Menge Goldes über seine grenzen. Sogleich verbot er den Einwohnern dergleichen Einfälle auf immer und ewig, und wer sich derselben nicht entalten konnte, musste sich von IHM das verlangte Fremde einhandeln: er gab ihnen für das Gold, das der fremden Waare bestimmt war, innländische Kleinigkeiten, und gebot ihnen bei Vermeidung einer starken Strafe, sich einzubilden, dass es die verlangten fremden Kostbarkeiten wären: er verkaufte ihnen die Zähne von wilden Katzen, und befahl ihnen zu glauben, dass es Elephantenzähne wären, getrocknetes Schweinsblut musste statt des Zibets, und Haasenfelle statt der Panterhäute dienen. Damit aber die fremden Originalwaaren sich nicht unvermerkt einschleichen und heimlich etwas von seinem Golde herausziehen möchten, so zog er eine Mauer um sein Land, besetzte sie mit streitbaren Männern, die jedem, der seinem Verbote zuwiderhandelte, hundert Rutenstreiche auf den blossen rücken stehendes Fusses mitteilen und ihn aus seinen grenzen verjagen mussten.
Nachdem er durch dergleichen Veranstaltungen seine Goldbegierde zum Nachteile der Nachbarn gesättigt hatte, so konnte er es eben so wenig dulden, dass jemand ausser IHM in seinem land dieses herrliche Metall besass. Er sann auf Mittel, auch diesen Vorrat, wo nicht ganz, doch zur Hälfte in seinen Schatz zu leiten. Da seine Untertanen mit allen ihren Habseligkeiten sein Eigentum waren, so masste er sich das Monopolium aller ihrer Bedürfnisse an: von IHM mussten sie selbst die Früchte kaufen, die sie durch ihren Fleis auf ihrem Grund und Boden gezeugt hatten; sie mussten ihm sogar für den Durchgang der Luft durch ihre Lunge einen Zoll bezahlen, bis er endlich alles Gold in seinem Palaste aufgehäuft, und die Einwohner zu einem Lastviehe gemacht hatte, dem er das Futter umsonst gab, weil sie es ihm nicht mehr abkaufen konnten. Das ganze Land war Eine grosse Familie, dessen Hausvater der Regent vorstellte, der sein sämmtliches Gesinde mit den Früchten des Landes nährte, keine Auflagen, keine Taxen erhob, weil es in die glückliche Situation gekommen war, dass niemand mehr etwas geben konnte.
Alle Kanäle des Reichtums auf der Oberfläche der Erde waren versiegt, oder doch so bekannt, dass sie ihm keine besondre Freude machen konnten. Er wollte auch die Eingeweide des Erdbodens plündern: nur fehlte es ihm an Leuten, die die Kunst verstunden, der Erde ihre Schätze abzunehmen. In dieser Hinsicht liess er aus allen Gegenden Künstler von dieser Art zu sich einladen, und tat ihnen Versprechungen, die jeden anlocken mussten, sich dafür auszugeben.
Von allen diesen Umständen hatte Belphegors Patron genaue Nachricht, und war fest entschlossen, sie nicht ungenutzt zu lassen. So bald seine Geschäfte in Abissinien verrichtet waren, begab er sich mit Belphegorn auf den Weg nach NIEMEAMAYE, in dessen Nachbarschaft er vormals schon einen Handel getrieben und eben bei dieser gelegenheit die vorhergehenden Nachrichten von dem Könige jenes Landes gesammelt hatte. Auf der Reise dahin offenbarte er erst Belphegorn seinen Anschlag. Wir wollen, sagte er ihm, uns für die erfahrensten Bergmänner ausgeben, dadurch das Vertrauen des Königs gewinnen, unter der Hand seine im Herzen missvergnügten Untertanen auf unsre Seite bringen, den geizigen Barbaren umbringen, und uns in seine aufgehäuften Schätze teilen: – im grund aber – was er weislich in petto behielt – sollte Belphegor für seine Absicht nur zur Maschine dienen, auf die er, wenn der Streich mislänge, alle Strafbarkeit laden, und die er nach einer glücklichen Ausführung ohne, oder mit einer kleinen Vergeltung sich vom Halse schaffen könnte. Belphegor erschrak: kaum merkte dies sein Gefährte, als er sich seine Bestürzung zu Nutze machte, und ihn mit dem grausamsten tod bedrohte, wenn er sich nicht zu dem Vorschlage bequemen wollte: Belphegor sträubte sich lange. – Wohl! so verhungre hier in der Wüste! sprach jener, und machte eine Bewegung zum Abmarsche. Selbstliebe, Rechtschaffenheit, Abscheu gegen eine so grause Tat, wie ein Mord, stritten mit dem wildesten Aufruhre in dem verlegnen Belphegor: er wollte ihn zurückrufen, er setzte einen Fuss bedächtlich vorwärts und zog ihn hastig wieder zurück; er ächzte, er zitterte, er sann, und endlich eilte er dem bösen mann nach, um ihm seine hülfe zu versprechen, ob er gleich bei sich den festen Vorsatz hatte, nicht Einen Finger zu einem Morde anzulegen: nur aus Liebe zur Selbsterhaltung tat er ihm dies verstellte Versprechen, und war willens, sich lieber einer Verräterei gegen diesen Bösewicht, als einer Mordtat schuldig zu machen. Der Listige, um sich ihn desto fester zu verbinden, schlug anfangs sein Anerbieten aus, und versicherte, dass er einen solchen feigen Undankbaren nicht zu einer Unternehmung zulassen würde, für die er von einem so schlechten Werkzeuge alles fürchten müsste. Belphegor wurde ängstlich, die Qual des Verhungerns stellte sich ihm in der fürchterlichsten Schwärze vor, er setzte in ihn, beschwor ihn und erhielt endlich, doch als eine Freundschaft, die erlaubnis, an der mördrischen Tat einen rühmlichen Anteil zu nehmen. Belphegor wünschte nur durch diese Einwilligung mit ihm in bevölkerte Gegenden gebracht zu werden, um alsdenn sich seiner Gesellschaft, ohne Hungersnot, heimlich entziehen zu können. Auch dieser Anschlag wurde ihm vereitelt: die Wüste dauerte bis an die Mauer, die die Gränze von NIEMEAMAYE bezeichnete, und er musste wider seinen Willen an die Betrügerei Hand anlegen.
Noch immer hoffte er seinem gefährten entwischen zu können, so sehr ihn dieser auch beobachtete und aus Furcht vor Verräterei fast nicht von der Seite liess. Sie wurden nach der Gewohnheit des Landes dem Könige hinter einem Schirme vorgestellt,