liebste unter seinen Buhlerinnen war, so hassten und verfolgten mich die übrigen als eine Todfeindinn. Sie arbeiteten mit allen Kräften, meine Schönheit, die aller Gefährlichkeiten und Verwundungen ungeachtet noch erträgliche Reizungen hatte, und also die Ursache meines Vorzugs zu vernichten, welches sie um so viel hitziger betrieben, weil sie meistenteils alt, kränklich, hässlich waren und deswegen nur um ihrer vorigen Verdienste willen in Pension stunden. Sie beredeten sich zusammen, mir die besten und zur Schönheit unentbehrlichsten Teile des Gesichts zu nehmen; und eine blasse Vierzigjährige riet, mit der Nase, als der edelsten Zierde des Gesichts, den Anfang zu machen – vermutlich weil sie selbst durch eine Krankheit so viel von der ihrigen eingebüsst hatte, dass ihr nur noch ein nasenähnliches Stümpfchen zwischen Mund und Stirne hervorguckte. Meine Neiderinnen führten den grausamen Vorschlag aus und sezten mich durch Einen wohlabgepassten Messerschnitt noch unter die verhasste Ratgeberinn: denn sie schleiften mir die Nase vom grund weg, machten ihren Plaz dem übrigen Boden des Gesichts gleich und liessen nicht einmal ein Fragment davon übrig. – Sie wundern sich, mein Herr, sprach sie zu Medardus, der sie steif ansah, dass ich demungeachtet, wie jedes Geschöpfe Gottes, mit einer Nase prange? – Hier zog sie die ganze Nasenmaschine herunter und zeigte ihnen, dass es eine von gekautem Papiere, nach dem Leben lackirte Nase war. – Dieses ist ein Geschenk von meinem Marchese, dessen Gunst mich um meine natürliche gebracht hatte: er schnaubte und drohte mit dem fürchterlichsten italiänischen Zorne; da aber die Unternehmung sehr heimlich von mir unbekannten Leuten geschehen war, so konnte ich seiner Rache nicht zu dem verdienten gegenstand verhelfen. Kurz darauf fiel es einer andern als sehr anstössig auf, dass ich eine so reine fleckenlose weisse Haut hatte, und sie doch, wenn sie in den schönsten venetianischen Spiegel sah, auf ihrem gesicht eine Fläche erblickte, die mit Leberflecken und Sommersprossen, wie eine Landcharte, illuminirt war. – Eine andre von einem zweifelhaften Kolorite zwischen kastanienbraun und schwarzgelb, stimmte in ihre Beschwerden über meine schöne spiegelebne Haut ein und vereinigte sich mit ihr zur Rache. Sie liessen mir durch unbekannte hände meine Wangen so jämmerlich zersägen, dass nach der Heilung eine Naht, eine Narbe an der andern sich darauf befand, und die ganzen Backen einem frisch gepflügten feld voller Furchen nicht unähnlich sahen. Auch diesen Verlust hat mir ein gewisser spanischer Don mit sechzig Namen, durch diese Larve glücklich ersezt. Sie ist von dem feinsten egyptischen Papiere, mit einem feinen Leime auf der Haut befestigt und von dem Ritter MENGS nach dem Leben gemahlt –
Siehst du, Brüderchen? unterbrach sie Medardus; wahrhaftig so natürlich, dass es der liebe Gott nicht natürlicher machen könnte. Der Mann ist ein Tausendkünstler! –
Vorher wurden alle Erhöhungen und Vertiefungen der Haut mit einer sehr geistreichen Masse geebnet: doch diese Wiederherstellung meiner verlornen Schönheit erhielt ich erst nach der Verabschiedung aus dem haus des Marchese, und auch die Nase erst bei dem Abschiede. Er liebte mich indessen bei allen diesen Mängeln nicht weniger feurig als vorher. Da meine Neiderinnen mit ihrem Hauptzwecke, mich ausser Gewogenheit zu setzen, noch nicht zu stand kommen konnten, so fuhren sie fort, wenigstens meine Schönheit unter die ihrige zu erniedrigen. Eine meiner Mitschwestern, die am ganzen leib bis auf die hände eine nicht gemeine Schönheit war, beneidete meine kleinen runden niedlichen Engelhändchen, wie du sie sonst nanntest, Belphegor, wenn du sie voll Entzücken an deine Lippen drücktest. –
Belphegor seufzte. –
Als ich eines Tages in einem Bosket sitze und die emporgerichteten arme mit aufwärts gekehrten Fingerspitzen an zwei danebenstehende Bäume gelegt habe, um durch diese Stellung, die ich meinen Armen jeden Tag eine Stunde gab, das Blut zu nötigen aus den Händen und Armen sich zurückzuziehn und ihr blendendes Weiss dadurch noch blendender zu machen, so haut mir jemand plözlich von hinten zu die ganze schöne marmorne Rechte ab, wirft sein Beil hin und stürzt sich in das Gebüsche zurück. Ich ergoss mich in einen Strom von Tränen über den Schmerz, doch am meisten über den Verlust einer meiner vorzüglichsten Schönheiten. Ich habe nie einen unter meinen Freunden finden können, der mich mit einer neuen Hand hätte beschenken wollen, und ob ich gleich verschiedene Künstler selbst darum ersuchte, mir eine zu verfertigen, so waren sie doch alle wegen einer Materie verlegen, die den Vorzug der Leichtigkeit und die Schicklichkeit zur Bearbeitung des Meisels besässe: und einer machte mir sogar das Kompliment, dass ich der florentinischen Venus ihre Rechte wegstehlen müsste, wenn meine natürliche die geborgte nicht sogleich überführen sollte, dass es eine geborgte wäre. – Hierauf zog sie aus dem Handschuhe oder vielmehr einem Futterale eine Hand – ich mag sie nicht beschreiben! – genug, Medardus und Belphegor hefteten beide, wie versteinert, einen starren blick auf sie und konnten sich nicht entalten, ihr unter dem Vorwande, als wenn sie untersuchen wollten, ob es nicht ein angemachter Marmor wäre, mit einem mehr als medicinischen Drucke an den Puls zu fühlen. – Doch dies war nicht mein lezter Verlust: die Hälfte meines rechten Ohres, das mir mit einem der schönsten Ohrgehenke abgerissen wurde, ist ein Werk der Kunst, bis sie zulezt durch eine der listigsten Maasregeln mich zwangen, das Haus des Marchese zu verlassen, wo ich meine papierne Nase zum Andenken von ihm empfieng. Vom Neide und Eifersucht vertrieben, floh ich in den Kirchenstaat zurück und langte in der illustrissima republica St. Marino gerade zu