Gelächter erstickt wurde. Der Sieg war mein; ich hatte bei jedermann Recht. Siehst du, Brüderchen? ich hatte Recht, weil ich die Oberhand hatte.
Meinen Feinden blieb die Leber lange warm: meine Beschützerinn fiel in Ungnade. Siehst du, Brüderchen? nun kam die Reihe an MICH, Unrecht zu haben. Sie untergruben mich heimlich auf die listigste Weise, und ehe ichs dachte, ward mein Amt wieder aufgehoben, und ich in eine andre Stelle versezt, wo die christliche Gemeine so klein war, dass meine Heterodoxie nicht viele verführen konnte. Siehst du, Brüderchen? jetzt hatte ich bei jedermann Unrecht, weil ich unten lag: aber eben deswegen wurden der Superintendent und alle meine vorigen Gegner allmählich meine guten Freunde, und ich war in ihren Augen wieder so ortodox, als ein symbolisches Buch.
Bald darauf wurde Krieg, und ich Feldprediger. Mein Kollege war mir behülflich dazu und ausserordentlich gewogen: aber wenige hörten ihn gern, und alle verlangten mich; wer es Umgang haben konnte, vermied seine Predigten, und in meine kamen sie haufenweise. Siehst du, Brüderchen? die Freundschaft war aus; und er wurde mir gar feind, als ich einen gewissen Fromal zum tod bereiten musste –
Was? fuhr Belphegor auf, einen gewissen Fromal zum tod bereiten musste! Ist Fromal tot? –
Er sollte gehängt werden, aber er kam gelinde davon; er wurde nur mit nackten rücken um das ganze Lager, bei Trommeln und Pfeifen, herumgeführt, und bekam alle zehn Schritte sechs Rutenstreiche.
Fromal! mein Freund! schrie Belphegor, was hatte er denn getan? Verdient kann er eine solche schimpfliche Strafe nicht haben. –
Er wurde für einen Spion gehalten: aber siehst du, Brüderchen? ICH kam am schlimmsten dabei an. Fromal hatte mich ausdrücklich verlangt, ob es gleich meinem Kollegen zugekommen wäre; dadurch wurde der alte Hass wieder aufgerührt. Mit der Ortodoxie konnte er nichts ausrichten, wenn er mir gleich alle Ketzereien auf den Kopf hätte schuld geben wollen. Er machte mich also auf einer andern Seite verdächtig; er klagte mich heimlich bei allen Offizieren eines grossen Eifers für die feindliche Partei an, und überredete sie, dass mich nichts als die Furcht vor der Schande abhielt, sonst würde ich zu ihr übergehn und selbst mit ihr fechten: er machte es ihnen sogar wahrscheinlich, dass ich über einem solchen Anschlage brütete. In kurzem kam es dahin, dass jedermann meine Predigten so ungern hörte, als die seinigen; er genoss wegen seiner Entdeckung ein wenig achtung mehr als ich; und wir waren wieder herzensgute Freunde. – Siehst du, Brüderchen? wird dir die Zeit etwa lang? – Siehst du? wer zu mir kommt, muss einen Krug Apfelwein mit mir trinken und meine geschichte hören; sonst lass ich ihn nicht von mir. – Da! Freund Fromal soll leben! –
Die grossen Herren machten Friede, und bei mir ging der Krieg an. Ich sollte zu einer ansehnlichen Stelle erhoben werden, und meine Patrone machten alle Anstalt dazu. Gleich war ich wieder ein Irrgläubiger; alles an mir, bis auf die Schuhschnallen, war heterodox. Ich musste mich lange herumtummeln und richtete doch nichts aus. Ich behielt Unrecht: denn ich lag unter. Siehst du, Brüderchen? Ich musste vorlieb nehmen, was sie mir gaben: die mich vorher, als ich über sie wollte, hassten und verfolgten, taten mir jetzt Gutes – was ich bei meiner Einnahme sehr brauchte – recht viel Gutes, weil ich unter ihnen war.
In diesem Aemtchen nahm ich meine verstorbne Frau. – Die Tränen standen ihm schon in den Augen, als er sie nur nennte; und er fuhr schluchzend fort: Ach, Brüderchen, das beste Weibchen unter der Sonne! Ich möchte heute noch sterben, um sie wiederzusehn: sie war so gut! so treuherzig! wahrhaftig, ich bin nur ein Schurke gegen sie. Dass doch die guten Leute so frühzeitig sterben! das herzeliebe Weib! – Hier brach er in eine Flut von Tränen aus, die nicht in Tropfen sondern in Einem Gusse über die Backen herabschossen. Der Strom war noch in vollem Laufe, als der ganze Horizont seines Gesichts sich schon wieder aufklärte. Ihr ewiges Andenken, Brüderchen! rief er mit tränenvollen Backen und frölicher Mine, und trank.
O Akante, murmelte Belphegor, könnte ich so dein Andenken bei mir erneuern! Aber, du undankbare Schlange – –
Brüderchen, das herz springt mir, wie ein Lamm, wenn ich nur an einen Buchstaben von ihrem Namen denke. – Die Tränen ergossen sich von neuem. – Kein Wunder, fuhr er nach einer kleinen Pause fort, dass ich um ihrentwillen so viel ausstehn musste! Mein benachbarter Amtsbruder hatte schon lange um sie geworben, und nun nahm ich ihm Hoffnung und Frau auf einmal weg. Er wurde neidisch; er schwärzte mich bei unserm Superintendenten an, und machte mich abermals zum Ketzer. Meine päbstlichen jesuitischen Meinungen sollten mir noch anhängen; tausend Ungereimteiten dichtete er mir an, an die ich niemals gedacht hatte. Siehst du, Brüderchen? ich sollte in Untersuchung kommen; es geschah auch. Ich focht mich ritterlich durch, oder vielmehr der Superintendent half mir durch, weil er ein Feind vom Präsidenten war, und meine Gegner diesen auf ihre Seite gebracht hatten, weswegen jener gleich zu meiner überging, um nur den Mann zu überstimmen, den er tödtlich hasste, weil er Präsident und