegorn sprach: Jetzt, Freund, will ich Dir ihre geschichte erzählen, dann tröpfle ein Paar Tränen auf diesen Stein! und wir gehen. – Eines Morgens kurz nach unsrer Ankunft in diesem Tale, als die frischeste Heiterkeit die ganze natur belebte, sass ich, meine Lucie im arme, auf diesem Stein und freute mich mit ihr über die Ruhe, die wir genossen, und die Drangsale, denen wir entgangen waren, und waren so zufrieden und liebten uns in der glücklichsten Trunkenheit und Vergessenheit unsrer selbst; wir dachten auf den Plan, wie wir unser kleines Feld bepflanzen, und diesem freigebigen Boden unsre notdürftige Nahrung abgewinnen wollten. – Siehe! rief sie und wies auf ein blühendes Gewächs, das zwischen den Bäumen stunde, auch dieses müssen wir pflanzen; es lacht so lieblich; wer weis, welche heilsame Kräfte es in sich verbirgt? Lass uns versuchen! So sprach sie und langte darnach. Nein, sagte ich und hielt sie zurück, lass mich lieber zuerst sehen; wäre es Gift, es könnte dich tödten. Wie könnte, erwiderte sie, unter einem so einladenden Blicke tödtendes Gift verborgen sein? ich pflanze es um unser Haus, wäre es auch nur um seiner reizenden Blüte willen. – Sie pflückte einen Zweig ab, kostete die Frucht der herabhängenden Schote und fand ihren Geschmack weniger schön als die Mine, aber doch nicht übel. Sie kostete noch einmal, und dann wieder, gab mir davon, ich konnte aber nichts geniessen. Ich bat nochmals, die Frucht wegzuwerfen; allein sie fand den Geschmack süsser und angenehmer, je mehr sie genoss. Wir beschlossen, die Pflanze zu versetzen, sprachen und ergötzten uns an künftigen Einrichtungen noch lange Zeit. Plözlich verstummte sie, entsank sich windend meinem arme, ich fasste sie auf, rief; umsonst! alle Glieder zitterten mit konvulsivischer Bewegung, die Muskeln des Gesichts verzerrten sich in schreckliche Minen, sie schluchzte noch einige unvernehmliche Worte, starrte dahin und – starb.
Er verstummte, und die geschichte selbst lehre den Leser seine Empfindung. –
Mitten in der Nacht als die ganze kleine Kolonie in dem tiefsten sorgenlosesten Schlafe lag – denn vor welchem Eigennutze sollten sie in der abgesondersten Einsamkeit sich fürchten? – weckte Belphegorn plözlich ein Getöse, das immer mehr sich verstärckte, und näher rückte: er hob sich empor und wurde von einem Widerscheine erhellet, der die schrecklichste Feuersbrunst ankündigte. Er sprang auf, schaute herum und erblickte Wohnungen und Bäume vom Feuer ergriffen, und zahlreiche truppe mit lodernden Harzfackeln über die Ebnen hinstreichen, um die Verwüstung noch weiter auszubreiten. Er erschrak, wollte seinen Freund retten, wurde inne, dass seine Hütte beinahe schon niedergebrannt war, vermutete, dass er das Opfer der Flammen geworden sei, dachte an sich und floh.
Der Ueberfall geschah von einem truppe Einwohner, die jenseits der Berge zunächst angränzten. Die Ruchlosen vermuteten, dass Niemand einen so beschwerlichen Weg, wie Belphegor, unternehmen könne, wenn ihn nicht wichtige Reichtümer lockten: da ihnen der Mann etwas ausländisch vorkam, so war der nächste Einfall, ihn für einen Zauberer zu erklären, der durch geheime Wissenschaften in den Bergen verschlossne Schätze in der Ferne gespürt habe und jetzt gekommen sei, sie abzuholen. Aus dieser Ursache versammelten sie sich sogleich als der vermeinte Schatzgräber seinen Weg in das Gebürge antrat, folgten ihm heimlich nach und beschlossen, seine Rückkunft mit den Schätzen zu erwarten: da ihnen aber einfiel, dass der Mann, als ein Zauberer, wohl seine Rückreise auf geflügelten Drachen oder mit einer andern Art von Hexentransporte veranstalten könnte, so änderten sie weislich den Plan und fassten den Schluss, ihn noch die nämliche Nacht mit Feuer, als den sichern Waffen wider alle Zauberei anzugreifen, wiewohl sie auch noch die menschenfreundliche Nebenabsicht hatten, ihn vermittelst desselben aus seiner wohnung hervorzuscheuchen, sich die Schätze zeigen zu lassen, und ihm alsdann zur Belohnung die verdammten Zaubergebeine zu Asche zu verbrennen. Noch mehr wurden sie in ihrer Meinung bestärkt, da der zurückkommende Wegweiser ihnen das empfangne Geld zeigte und, um seine Erzählung interessanter zu machen, hinzusetzte, dass ihm dieses der Mann durch einen Schlag mit seinem Stabe aus der Erde habe hervorspringen lassen. Jedermann brannte vor Verlangen auf diese Nachricht und sah schon aus jedem Flecke, worauf er trat, Silber und Edelgesteine hervormarschiren, besichtigte jedes besondere Steinchen und vermutete unter jedem abgefallnen Blatte eine verdeckte Kostbarkeit. Sie warteten in einem Hinterhalte, bis der Zauberer schlafen würde, wo seine Kräfte nicht wirken könnten, und führten ihr schreckliches Stratagem aus. Sie zündeten die Hütten des Derwisches an, der wegen langer Sicherheit ungewohnt worden war, Feindseligkeiten von Menschen zu besorgen, und mit seinen Töchtern verbrannte, ehe sie ihr trauriges Schicksal wahrnahmen. Belphegor erwachte, ehe das Feuer seine wohnung verheerte und entrann in den nahen Wald,