mund näherte.
Brüderchen, ist das deine Frau? rief Medardus. –
Nein! aber– kennst du das grausame Felsenherz? –
"O, Närrchen, mehr als zu wohl! Ich habe als Jesuiterschüler dreihundert wohlschmeckende Hiebe um ihrentwillen bekommen –
Um Akantens willen? Auch da war sie schon eine Wölfinn? –
O, Kind, sie war schön! tausendmal schöner als meine Frau, aber nicht den hunderttausendmaltausendsten teil so gut; so gut kann aber auch keine auf der Welt sein, als das liebe Weib." – Die Tränen stunden schon wieder in den Augen, und der Ton wurde weinerlich. – Ihr Andenken, Brüderchen! sagte er frölich und trank. – Hui! fuhr er fort, also kennst du Akanten, Brüderchen? –
Und meine Hüfte noch mehr! die Barbarinn! Sie ist die Urheberinn alles meines Unglücks, sagte Belphegor.
Und auch des meinigen! fiel ihm Medardus ins Wort. Dreihundert gute gesunde Hiebe brachte sie mir zuwege. Sie gefiel mir, und ich ihr, und zwar mehr als mein Lehrer, der ihr mit aller Gewalt gefallen wollte. Siehst du, Kind? das machte ihm die Leber warm; weil er der Stärkre war, so durfte ich ihm meinen rücken nicht verweigern; ich bekam zu Heilung meiner Liebe dreihundert baare Hiebe und wurde in ein Kloster gesteckt. Wir erhielten darinne zuweilen heimliche Besuche von etlichen artigen Puppen, die uns die Einsamkeit erleichtern sollten: bei meiner Schlafmütze! ich war so unschuldig, wie ein Sechswochenkind: ich hatte nichts Böses im Sinne und konnte auch nicht: purer Naturtrieb! die Kinderchen gefielen mir, es war mir wohl, wenn ich bei ihnen war, und schlimm, wenn ich sie entbehren musste. Auch mir waren sie herzlich gut, und die übrigen Schlucker bekamen kaum einen Kuss, wenn ich schon sechse zum voraus hatte. Siehst du, Brüderchen? Sie wurden neidisch: Bruder Paskal versteckte sich, und da ich im Dunkeln vor ihm vorbeigehe, fasst er mich bei den Ohren und will mir beide Ohren abschneiden, aber das Messer war zu stumpf; so kam ich mit einem hübschen langen Schnitte davon, den ich wieder zuheilen liess. Damit war aber der Groll nicht vorüber: wenn ich nur einen blick mehr bekam als ein andrer, so musste ich leiden; und ob ich gleich jetzt mit ihnen nur in gleichem Schritte ging, so blieben sie mir doch feind und suchten alle gelegenheit, mir zu schaden, mich zu verfolgen. Einige beschlossen, mich zu entmannen, doch Bruder Paolo widersezte sich ihrem Anschlage. Er konnte an sich selbst abnehmen, wie schrecklich ein solcher Zustand sein müsste. Aus christlichem Mitleiden empfahl er seinen Mitbrüdern in einer zierlichen Rede die Barmherzigkeit, als eine der Kardinaltugenden, und beredete sie, mir lieber, um ihr Gewissen vor Grausamkeit zu bewahren, im Schlafe alle Flechsen am ganzen leib zu zerschneiden. Zum Glücke erfuhr ich diesen schönen Plan, als er eben geschmiedet wurde, und ehe sie ihn ausführen konnten, war ich unsichtbar.
Ich änderte Land und Religion zugleich und studirte. Siehst du, Brüderchen? nun ging eine neue Not an. Der Superintendent * * * hatte viel Liebe für mich; er erhielt mich und war auf eine Versorgung für mich bedacht. Indessen bekam auch die Mätresse ° ° eine kleine Liebe für mich; es lag ihr an weiter nichts als einen Hofprediger zu haben, der IHR alles zu danken hätte und ihr darum aus Dankbarkeit das Wort reden müsste; in kurzem war ich Hofprediger, ohne dass vorher jemals einer gewesen war. Nun war alles wider mich; alles was ich sagte, war heterodox, alles Irrlehren, ich war ein dummer unwissender unwürdiger Mann, ob sie sich gleich alle vorher über meine Wissenschaft gewundert hatten, meine Sitten, mein Betragen war unanständig, man streute die ärgerlichsten Erzählungen von meinem ehmaligen Wandel aus, ob ich gleich von einem jeden meiner Neider und vormaligen Patrone schriftliche und mündliche Zeugnisse für mich hatte, die mich wegen meiner Aufführung als ein Muster lobten und priesen. Ich wurde von Tage zu Tage verhasster: die Beschuldigungen von Irrtümern wurden immer häufiger und angreifender, dass ich endlich aufgefodert wurde, mich in einer öffentlichen Unterredung zu rechtfertigen. Ich musste darein willigen, oder mich meinen Feinden überwunden geben. Meine Gegner fochten, wie Seeräuber; alles verdrehten sie, sie schrieen auf mich los, um mich aus der Fassung zu bringen, und der Superintendent, der nicht sonderlich frisch Latein reden und auch nicht sonderlich frisch denken konnte, hustete, stotterte, wusste nichts zu sagen, und gab mir endlich mit der geläufigsten Zunge von der Welt alle Ketzernamen, die er aus Rechenbergs Kompendium gelernt hatte. Quid volumus plus? sagte er; ut finiamus controversiam, er ist ein Pelagianer, Samosatenianer, Cerintianer, Nestorianer, Eunomianer, Arrianer, Socinianer, Eutychianer; und alle stimmten in einem Tutti zusammen: -aner, aner, -aner! – Ich versammelte die Kräfte meiner Lunge und bombardirte, da sie erschöpft waren, mit einem solchen Schwalle Jesuitenlatein auf sie los, dass sie schwizten, stammelten und bestürzt sich umsahen. Meine Beförderinn und Beschützerinn, die dem Wettstreite in eigner person beiwohnte, nüzte diesen günstigen Zeitpunkt, erhub ein lautes Gelächter, alle Damen und Herren hinter drein, denen endlich das ganze anwesende Publikum beitrat, meine Gegner wurden ganz ausser sich gesezt, und konnten kein Wort hervorbringen, weil jedes, das sie versuchten, durch ein neues