die Zurückgesezten zusammen und raubten die Gesandten, verwahrten sie von neuem und schlugen sich von neuem um sie.
Unterdessen hatte sich der Franzose, dessen vorhin gedacht worden ist, mit Hass und Groll wider Fromaln und Belphegorn an den Hof des Nazibs begeben, der zuerst das Vorrecht auf die Gesandschaft erkämpft hatte. Er war von dem ersten Nazib in der Absicht weggegangen, um bei einem andern die Ehre zu geniessen, die er Belphegorn und Fromaln misgönnte: um so viel mehr nüzte er die böse Laune dieses Königs, bei dem er jetzt sich aufhielt, über den Raub seiner Gegner. Es gelang ihm, zu seinem Zwecke zu kommen, beide, der Nazib und der Franzose, waren befriedigt und liessen die übrigen sich um Belphegorn und Fromaln herumbalgen, so lange sie wollten.
Inzwischen gelangte das Gerücht von diesem komischen Kriege und seiner Bewegursache zu den Ohren des Monarchen von SEGELMESSE, ihres gemeinschaftlichen Oberherrn, der sich mit den gültigsten Gründen von der Welt bewies, dass er vor allen seinen Vasallen das Recht auf eine Gesandschaft aus dem Norden besitze, gebot allen seinen Tributaren von ihrem Anspruche darauf abzustehen und ihm allein diese Ehre zu überlassen. Sie waren zu sehr in ihren Wunsch verliebt, um ihn sogleich aufzugeben; sie widersezten sich. Der Monarch ergrimmte, schlug zu, bis sie alle demütig zu seinen Füssen um Verzeihung baten. Er erteilte ihnen gnädigst Vergebung, liess ihnen huldreichst die Bäuche mit einem Feuersteine aufschneiden und sie so insgesamt an Einem Baume aufhängen. Fromal und Belphegor mussten noch einmal ihre Komödie zu Segelmesse spielen, und bekamen zu ihrer Belohnung zwei von den offnen Königreichen, die sie im Namen des Königs vom Norden von ihm zur Lehn nehmen mussten, und ihr Lehnsherr freute sich ungemein, einen so grossen Monarchen zum Vasallen zu haben, von dem er nicht einmal wusste, ob er existirte.
Belphegor war mehr zum friedlichen einsamen Betrachter der Welt, als zum wirksamen Mitspieler gemacht, wenigstens nicht zur Rolle eines Monarchen: Fromal passte mehr dazu. Sie suchten beide einen Grad von europäischer Kultur in ihren Reichen einzuführen, ihre Völker von dem Kriege abzulenken und zu den Künsten des Friedens zu leiten. Das Projekt war etwas weitläuftig und ungemein schwer; auch blieb es nur bei dem Entwurfe.
Der Franzose, der Neider der neuen Monarchen, war jetzt nicht mehr über ihr Glück neidisch sondern rachsüchtig: er wollte es ihnen schlechterdings verbittern oder gar rauben. Er wollte seinen Nazib zum Kriege wider sie reizen; allein der Schuz, den sie ihr Oberherr geniessen liess, schreckte ihn ab, so gern er einen gang mit ihnen versucht hätte. Da diese Mine nicht springen wollte, so grub er eine andre; er suchte die beiden Könige zu entzwein und sie durch sich selbst zu grund zu richten. In einer solchen Absicht begab er sich zu Fromaln und machte ihm Belphegorn verdächtig, besonders beschuldigte er ihn eines Bündnisses zu seinem Untergange; seine Beschuldigungen fruchteten nichts. Er machte bei Belphegorn den nämlichen Versuch und richtete nichts mehr aus: doch hatte er beide dahingebracht, dass sie sich beobachteten und mehr als vorsichtig gegen einander handelten.
Sich beobachten und argwöhnisch sein ist beinahe eins, wenigstens gibt das erste unendliche gelegenheit, das letzte zu werden. Sie lauerten bald auf einander und bemerkten oft vieles, worüber man sich bei weniger Freundschaft hätte zanken können: doch blieb es ohne Bruch.
Belphegor hatte einen Extrakt von tummen Geschöpfen zu regieren bekommen, die sich nicht im mindesten in seine Anstalten zu ihrer Verfeinerung fügen wollten, zumal da ihm seine natürliche Hastigkeit nicht erlaubte, anders als sprungweise zu verfahren. Durch Einen mächtigen Zauberschlag sollten seine afrikanische Tiere in europäische Menschen verwandelt sein: sie lehnten sich gegen seine schnelle Umschaffung auf, blieben, was sie waren, und ihr Regent ward misvergnügt, überdrüssig, an ihrer Polirung zu arbeiten. Fromal hingegen war glücklicher: entweder waren seine Untergebnen von besserm Stoffe, oder durch zufällige Ursachen schon vorher in der Kultur weiter fortgerückt, oder hatte ihr Beherrscher bessere Maasregeln ergriffen – genug, sein Reich war polirter und mit bessern Menschen angefüllt als Belphegors Gebiet. Fromals Bemühungen waren freilich durch etliche günstige Zufälle unterstüzt worden, die jenem fehlten, allein er ging auch mit kälterer Bedachtsamkeit und mehr anhaltender Geduld zu Werke, als jener. Genug, die beiden Distrikte schienen zwo Nationen von verschiedenem Geschlechte zu sein, so auffallend war ihr Unterschied; und Belphegor konnte sich nicht entalten, den Unterschied mit scheelem Blicke zu bemerken, Fromals Geschicklichkeit dabei zu verringern und die Ursache dem Zufalle zuzuschreiben.
Sie hatten einen kleinen Handel unter sich und den benachbarten Distrikten eingeführt, wovon nur unbeträchtliche Anfänge vorhanden waren. Auch hierinne war Fromal glücklicher: seine Untertanen waren gesittet, bis zu einem gewissen Grade freundlich, arbeitsam, keine Mühe eines ehrlichen Gewinstes zu scheuen, und erfindsam, die Gelegenheiten dazu zu entdekken: Belphegors Horde war grob, tumm, träge, wollte ohne Mühe durch Betrug gewinnen, nahm den Vorteil, wo sie ihn fand, ohne ihn jemals aufzusuchen: mit ihnen wollte niemand zu tun haben, indessen dass jene überflüssig beschäftigt waren. Die meisten in Belphegors Gebiete gingen zu dem alten Gewerbe des Raubens und der Jagd zurück, und der gute Mann war im grund der Regierer einer Bande Spizbuben, die den Handel und das Verkehr der umliegenden Gegenden auf alle Art zu hindern suchten, woraus beständige Privatkriege entstunden.
Belphegor war seiner Hoheit so satt, dass er sich ihrer gern entladen hätte, wenn der Geschmack des Herrschens nicht zu süss wäre