, um ihn ohne Reue zu entbehren. Es war ausser sich gesezt, und wünschte, seine ganze unselige Rotte mit Einem Schwertstreiche vernichten zu können. Unter diesem Unwillen dachte er an Fromals Fortgang, der geliebt und bekannt, wie er hingegen vergessen oder verachtet war; und er konnte sich nicht entalten, mit einem Zähneknirschen sich von einer solchen Vorstellung wegzuwenden. Er argwohnte gar, dass ihn Fromal durch listige Ränke in der Ausübung seiner Absichten verhindert habe; er wusste sich keinen Beweis davon anzugeben, aber der Argwohn grub sich doch bei ihm ein und unterminirte von Tag zu Tag seine Freundschaft und gute Meinung von ihm, die ohnehin schon geschwächt war.
Die Gährung war vorhanden; nur noch eine gelegenheit zum Ausbruche! – und die grössten Freunde sind die grössten Feinde. Sie kam. Ihr Oberherr, der König von SEGELMESSE, sah mit Erstaunen und Unwillen die Schritte, die Fromals Gebiet in der Polizierung getan hatte, dass seiner Hauptstadt ein teil ihres ehmaligen Handels entzogen wurde; und da er überhaupt es nicht verdauen konnte, dass seine Tributaren sich mit ihm in gleiche Linie setzen und vielleicht gar eine Macht erlangen wollten, die der seinigen das Gleichgewicht hielt, so beschloss er, sich von einer so ängstlichen Besorgniss zu befreien. Gleichwohl konnte er nicht die Stärke der Waffen ohne Gefahr gebrauchen, weil sie, insgesamt vereinigt, ihm das Gleichgewicht hielten. Der Franzose, der sich jetzt an seinem hof aufhielt, merkte kaum seinen Wunsch, als er ihm mit seinem Rate beistund. Er beredete ihn, Belphegors gährende Eifersucht so lange anzufeuern, bis sie zu offenbarer Feindseligkeit aufbrauste, und nahm das Geschäfte über sich.
Er tat weiter nichts als dass er Belphegorn die guten herrlichen Anstalten seines Freundes, den Fortgang derselben, den blühenden Zustand seines kleinen staates, seine Macht, seinen Reichtum, seinen Ruhm, den Zuwachs seiner Untertanen pries, und dagegen das kontrastirende Bild seines Gebietes hielt, das mit einer Handvoll Jäger und Räuber besezt war, die hartnäckig von ihrer alten Lebensart nicht abgehn, oder ihren Regenten ermorden wollten, wenn er sie zu einer andern zu zwingen versuchte. Belphegor seufzte anfangs, biss sich vor Aerger in die Lippen, verringerte die Grösse seines Freundes; doch der Abgeschickte, ein Adept in der Kunst der Intrigue, wiederholte jene Vorstellungen täglich so oft, und wusste ein so verhasstes Licht darüber zu verbreiten, dass Belphegor voll Zorn und Aerger, ihn von sich gehen hiess, und ihm drohte, ihn mit Gewalt von sich zu entfernen, wenn er ihn mit einem so widrigen Vortrage unterhalten wollte. Der Franzose sagte ihm ganz gelassen, dass er ein Mittel wüsste, ihn von einer so schaudernden Inferiorität zu befreien. Er bot ihm den Schuz und grosse Versprechen von Seiten des segelmessischen Königs an, wenn er sich mit ihm wider seine Mitvasallen besonders wider Fromaln vereinigen wollte, um ihn wegen einer Grausamkeit zu strafen, die er an etlichen Untertanen seines Lehnherrn begangen haben sollte. Belphegor fühlte einen gewissen Zug zur Einwilligung in sich, und gleichwohl zu gleicher Zeit ein Etwas, das ihn davon zurückriss. Er blieb wankend zwischen Ja und Nein stehen.
Da der Abgeordnete gewahr wurde, dass er nur noch einen starken Stoss brauchte, um sich auf die Seite zu lenken, wohin er ihn zu bringen suchte, so veranstaltete er heimlich, dass etliche von Belphegors Räubern eine ungleich stärkre Anzahl Handelsleute aus Fromals Gebiete anfallen und von diesen umgebracht werden mussten. Kaum war der Vorfall geschehn, als er zu Belphegorn eilte, ihn davon benachrichtigte, seinen Bericht mit den schwärzesten Farben zeichnete, Neid, Eifersucht, Zorn, Ehrbegierde, Rechtschaffenheit in ihm aufwiegelte, und ihn zum Kriege wider Fromaln antrieb. Belphegors Gerechtigkeit liess es aber doch nicht anders zu, als dass er erst Genugtuung von Fromaln verlangte; ob ihm gleich an den schwarzen Kreaturen im grund wenig lag, so war ihm doch ihr Leben jetzt, da andre Leidenschaften sich ins Spiel mischten, so wichtig, so teuer, dass er schwur, ihren Tod unablässig zu rächen. Fromal stellte ihm mit der grössten Billigkeit vor, wie viele Ursachen ER habe, Genugtuung zu fodern, und dass seine Untergebnen das Recht der Selbstverteidigung wider Räuber und keine Ungerechtigkeit ausgeübt hätten. Der Franzose machte Belphegorn so verwirrt, dass er die Billigkeit dieser Vorstellung verkannte, der Neid, sein vorgefasster Groll gegen Fromaln machten ihn noch verwirrter, und alles mahlte ihm in seinem kopf das Verfahren seines vorigen Freundes als eine verweigerte Gerechtigkeit ab; er folgte den Einblasungen des Abgeordneten und glaubte mit völliger überzeugung, dass er ein auf natürliche und willkührliche gesetz gegründetes Recht habe, die von Gott verliehene Macht der Waffen wider seinen Freund anzuwenden und ihn mit Gewalt zur Gerechtigkeit zu nötigen.
Das Bündniss mit dem Könige von SEGELMESSE wurde errichtet und der Krieg angefangen. Der Franzose vermochte durch seine politische Geschicklichkeit noch einige andre von den kleinen Potentaten, zu dem Bündnisse zu treten; und kaum hatten diejenigen, die durch Fromaln in Flor und Wohlstand gesezt waren, die Nachricht erhalten, was man wider ihn unternehme, als sie alle, um ihren geheimen Neid über seine Vorzüge zu befriedigen, auf die Seite des segelmessischen Königs traten. Fromal sah sich ganz allein wider so viele, deren Misgunst ihm den Untergang geschworen hatte. Nicht lange hielt er einen so ungleichen Kampf aus; er wurde geschlagen, gefangen genommen und zum tod bestimmt.
So sehr es ihn schmerzte, seinen ehmaligen wärmsten Freund an der Spitze seiner Widersacher zu erblicken, so