kam ihm doch dieses und die erstaunliche Revolution seines Glücks so wenig unerwartet, dass er mutig seinem tod entgegenging. Die von Ewigkeit her geknüpfte Reihe der begebenheiten, sprach er zu sich, ist durch den Zufall so geordnet, dass dies alles so und nicht anders erfolgen musste. Ebendieselbe unwiderstehliche notwendigkeit riss auch meinen vorigen Freund zur Feindschaft gegen mich hin; alle Ursachen und Wirkungen vereinigten sich in ihm und ausser ihm so, dass dies die einzige mögliche Folge war: wir haben gekämpft, das Schicksal hat entschieden, wer Recht haben soll: das eingeführte Recht verlangt meinen Tod: wohlan! ich sterbe, weil ich nicht länger leben kann, weil ich muss. –
Kaum wurde Belphegor inne, zu welcher äussersten Gefahr sein Freund durch seine Mitwirkung sich getrieben fand, als plözlich alles in ihm aufwachte – Mitleid, Freundschaft, Reue, Betrübniss, Schrecken, die sein Herz mit den schärfsten Stacheln zerrissen. Er arbeitete mit allen Kräften seiner Beredsamkeit und seiner Macht daran, ihn wenigstens vom tod zu erretten. Er bot dem Könige von Segelmesse alles, sein eigenes Leben, für das Leben des Gefangnen an; er war unerbittlich. Er drohte ihm in der äussersten Verzweiflung mit Krieg und der Aufwiegelung aller seiner Vasallen, er wütete, er raste, er schrieb SICH die Veranlassung zu Fromals tod einzig zu, er wollte sich neben ihm mit dem nämlichen Werkzeuge umbringen, das das Leben seines Freundes zerschneiden würde. Endlich verstand sich der König dazu, ihm das Leben zu schenken, mit der Bedingung, dass er mit der nächsten Karavane nach Nigritien gebracht werden sollte, um dort als Sklave verhandelt zu werden; und von dieser Bedingung sollte ihn sein eigner Untergang nicht abbringen.
Belphegor sah sich genötigt einzuwilligen, obgleich mit schwerem Herzen, und in wenigen Tagen wurde er mit der gewöhnlichen Karavane nach Nigritien geschaft, um dort von dem weisesten und menschlichsten volk des Erdbodens, den Engländern, als Sklave eingehandelt zu werden.
Keine Seuche auf unserm Planeten kann eine so ansteckende Kraft haben, als die leidenschaft: hat sich eine in unser Herz geschlichen, so können wir sicher sein, dass bald ein ganzes Heer daraus aufwachsen wird, wie aus den Drachenzähnen des Kadmus, das sich auf dem grund, wo es aufschoss, ewig herumtummelt, kämpft, haut und sticht, bis alle ausser einer niedergemacht sind. Belphegor war von seiner Unruhe über das Unglück seines Freundes noch nicht völlig wiederhergestellt, er machte sich noch täglich Vorwürfe über seinen Anteil an der Veranlassung desselben, und nahm Besiz von seinem entledigten Reiche; weder er noch ein andrer seiner Mitvasallen hatten Anspruch darauf, und doch war ER der erste, der einen darauf machte. Der König von Segelmesse war keineswegs gesonnen, einem andern als sich selbst ein Gebiet zu gönnen, dessen Besitzer er in kurzem wieder zu fürchten hätte; er erklärte SICH ohne Umstände für den rechtmässigen Herrn davon und liess Belphogorn die Wahl, ob er aus seiner Eroberung gehen, oder herausgeworfen sein wollte. Belphegor foderte sie als eine Belohnung seiner geleisteten hülfe, und bekam eine zweite Drohung zur Antwort.
Unterdessen hatten einige andre Nachbarn gleichfalls Lust zu Fromals Hinterlassenschaft bekommen; ohne ihr Recht darauf vorher zu beweisen, erwarben sie sich es mit den Waffen und vertrieben Belphegorn, zankten sich unter einander selbst, gaben ihren schwarzen Untertanen den Auftrag, sich an ihrer Stelle herumzuschlagen, bis der König von Segelmesse der Komödie ein Ende machte, alle Akteurs hängen liess und das Teater in Besiz nahm.
Belphegor wurde über diese Ungerechtigkeit, wie er es sich selbst nannte, oder wenn er aufrichtig hätte sprechen wollen, über das widrige Schicksal, dass er ganz leer ausging, äusserst aufgebracht, und beschloss sein verschmähtes Recht geltend zu machen, was es ihm auch kosten würde. Er errichtete ein Bündniss und sezte sich von neuem ein, ward vertrieben, und vertrieb – kurz, er spielte das ganze langweilige Lied der politischen geschichte, das sich aber seiner Seits mit dem vertrieben werden endigte. Der Monarch von Segelmesse bekam ihn gefangen und verurteilte ihn kraft aller göttlichen und menschlichen gesetz, das heisst, kraft der hergebrachten Gewohnheit zum tod.
Da er nichts gewisser als den Scharfrichter erwartete, der Leib und Seele trennen sollte, so wurde ihm seine Befreiung angekündigt, die er einem von den heiligen Tieren zu danken hätte: es fiel ihm ein, dass Medardus zu der Ehre eines Platzes unter dem heiligen Vieh gelangt sein sollte, und überliess sich der angenehmen Einbildung, dass seine Rettung von IHM herrühre. Er verlangte seinem Versprecher in eigner person zu danken; allein da kein profaner blick auf ein heiliges Tier fallen darf, so musste er seinen Dank einem Bevollmächtigten anvertrauen, der ihn an Ort und Stelle überlieferte. Demungeachtet wurde er aus dem Reiche verbannet und ihm auf ewig untersagt, sich in den grenzen des segelmessischen Monarchen blicken zu lassen, wenn er nicht die Vögel des himmels und die Würmer der Erde mit seinen Gebeinen füttern wollte. Er wurde gleichfalls nach Nigritien mit der Karavane von Segelmesse gebracht, die unterwegs, um sie nicht unbeschäftigt zu lassen, die ganze natur, Wind, Sand, Hitze, Durst, Räuber und Löwen auf manchen mühseligen Kampf herausfoderten, doch langten sie wenigstens mit dem Leben an.
eigentlich war es wohl der ausdrückliche Wille des Königs, der ihm diese Marschrute vorschrieb, nicht gewesen, dass er, wie Fromal, verkauft werden sollte: allein der Kaufmann, dem er übergeben war, urteilte sehr vernünftig, dass ein Mensch umsonst