konnte ich in dem land nicht mehr ausdauern; unter lauter Meerkatzen bekömmt man leicht Langeweile; auch ICH wurde den schönen Bewohnerinnen des Landes beschwerlich, weil ihnen alles so alltäglich an mir geworden war, dass sie nicht mehr über mich lachen konnten. Der ganze Himmelsstrich war mir verhasst, weil er meine geliebte ZANINNY ohne mich besass: ich nahm meinen Abschied, und diejenige Dame, die ich in der ersten Nacht zu einem Geschrei genötigt hatte, und die mir seitdem gewogner als alle andre war, gab mir mit dem langen Nagel ihres Daumens, die sie dort zu der ansehnlichsten Grösse anwachsen lassen, zum Andenken ihrer Gewogenheit einen Schnitt auf den rechten Backen, wovon du noch bis jetzt die Narbe siehst. Alle Mannspersonen mussten sich in dieser weiblichen Republik mit einem solchen Schnitte zeichnen lassen, zum Beweise, dass sie diejenige Schöne, von welcher sie ihn empfiengen, als Sklaven unter sich gebracht hat; und wenn man der Meerkatzen überdrüssig ist, so ist es die einzige Zeitverkürzung unter ihnen, einander die Schnitte vorzuzählen, mit welchen eine jede ihre vermeinten Sklaven gebrandmahlt hat. Ich begab mich auf den Weg und wandelte langsam mit trauriger Beklemmung von dem Orte, wo ich meine beste ZANINNY zurückliess. – Doch, dachte ich, wer weiss, wozu dies gut ist, dass du sie verlieren musstest? Vielleicht– ach, wer kann sich alles Böse denken, dem ich dadurch entkommen bin, und alles Gute, das ich möglicher Weise dadurch erlangen kann? Wer weiss, wozu es gut ist? – Mit diesem Gedanken beruhigte ich mich auf meinem Marsche und kam mit ihnen zu den EMUNKIS, einem elenden volk, das unter dem abscheulichsten Regimente lebte. Ihr Herr war der geilste, geizigste, grausamste Tyrann der Erde. Meine Ankunft fiel auf einen Tag, wo alles in der grössten Feierlichkeit war. Der neue Despot hatte den Tron bestiegen und nach dem dasigen Staatsrechte seinen übrigen zwei und siebzig Brüdern goldne Stricke zugeschickt, an welchen sich ein jeder mit eigner Hand aufhängen musste: das ganze Volk lief einer Gallerie zu, wo sie alle nach der Rangordnung des Alters an ihren goldnen Stricken schwebten, und der tumme Pöbel frolockte über diese ersten Opfer, die der Despot seiner Tyrannei gebracht hatte. Ich habe mich lange Zeit an seinem hof aufgehalten, und ihm muss ich mein Königreich NIEMEAMAYE verdanken. – Medardus seufzte ein wenig bei dieser Stelle und fuhr sogleich wieder fort. – Der dicke Götze sass unaufhörlich in einer dichten Wolke von Wohlgerüchen, die ihm alle Sinne so sehr benebelten, dass er nie zu sich selbst kam: unaufhörlich musste ein Haufen Gold und eine von seinen Weibern zu seinen Füssen liegen. Seine Leibwache bestand bloss aus Weibern, die nie eine männliche Seele zu ihm liessen: die höchsten Stellen des Landes waren zwar mit Männern besetzt, allein die obersten Befehlshaberinnen der Leibwache hatten in allen Ratsversammlungen die ausschlagenden Stimmen, und jene mussten nur vortragen und vollstrecken, was diese geboten. Alle Mädchen von den ersten Augenblicken des Lebens waren im ganzen Reiche seine Leibeignen: die Vornehmern und Reichern hatten sich des Rechts bemächtigt, seine Leibwache auszumachen, und die Gemeinen oder Armen wurden in sein Serail nach dem Maasse ihrer Schönheit gewählt, und die Hässlichen im Namen des Königs an die Liebhaber öffentlich verkauft. Der Despot hatte eine so unsinnige Liebe zum Golde, dass er nicht schlafen konnte, wenn nicht einige Haufen neben seinem Lager aufgeschüttet lagen.
Also war er dein Lehrmeister? unterbrach ihn Belphegor etwas bitter.
Der gute Medardus erschrak: er wollte seine Erzählung fortsetzen, und die Bitterkeit der Frage nicht zu fühlen scheinen; allein Belphegor fasste ihn stärker und liess ihn nicht durchwischen. Er malte ihm mit den frischesten Pinselzügen, doch mit etwas Galle vermischt, den Neid und die Unterdrückung vor, die er, als der sonst treuherzige wohldenkende Medardus, als Beherrscher von NIEMEAMAYE gegen seine Nachbarn und Untertanen ausgeübt hatte. Dem Monarchen wurde bange; er räusperte sich, er rückte sich auf seinem Sitze hin und wieder, er wusste nicht, ob und was er reden sollte, bald schien er sich entschuldigen, bald anklagen zu wollen, während dessen sein Moralist unaufhörlich fortfuhr, mit aller Stärke seiner Beredsamkeit sein eingeschläfertes gutes Herz aufzuwecken. – Brüderchen, sprach er endlich, ich bitte Dich, schweig! Du machst mir so bänglich ums herz, dass ich heute noch lieber zu einem Glase frischen Apfelwein mit Dir zurückgehn, als hier eine Minute länger befehlen möchte. Du übertreibst! –
Nicht Einen Strich in dem Gemälde übertreibe ich, antwortete Belphegor, und liess den Strom seiner Gesezpredigt von neuem hervorbrechen.
Was bist Du denn besser? schloss Belphegor; worinne besser als der wilde Despot, an dessen hof du deinen Geiz lerntest? Weniger grausam, aber der nämliche Unterdrücker.
Sein Freund fiel ihm um den Hals, erbot sich alles gesammelte Gold unter seine Nachbarn auszuteilen, allen seinen Sklaven das Ihrige wieder zu erstatten, wie der geringste unter ihnen zu leben, seine ganze Macht niederzulegen, mit ihm zu einem Kruge Apfelwein zurückzuwandern und so viel Gutes zu tun, als er könnte. Belphegor war mit seiner Reue zufrieden und fragte ihn, um ihre Aufrichtigkeit zu versuchen, welchen Tag er alle diese Versprechungen erfüllen würde. Er stuzte ein wenig über die Frage, doch setzte er lebhaft hinzu:
Morgendes Tages! Belphegor nahm seine Hand darauf an und brach die Materie ab, doch sein Freund kehrte oft zu ihr wieder zurück. – Brüderchen, sagte er, es ist