sind seine Wächter. –"
Und Niemand raubt dem andern einen Pfennig? Einer darbt, wenn der andre sich füttert, ohne sich mit seinen Fäusten etwas zu erkämpfen? –
"Nein, wir kämpfen nicht mit Fäusten, sondern leider! mit unserm verstand – wir betriegen. –
Betriegen? Elende feige Kreaturen! der listigste Haufe hat bei Euch also das Obergewicht? – Fi! –"
"Der Mächtige, der Grosse geniesst seinen Ueberfluss sorgenlos; denn er ist auf allen Seiten verschanzt: der arme geniesst das Brod seines Schweisses eben so ruhig; Mangel schützt ihn wieder Bevorteilung: der ganze übrige Haufe ist im Krieg verwickelt, und der Hinterlistigste ist der glücklichste Sieger. –"
Was für jämmerliche Kreaturen ihr seid! die niederträchtigsten Räuber des Erdbodens! Jede Beute ist bei uns der Preis der Tapferkeit, jede bei euch ein Denkmal einer niedrigen Seele. Trenne mein Haupt sogleich von meinen Schultern, wenn Ein Betrug darinne gebrütet worden ist! Was ich bin, wurde ich durch mich selbst, durch meinen Mut.
Belphegor war wahrhaftig am Ende seiner Disputirkunst, und der zurückgebliebene Grad von Abneigung gegen den Menschen liess ihn auch keine sonderliche Mühe nehmen, etwas für die polizierten Räubereien zu sagen: er schwieg mit einem Seufzer und gab den grundsätzen des Arabers Recht.
Eine so angenehme Ruhe störte nichts als der Einfall eines benachbarten Räubers in das Schloss, wo sie Belphegor genoss. Dieser Held hatte in Erfahrung gebracht, dass Belphegors gönner bei dem letzten Meisterstreiche, den er spielte, zwo der herrlichsten cirkassischen Schönheiten in seine Gewalt bekommen hatte. Ein solcher Preis war es wohl wert, dass man sein Leben einmal daran wagte: die Liebe setzte seiner Tapferkeit den Sporn in die Seite, und er zog mit seiner ganzen Mannschaft aus, jene zwo Nymphen entweder in seine hände zu bekommen, oder sie wenigstens ihrem gegenwärtigen überglücklichen Besitzer zu entreissen, sollte es auch durch den Tod geschehen müssen. Er rückte an, überraschte seinen Gegner, der sich nicht in der mindesten Bereitschaft befand und sich schon ergeben musste, ehe er sich zur Wehre stellen konnte. Der Feind begnügte sich, alle Oerter zu durchsuchen, wo er die verlangten Schätze vermutete, und ward nicht wenig ungehalten, da ihm allentalben sein Wunsch fehlschlug. Er erhielt zwar die Nachricht, dass der überwundne Herr des Schlosses, den sein Alter über die Begierden der Liebe schon ziemlich hinwegsetzte, die schönen Cirkassierinnen nach ihrer Erbeutung sogleich in Geld verwandelt habe: allein da er dies bei seiner jugendlichen Lebhaftigkeit nicht begreifen konnte, so erklärte er es schlechtweg für eine Erdichtung, stellte seine Nachforschung noch etliche Mal an und fand jedesmal nichts. Um aber doch seinen gang und seine hintergangne Hoffnung bezahlt zu machen, nahm er dem Ueberwundnen seine Sklaven und eine Auswahl von seinen besten Habseligkeiten mit sich hinweg, das Uebrige nebst dem schloss steckte er in Brand, und war so grossmütig, und gab Belphegorn und seinem Wohltäter, weil er sie beide zu nichts anzuwenden wusste, die Freiheit und völlige erlaubnis, alles Glück in der ganzen weiten Welt aufzusuchen.
Sie gingen beide mit einander fort, und es war schwer zu unterscheiden, welcher von ihnen eigentlich den Verlust erlitten hatte. Sie nahmen ihren Weg nach der Landschaft DIARBEK und fanden sie bei ihrem ersten Eintritte mit Empörung und Blute überschwemmt. Kaum hatten sie ein Dorf erreicht, als sie schon mit dem Schwerdte in der Hand auf ihr Gewissen befragt wurden, ob sie sich zu DUBORS oder MISNARS, oder ABIMALS, oder AHUBALS, oder des Sultans AMURAT Partei hielten. – Zu derjenigen, die das meiste Recht für sich hat, oder lieber zu keiner, antwortete Belphegor. Ich kenne weder Amuraten, noch Duborn, noch die du mir nennst; es herrsche über Diarbek, wer kann oder will! – Da ein Türke keine andre als lakonische positive Antwort annimmt, so wurde die Frage noch einmal und zwar peremtorisch getan, und um ihn zu einer bestimmten Antwort desto schneller anzutreiben, schwangen die Examinanten ihre Säbel über ihren Köpfen und hielten sich zum Hiebe bereit. Jede entscheidende Antwort konnte ihnen den Tod bringen, und jede Verzögerung brachte ihn gewiss: sie wählten blindlings ihre Partei und trafen glücklicher Weise diejenige, zu welcher die Fragenden sich bekannten. Diese vorteilhafte Wahl errettete sie vom Untergange: man liess ihnen die Freiheit, in DIARBEK zu existiren, und bekümmerte sich weiter nicht um sie. Bei dem Fortgange ihrer Reise geschah ihnen von Zeit zu Zeit die nämliche Anfrage, und der Zufall, auch zuweilen List half ihnen jedesmal aus der Gefahr! Um sich ihr aber nicht länger auszusetzen, beschlossen sie ein Land mit dem ehesten zu verlassen, wo die Neutralität schlechterdings unerlaubt war. An den grenzen erfuhren sie, dass MISNAR alle seine Nebenbuhler besieget, ermordet und sich auf drei Wochen die herrschaft über Diarbek errungen hatte, nach deren Verlaufe der Sultan Amurat für gut befand, ihn vom Trone heruntertreiben und stranguliren zu lassen, nebst allen denjenigen, die die kurze Gnade seiner Regierung erhoben hatte.
Siebentes Buch
Einem Blutbade entgingen sie, um in ein andres zu geraten: bei dem ersten Schritte, den sie auf persischen Boden setzten, kamen ihnen schon blutige Ströme entgegen: je weiter sie ihr Weg führte, desto mehr häuften sich die Spuren des Mordes und der Grausamkeit, und zuletzt gelangten sie an einen grässlichen Wahlplatz, wo Schaaren über einander gestürzter Leichname in grässlichen Haufen, mit getödteten Kameelen und Maultieren vermischt, lagen. Belphegor fuhr mit Entsetzen vor dem schrecklichen Anblicke