umringt, und lacht! und lacht! dass einer jeden zwo Meerkatzen die Hüften halten mussten. Ich lachte mit: Du weisst, Brüderchen, ein fröliches Gesicht macht das meinige gleich zu seinem gefährten: ich musste lachen, ob ich gleich vor Schmerz halb verrückt war. Denkst Du wohl, Brüderchen? – das brachte mich in ihre Gunst. Ich musste in der Mitte sitzen bleiben: die Meerkatzen lagerten sich hinter den Damen, und diese lachten über jede Bewegung, jede Mine, die ich machte, über meine Art zu sitzen, und machten sich überhaupt auf meine Unkosten so lustig, turlepinirten mich bisweilen, um das Gelächter zu schärfen, stiessen, warfen mich, liessen ihre Meerkatzen auf mir herumspringen, um über mich zu spotten, wenn mir eine einen losen Streich spielte: kurz, ich schien mir in meinen Augen eine erbarmenswürdige Figur, weil ich eine lächerliche abgeben musste.
Ja, Freund, unterbrach ihn Belphegor, Du hast Recht. Aber welch ein trauriger Beweis von der Neigung des Menschen zum Unterdrücken! Fromal, wenn Du es hörtest, würdest Du nicht sagen? – wo der Mensch nicht mit ehernen Waffen, nicht in der Tat unterdrückt, da tut er es mit der Lunge, in der Einbildung, durch die Vorstellung sich so lange andre unter sich zu denken, als er über sie lacht. Mensch! Mensch!–
Ach, Brüderchen, die Erniedrigung war mein Glück auf einige Zeit –
BELPH. Daran zweifle ich gar nicht. Weisst du noch, was du mir einst sagtest? – Gegen Kreaturen unter sich ist der Mensch gütig, gerecht, mitleidig, wenn sein Vorteil nicht in den Weg tritt, nur über und neben sich ist ihm alles verhasst.
Medardus überging diese Erinnerung mit einem errötenden Stillschweigen und fuhr in seiner Erzählung mit dem Tone fort, wie ein Mensch, der sich bei einer Satyre getroffen fühlt. – Ja, Brüderchen, sie war mein Glück, sagte er. Sie luden mich durch ihre Winke ein, ihnen zu folgen; weil ich für meinen Appetit dabei zu gewinnen hofte, nahm ich die Einladung ohne Bedenken an: die ganze Gesellschaft ritt mit sittsamen Ernste auf ihren grossen Meerkatzen fort, und ich hatte die Ehre ihnen zu fuss nachzuspatzieren.
Nach unsrer Ankunft in eine Hütte von Baumästen wurde die Tafel von Meerkatzen besetzt, die in dieser Gegend alle häusliche und galante Verrichtungen unter Händen haben, und sehr frühzeitig dazu abgerichtet werden. Sie lernen ihre Wissenschaften so schnell, dass in einem Jahre eine Meerkatze den höchsten Grad ihrer Vollkommenheit erreicht. Siehst Du, Brüderchen? es wurde viel aufgetragen, von wenigem gegessen, und nichts füllte nur eine Viertelelle Hunger in meinem Magen aus. Man spielte nur mit dem Essen; und ich hatte Lust, im völligen Ernste damit zu verfahren. Man lachte abermals über mich; und da man sich überdrüssig gelacht hatte, sah man mich mit keinem Blicke mehr an. Ich wurde aus der Hütte verwiesen, musste eine ziemliche Strecke von dem Schlafgemache meiner Gönnerinnen in einer kleinen Kabane schlafen und mich mit Seilen von Bast fest anbinden lassen; – vermutlich damit sie ungestört und sicher für meinen nächtlichen Ueberfällen schlafen können, dachte ich: aber es musste wohl nur eine Cerimonie sein; denn mit jeder Viertelstunde bekam ich von einer meiner überfirnissten Damen einen Besuch, der mich keine Minute ruhig schlummern liess, so sehr meine ermüdeten Lebensgeister der Erhohlung bedurften. Ich ward ungeduldig, riss mich von meinen Banden los, ergriff die Mutwillige, die mich eben beunruhigte, um sie aus meinem Schlafgemache hinauszuwerfen: sie schrie Gewalt, und aus ihren ängstlichen Geberden konnte ich schliessen, dass sie ihren herbeieilenden Schwestern meine Tat als einen Anfall auf ihre Tugend abmalen mochte, ob sie gleich vorher mehrere auf die meinige getan hatte. Sie schrieen, lärmten und tobten alle, steinigten mich, hezten ein ganzes Regiment Meerkatzen auf mich los, die mich mit ihren Tatzen elendiglich zerkratzten. Ich ertrug mein Schicksal mit Geduld; aber den Tag darauf wurde ich ausgelacht! Brüderchen, ausgelacht, bis zur ärgsten Beschämung! Ich forschte nach meiner ZANINNY, ich lief allentalben herum, sie aufzusuchen; ich fand sie nirgends: ich war untröstlich, doch wurde ich bald durch ein lächerliches Schauspiel wieder aufgemuntert. Die Meerkatzen haben das feinste Gefühl der Ehre: Neid und Vorzugssucht beherrschen sie ganz. Tages vorher hatte einer das Glück gehabt, dass über seine Kapriolen der Zirkel am lautesten und häufigsten gelacht hatte:
alle übrigen wurden neidisch und versengten ihm mit einem Feuerbrande im Schlafe seinen Spiegel auf dem rücken: weil er aus einer harten fühllosen Haut besteht, so wird er es nicht eher inne, bis der Brand die Hinterkeulen schon zu verwüsten anfängt. Das arme geschöpf hinkte traurig herum und musste mit seinen Schmerzen der Gesellschaft oben drein zur Kurzweile dienen, die sich in ein ausgeschüttetes Gelächter über seinen Zustand ergoss, das zunahm, je mehr seine Kameraden ihn neckten und quälten. Die ganze Erklärung des Vorfalles teilte mir eine von den roten Nymphen durch ihre künstliche Geberdensprache mit: denn sie waren insgesamt geborne Pantomimenspielerinnen und sprachen deswegen selten anders als durch Minen und Gestikulationen. Durch eben diesen Weg erhielt ich auch die Eröffnung, dass in diesem Distrikte nichts als lauter Frauenzimmer mit ihren bedienenden und zeitverkürzenden Meerkatzen wohnten, und dass sie bei andern Bedürfnissen der natur ihre Männer aus einem nahgelegnen Gebirge zu sich beriefen, die dort das Land für ihren beiderseitigen Unterhalt bauen und Schminke für die Körper ihrer Damen sammeln mussten. Lange