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, dass die edeldenkenden Engländer hier ein Monopolium mit ihren Nebenmenschen treiben; wenn also alles fehl ging, hofte ich wenigstens mit einer Ladung dieser Waare nach Amerika und von da nach Europa zu schiffen, oder wie ich sonst dahin kommen möchte. In dieser Meinung, Brüderchen, suche und finde ich eine gelegenheit, wie ich sie wünschte. Die Abreise verzögerte sich, und indessen machte ich eine Bekanntschaft, die mich ganz davon zurückzog.

Dem mann, der mich nach Europa transportiren wollte, war durch seinen Abgeordneten, die den Einkauf besorgten, von den schwarzen Töchtern des Landes eine zugeführt worden, die in ihrer pechschwarzen Haut so schön war, als jede europäische Venus von dem glänzendsten Marmor. Das Gesicht war zwar etwas afrikanisch; aber ihre runden fleischichten arme, ihr luxurirender Busen, ihre vollen Hüften, dasBrüderchen, alles, alles war schön an ihr. Ihr Herr hatte die keuschesten Absichten von der Welt auf sie; er fühlte nicht ein Fünkchen Liebe zu ihr, sondern sie gefiel ihm, weil ihm ihre person mit allen ihren Schönheiten ein baares Kapital zu sein schien, das er in Amerika mit reichen Interessen durch ihren Verkauf haben wollte. Deswegen entielt er sich aller unerlaubten Begierden gegen sie, weil er für sie und daher auch für seinen Vorteil gefährliche Folgen davon besorgte. Er unterrichtete sie selbst in Französischen und Englischen, worinne es ihm aber nicht sonderlich glückte, weil ihm seine Geschäfte so vielfältig daran verhinderten: er übergab sie meiner Unterweisung. Sie wusste wenig von den beiden Sprachen, die sie lernen sollte, aber doch zur Liebe und zur Erzählung ihrer geschichte genug. Brüderchen, seitdem meine Frau von Gottes Erdboden weg ist, habe ich kein einziges Mädchen so lieb gehabt, als die allerliebste niedliche ZANINNY. Brüderchen, fühle einmal, wie mir das Herz pocht, indem ich sie nenne! Sie merkte wohl, ohne dass ichs ihr sagte, dass eine Revolution in meinem herz vorgehn musste, wenn ich sie sah; und dass es unter ihrer schwarzen Brust eben so zugehn mochte, das sagte ihr aufrichtiges Gesicht und Auge ohne hülfe der Zunge: dem guten Geschöpfe stiegen gleich alle Empfindungen in die Mine, und wer ihr Gesicht buchstabirte, buchstabirte ihr Herz. Sie hatte ein Paar zärtliche funkelnde Augen, die sie über der platten Nase so verliebt herumwälzte, dass ich mannichmal mir nach dem Pulse fühlte, ob ich noch atmete, oder von ihnen versteinert wäre. Ich wusste schon, dass sie ihren Eltern gestohlen worden war, und sie sagte mir durch Geberden und mit ihrem Bischen Französisch, dass sie ihr Land nicht gern verliesse, und sagte mir noch oben dreindass sie mich von Herzen lieb hätte, bat mich, sie wieder zu ihren Eltern zu bringen, und bat mich so, dass ich dachte:

Nun, so bist du doch mit deiner guten ZANINNY wahrhaftig fast so glücklich als mit deiner verstorbenen Frau, und wenn dich ihre Eltern zum Schwiegersohne annehmen und sich nicht daran stossen wollten, dass ich so hässlich weiss binja, ich bliebe mit meiner ZANINNY in ihrer Hütte und würde ein Afrikaner, äss, tränk, schlief, spielte mit ihr, jagte, sammelte Datteln für sie, hütete das Vieh mit ihr, oder was es sonst hier zu land zu tun gibt: die afrikanische Sonne würde ja wohl mit der Zeit einen hübschen Neger aus mir machen. – Kurz in meinem herz war sie schon völlig meine zweite Frau. Endlich kamen zu ihren Bitten gar Tränen, so recht aus der Empfindung herausgeweinte Tränen, dass ich alter Narr neben ihr sass und eine nach der andern unter die ihrigen auf ihren Schoos fallen liess. Sie schlang ihre Negerarme um meinen Hals, und während der Umarmung tröpfelte eine Träne auf meinen linken BakkenBrüderchen, die brannte! die brannte, dass mir die Wärme bis zur Zehe herunter lief; ich schwitzte, das Herz klopfte, alle meine fünf Sinne waren in Bewegung, und in meinem kopf ging es so verwirrt her, wie in der Weltalles unter und über einander! Ich konnte nicht anders, ich musste ihr versprechen, sie von dem Sklavenhändler zu erretten. Was für eine Freude, als sie das hörte! wie unsinnig sprang und hüpfte sie, und fiel mir um den Hals, um die Kniee, drückte mir die Hand, streichelte mir die Backen, dass ich wie ein alberner Tölpel da stand, unbeweglich, und nicht wusste, dass ich stand, nicht einmal, dass ich existirte. Des Nachts marschirten wir aus. Ich wollte sie, aus Mitleid zu ihren Füssen, auf die Schultern nehmen: aber ehe ichs konnte, fasste sie mich in der Mitte, nahm mich auf ihren rücken und galopierte, wie ein Renntier, mit mir davon, so lange, ohne Aufhören, so sehr ich auch bat auszuruhen, bis sie mit ihrem africanischen Accente rief: Je meurs! und entkräftet mit mir in den Sand niederfiel. Kein Tropfen wasser, keine menschliche hülfe, nichts war bei der Hand. Ich ängstigte mich, ich lief um sie herum, ich fasste ihre Hand, ich fühlte an ihr Herz, ob es noch schlug, ich bat sie nur ein Wort zu sprechen: umsonst sie schlief vor Mattigkeit ein. Schlafe sanft, sagte ich, aber erwache mir nur wieder! – Ich setzte mich neben sie und fächelte ihr das Gesicht. Ja, Mädchen, wenn du mir nicht wieder erwachst! dachte ich