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einladend, dass man ohne Undankbarkeit nicht vorbeigehen zu können schien: sie sezten sich nieder. Kurz nach ihrer Niederlassung zeigte sich ihnen ein Frauenzimmer, das bei ihrer Annäherung einige Verlegenheit in der Mine verriet, doch sich bald wieder fasste und unerschrocken auf sie zukam. Ohne die geringste Eingangsrede rief sie sogleich: Belphegor, ich komme nur, dir zu zeigen, dass du gerochen bist, dann will ich wieder in mein Elend zurückwandern. Sieh mich ein einzigesmal an, und sage: ich bin gerochen! dann habe ich genug. –

Ach, um des himmels willen! schrie BephegorAkante! Akante! O du Ungetreue! du Schamlose! du Verräterinn! –

Ich verdiene diese Namen nicht, wenn du gerecht sein willst. –

Verdienst sie nicht? – Du, die mich zur tür hinauswarf und meine Hüfte auf zwei Tage lähmte? du, die mich dem Hohne preis gab und einem reichern Buhler in die arme lief. –

Alles tat ich, aber nur auf deines Freundes Befehl. Unglücklich warst du in der Wahl deiner Freunde, aber nicht deiner Geliebten. –

Welcher Freund, Ungeheuer? – denkst du mich durch eine schöne Fabel zu täuschen? –

Nein, das brauche ich nicht: die Wahrheit ist meine beste Schuzrede. Dein Freund, Fromal, der Arglistige hat unsre Liebe zerrissen und mich verleitet, die härteste Ungerechtigkeit an dir zu begehn. ER war der reichere Buhler, wie du ihn nennst, der mich aus deinen Armen empfieng. –

Unsinnige! du lügst! – Er, der mich tröstete, der mir mit der tätigsten Liebe beisprang, der mich mit Rat und Belehrung erquickte, während dass du am Fenster in der Umarmung meines Verdrängers, mit der unverzeihlichsten Frechheit meines Elendes spottetest! –

Ich deiner spottete! Gewiss, dein Groll machte falsche Auslegungen. Mein Herz blutete mir, als ich dich so gewaltsam verabschieden musste, und Schmerz und Reue nagten in mir, indessen dass mein Mund lächelte. –

O du Sirene! Hätte sich dein Herz lieber ganz verblutet, dass du mich mit einer solchen Erdichtung nicht hintergehn könntest! –

Ich schwöre dir, keine Erdichtung! Du warst arm; ich brauchte Geld: Fromal und ein Andrer boten sich mir zu gleicher Zeit an: beide gaben vor, reich zu sein, oder waren es wirklich. Das schwache eigennützige Weiberherz! – willst du von dem Heldentaten fodern? – Meine Liebe war leider! auf den Eigennuz gepfropft: sollte die Frucht besser sein, als die Säfte, die ihr der Stamm zuführte? – Ich musste mich von Dir trennen, oder voll Treue mit Dir verhungern. Fromal verlangte schlechterdings, dir einen so empfindlichen Abschied zu geben; was konnte ich tun? – Ich musste mich zwingen, ihm zu gehorchen, oder ihn verlieren: der Wechsel war schrecklich: der Eigennuz drängte auf mich los, ich liess mich überreden, ich verübte die Gewalttätigkeit an dir, und wünschte sie, durch Reue ungeschehen machen zu können. Belphegor, in Tränen habe ich geschwommen, in den heissesten Tränen, wenn der Gedanke an meine Ungerechtigkeit in mich zurückkam. –

O wenn ich dir nur glauben dürfte! –

Du musst, wenn du nicht die Wahrheit verwerfen willst. – Ich wandte mich von dir zu dem Unglücklichen, der mit Fromaln dich verdrängte, und den dieser Barbar seiner Misgunst und Eifersucht aufopferte

Unverschämte! wagst du auch die Ehre meines Freundes zu beschmeissen, Insekt? – Erdichtung! Geh! mein Freund

Hat ihn in meinem Schoosse ermordet! Er, der gewissenlose Fromal hat ihn ermordet! – Lange wusste er nicht, dass ein Andrer meine Liebe mit ihm teilte: ich wäre auf der Stelle das Opfer seiner blutgierigen Eifersucht geworden, so bald ich ihm den mindesten Verdacht gegeben hätte. Doch endlich überraschte er meine Vorsichtigkeit: er traf ihn in meinen Armen an, und gleich glühte ihm die Stirn, seine Augen wälzten sich, wie drohende Kometen; er ergriff ein Messer und durchstach den Unglücklichen, dass er in meinen Schooss sank. Schon holte er aus, um mich gleichfalls seiner Wut aufzuopfern, als auf mein Rufen zwei Leute herbeisprangen, den unbändigen Löwen zu zähmen. Die Furcht gab mir in der Geschwindigkeit den Einfall zu entfliehen, um den Untersuchungen der Justiz zu entgehen: Liebhaber, Geld, Kleider, Möbelnalles verliess ich und rettete mich glücklich über die grenzen. –

Und was wurde aus Fromaln? – Doch was glaube ich denn solche Erdichtungen, die die Leute im Stehen einschläfern können? – Schweig, Betriegerinn! ich will nichts weiter hören. –

Belphegor, du musst es hörenum zu sehen, wie du gerochen bist.

Lügen! so müsste ich mich selbst nicht kennen, wenn ich glauben könnte, dass Fromal mich mit Falschheit getäuscht hätte. Ich schäme mich, das zu denken. – Geh! du möchtest mich zum zweitenmale überreden, dass du keine hinterlistige Betriegerinn bist! – Ist dies nicht genug, selbst untreu zu sein, musst du auch der Treue andrer den giftigen verräterischen Anstrich der deinigen leihen? Freundschaften trennen wollen, die natur und Erziehung unauflöslich geknüpft haben? – Ich höre nicht Ein Wort mehr. –

Sie bat, sie flehte, sie beschwor ihn, bis endlich Medardus sich ins Mittel schlug und ihn gleichfalls um geneigtes Gehör für sie ersuchte. Siehst du, Brüderchen? sprach er, du kannst ja glauben, was du willst, aber sie doch wenigstens