Säbel, riss dem Medardus den ganzen Opferschmuck vom leib und stellte sich zu seiner Beschützung neben ihn, welches auch Belphegor tat. Mit gezognen Säbeln erwarteten sie alle drei in geschlossner Reihe den Angriff; niemand wagte es: doch plözlich, schneller als sie sehen konnten, war Medardus mitten aus ihnen verschwunden, mit Leib und Seele verschwunden. Sie staunten, sie drohten nochmals, foderten ihn wieder: nichts antwortete ihnen als eine traurige Geberde, mit welcher sich die Umstehenden an die Brust schlugen. Belphegor schäumte vor Wut und Zorn; er hieb einen dastehenden Priester in die Schulter und holte nach einem andern aus, als der ganze Haufe sie beide auf die Schultern fasste und laut rief: Nazib! Nazib! Unter diesem Geschrei wurden sie fortgetragen und langten in kurzer Zeit in einer mit Bergen umschlossnen Ebne an, wo sie ein Gebäude, einer deutschen Gauklerbude ähnlich, und um dasselbe etliche kleinere von gleicher Architektur antrafen. Sie merkten aus allen Umständen, dass sie sich in der königlichen Residenz befanden, um der schwarzgelben Majestät vorgestellt zu werden, welches nach einem langen Aufentalte ausser dem Palaste wirklich geschehen sollte, während dessen alles innerhalb des Gebäudes in Bewegung war, und sie vermuten liess, dass man entweder das Audienzzimmer zu ihrem Empfange in Ordnung bringe, oder ein Schafott für sie baue.
Fünftes Buch
Die Zurüstungen zu dem Empfange der Europäer, so lange sie auch dauerten, konnten doch denselben Tag nicht völlig geendigt werden; man quartirte sie also indessen in eine Hütte ein, die sie für ein gefängnis hielten, ob es gleich das schönste Gastaus der Residenz war, wo sie die königliche Milde mit Datteln, ein Paar Strausseneiern und etlichen Schlucken Branntewein bedienen, und die Versichrung geben liess, dass sie morgen gewiss das Glück geniessen sollten, das Antliz Seiner Majestät zu beschauen.
In der Nacht fand sich ein Europäer bei ihnen ein, der sich einige Zeit an dem hof des Königs aufgehalten hatte, ein Franzose von Geburt und ein Herumstreifer von Profession war. Sein Besuch hatte zur Absicht, sie in dem Cerimonielle des Hofs zu unterrichten, zu dessen Erlernung, nach seinem Ausdrucke, Ein Menschenkopf nicht zureichend wäre. Fromal und Belphegor baten zwar inständigst, sie mit einer so schweren Wissenschaft zu verschonen; allein er bestund darauf, dass sie wenigstens in den zu ihrer Aufnahme nötigen Gebräuchen seinen Unterricht annehmen mussten. Sie brachten drei ganze Stunden damit zu und waren so ermüdet, dass sie endlich um die Endigung der Lehrstunden flehentlich anhalten mussten, welches sie aber nicht eher erlangten, als bis sie noch erfahren hatten, dass ihr Lehrmeister wo nicht der Erfinder doch der Verbesserer dieser Wissenschaft sei; und von wem, als einem Franzosen, sezte er hinzu, war dieses Licht zu erwarten? Die Franzosen tragen allentalben Geschmack und gute Lebensart hin.
Da ihre Progressen in dieser ersten Stunde nicht sonderlich waren, so meldete ihnen ihr Lehrer den Tag darauf, dass sie à l'allemande etwas schwer begriffen und eben darum wenigstens noch acht Tage in der Unterweisung bleiben müssten, ehe sie würdig vor dem Trone seiner Majestät erscheinen könnten. Sie unterwarfen sich um der Sonderbarheit der Sache willen seinem Verlangen und verdarben sich mit Kameelmilch und Datteln indessen Appetit und Magen, womit man sie sehr sparsam bewirtete. Da der Tag ihrer Vorstellung erschienen war, tat ihnen ihr Lehrmeister mit betrübtem Herzen zu wissen, dass sie wegen der Verwundung des Priesters das Angesicht des Königs nicht schauen könnten, wenn sie nicht vorher durch gewisse heilige Gebräuche und Büssungen von ihrer Sünde gereinigt wären; Medardus, berichtete er ihnen ferner, sei zwar noch am Leben, würde aber niemals wieder aus dem Reiche kommen; denn er sei unter die Zahl der heiligen Tiere versezt worden. Zugleich liess ihnen der König seine Vermittelung bei den Priestern anbieten, die er vermögen wollte, ihnen wenigstens drei Wochen von der nötigen Reinigung zu erlassen, da sie eigentlich vier ganze Wochen dauern sollte, aber unter dem Bedinge, dass sie ihm gleichfalls einen Dienst erzeigten. Sie stünden herzlich gern zu Befehl und erfuhren darauf, dass der König zur Verherrlichung seines Reichs eine Gesandschaft aus Europa zu bekommen wünschte und daher sie ersuchte, diese Gesandten vorzustellen. Da es bei einem so elenden Duodezmonarchen keine Gefahr haben konnte, eine solche Komödie zu spielen, und sie vielleicht die Loslassung ihres Freundes durch ihre Einwilligung zu erlangen hoften, so verstunden sie sich dazu, und zwei ganze Monate wurden erfodert, sie teils in den schweren Wissenschaften des dasigen Hofs festzusetzen, teils Anstalten zum Empfange der vorgegebnen Gesandschaft zu machen.
Der Monarch, der seine Grösse auf diese Art glänzen lassen wollte, war der gefürchtete Beherrscher von etlichen hundert schwarzen schmutzigen Kreaturen, die er in verschiedene Königreiche zerteilt und sie mit Regenten versehen hatte, die ihm Tribut bezahlen und ihn als Vasallen ehren mussten. Er für seine hohe person war der Tributar des grossen Monarchen von SEGELMESSE, den sich Marocco zu dem seinigen gemacht hatte. Da er nicht im stand war, sich von den Potentaten seiner Klasse zu unterscheiden, unter welchen er in Ansehung der Macht die kleinste Rolle spielte, so riet ihm sein Ehrgeiz, ihnen auf eine einleuchtende Weise zu zeigen, dass er zwar der kleinste an Macht, aber der grösste an Ruhm sei: niemand von denen, die er durch die Taschenspielerei hintergehn wollte, noch er selbst hatte eine homanische Karte vor Augen gehabt, und er liess es also dabei bewenden, seine Gesandschaft dem grossen Könige aus Norden beizulegen.
Aus Besorgniss, dass seine Herrlichkeit nicht