und rennen, sich freuen und betrüben, sich liebkosen und hassen, sich erheben und unterdrücken, stolz und klein sein, und – lachte; freilich bisweilen etwas bitter, mit einer guten Quantität schlimmer Laune! aber wer kann sich helfen? – Wir könnte mir ein so aufgeblasner Ritter, wie unser Nazib, Herzbeschwerungen machen wie dir? – Lieber Lungenbeschwerungen von vielem lachen! –
BELPH. Aber, bester Fromal, muss das Herz nicht zum höchsten Aufruhre emporsteigen, wenn dieser lächerliche Götze seinem Wahne sogar Menschen opfert? –
FR. Unempfindlichkeit! Kälte! Eiskalter Frost, wie in Spizbergen! – und dann zugesehn! – Du hast ja so keinen Flecken am leib mehr, den du dir noch entzweischlagen lassen könntest: schlaf gesund in deiner Haut, und sieh zu, wenn du wachst! Die Menschen sind gar wunderliche Spizköpfe: hättest du dem Nazib seinen aufgedunsnen Schädel für seine Grausamkeit gespalten, so hätten dir alle, die du von seinem Unsinne befreien wolltest, ein gleiches getan: selbst die toten, wenn sie wieder lebendig hätten werden können, würden dich niedergehauen haben, weil du ihrer Nachkommenschaft die Ehre benahmst, wie sie, für die Grösse und zum Zeitvertreibe des mächtigen Nazib sich tot zu prügeln.
BELPH. Fromal, schaffe mir Eis, schaffe mit die Kunst zu lachen, und unsern Medardus! – dann wollen wir sehen. – die verdammte Hitze! Hier hast du meinen Säbel; wo ich in Zukunft nicht so frostig, wie ein Eiszapfen, bin, so haue zu! spalte mich vom Wirbel bis zur Fusszehe! –
Fromal verbat den Auftrag, versprach ihm gelindere Mittel und schlief mit ihm ein.
Unterdessen hatte der Franzose, ihr Lehrmeister in dem Hofcerimoniell, mit hülfe seines Ehrgeizes einen wichtigen Grund entdeckt, seine beiden Schüler von Herzensgrunde zu hassen. Die Ehre und Herrlichkeit dieser hohen Gesandschaft, die er sich vorher nicht so gross vorgestellt hatte, leuchtete ihm jetzt, da er so müssig in der Ferne zusehn musste, so stark in das Gesicht, dass er weder Fromaln noch Belphegorn mit offnen Augen anschauen konnte. Er ging um sie herum, machte ihnen steife frostige Komplimente, stichelte mit unter ein wenig auf ihre genossne Ehre, versicherte mit etwas bittrer Grossmut, dass er sie von sich selbst abgelehnt habe, ob es gleich in seiner Macht gestanden hätte, sie vor allen andern zu erlangen, und gab dabei zu verstehn, dass sie IHM die ganze Verbindlichkeit dafür schuldig wären. Fromal und Belphegor gaben ihm gleichfalls zu verstehn, dass sie ihm zwar Verbindlichkeit für seinen guten Willen, aber nicht für die Sache hätten, die das beschwerlichste Possenspiel der Welt wäre. Sie lachten und scherzten; und in drei Tagen war der Franzose unsichtbar.
Der Ruf von der Gesandschaft des grossen Königs aus dem Norden war bis zu allen umliegenden NAZIBS durchgedrungen: der sie empfangen hatte und also wohl wusste, dass sie seine eigne Veranstaltung war, wurde doch auf den blossen Gedanken daran so stolz, dass er schon willens war, dem Könige von SEGELMESSE Gehorsam und Tribut aufzukündigen; ob er gleich wusste, dass seine Macht nicht um ein Haarbreit durch diese vermeinte Ehre gewachsen war, so kam er doch im Ernst auf den Einfall, sich zu einem Kriege wider ihn zu rüsten, wenn er sich seiner Aufkündigung widersetzen sollte.
Er hatte nicht nötig, sich mit langem Nachsinnen über einen Operationsplan das Gehirn zu beschweren, als ihn schon die Not zwang, einen für seine Rettung auszudenken. Alle Könige von seiner Klasse hatte die Ehre, der empfangnen Gesandschaft wider ihn aufgebracht: sie wollten den Mann demütigen, der ihnen an Ruhm so überlegen war. Sie verbanden sich zu einem fürchterlichen Kriege wider ihn, und mitten in dem Genusse seiner Grösse überfielen sie ihn, wie ein Donnerschlag. Der erste Einfall in sein Reich war schon eine Eroberung desselben, und der Nazib in der Gefangenschaft, ehe er vermuten konnte, darein zu geraten. Der ganze Sieg war wohlfeil; er kostete nur dreier Menschen Leben: die einzige Bedingung des Friedens war, neben der Oberherrschaft ihres gemeinschaftlichen Oberherrn von SEGELMESSE auch die Gewalt seiner verbundnen Feinde über sich zu erkennen. Für ihn war nichts als ein demütiges Ja übrig, das er sogleich mit schwerem herz von sich gab, und über seine Demütigung tröstete er sich mit seinem ausgebreiteten Ruhme und der Gesandschaft aus dem Norden.
Jeder von den Siegern verlangte alsdann von den beiden Europäern, dass sie ihnen eine Gesandschaft aus dem Norden bringen sollten; da sie keine Vollmacht dazu hatten, so weigerten sie sich: allein sie wurden gezwungen, entweder zu sterben, oder Gesandten des grossen Königs aus dem Norden zu sein. Sie willigten bei einer so misslichen Wahl in das letzte: doch nun erhub sich ein neuer Wettstreit unter den Monarchen, wem zuerst diese Ehre zu teil werden sollte. Gründe und Gegengründe gegen einander abzuwägen, war ihnen zu langweilig: sie griffen zu den Waffen, nicht für ihre Personen, sondern sie liessen ihre Untertanen auf einander los; und die guten Narren zausten und mordeten sich, um auszumachen, welcher von ihren Herren zuerst eine erdichtete Gesandschaft aus dem Norden erhalten sollte. Der Zufall erklärte sich für einen Nazib, der den übrigen an Macht überlegen war; man musste ihm den Vorrang lassen. Fromal und Belphegor waren indessen in enger Verwahrung gehalten worden und sollten nun abgeholt werden, dem Ueberwinder weis zu machen, dass er ein berühmter Herrscher sei. Als sie mitten auf dem Wege waren, taten