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, mit Arbeit, mit dem Eigennutze, der unterdrückenden Gewalt und Millionen Leidenschaften: Asiater, Afrikaner und Amerikaner sind mehr oder weniger vom Despotismus und Geize ihrer Beherrscher gequält: nirgends sind die Bewohner der Erde zufrieden, und nirgends können sie es sein: Die Glückseligkeit unsers Planetens scheint in die gemässigte Zone der Glückseligkeit des Ganzen zu gehören, eine mittlere laue Temperatur, nicht befeuernd und auch nicht ganz kalt. Gewohnheit und Unwissenheit sind ihre beiden Endpunkte. Wer die Erde zum Garten, zur Heimat der Glückseligkeit macht, ist ein Schwärmer oder ein Unwissender; wer sie als eine Wüste, ein Jammertal schildert, ist ein Milzsüchtiger oder ein Bösewicht. Sie ist ein Mittel zwischen beiden, ein what d'ye call it

BELPH. Das aber doch bisweilen mehr der letzteren Schilderung gleicht.

FROM. Ja, es scheint, besonders wenn man den Lauf der vergangnen begebenheiten im Ganzen überschaut: aber merke auch, dass die geschichte derselben ein gedungnes voll gruppirtes Gemälde ist, dessen Teile sich in der natur nicht so nahe berührten, wo zwischen den armseligen Spitzbübereien und Mördereien etwas heitre Intervalle waren. – Doch lasst uns alle diese leidigen Kenntnisse wegwerfen! Lasst uns nichts als unsern kleinen Zirkel der Freundschaft übersehen, und wenn sich unsre Spekulation über ihn hinauswagt, mit Medardus Auge alles anschaun, in der Absicht alles gut zu finden: sich so belügen, ist eine Pflicht, die unsre Zufriedenheit fodert.

BELPH. Oft war diess meine Rede. glückliche Menschen, ihr Unwissende, ihr, denen der Himmel bloss schlichten Menschenverstand und keinen forschenden grübelnden Geist gab! Ihr schleicht den Pfad eures Lebens dahin, weint oder lacht, wie euch die Umstände gebieten, ihr lasst euch gewisse für eure Ruhe heilsame Meinungen einpfropfen, sie durch die Länge der Zeit zum festen unverwelkenden Glauben aufwachsen, ohne zu untersuchen; und wohl euch! Da euer Auge nicht weit reicht, so erblickt es in dem kleinen Horizonte wenig Böses, von der Unordnung der Erde nur kleine einzelne Fragmente, die euch nicht eher stark rühren, als bis sie auf euern Scheitel fallen. Freund, wenn es möglich wäre, den lästigen Plunder der Erfahrung von uns zu werfen, das Auge unsers Geistes zu stümpfen und seinen Gesichtskreis so sehr als möglich zu verengern, wären wir nicht glücklich?

Ja, unterbrach ihn Medardus, wir werden diess sein, Brüderchen; und wenn mein gutes Weibchen, oder meine Zaninny, oder das schöne Negermädchen in Kartagena bei uns wärewir wären doppelt glücklich; und dann einen Trupp kleine Nachkommenschaft um uns herumBrüderchen, das wäre Dir ein Himmelreich.

Fromal nickte und schwieg.

Beschluss

So war der Plan für ihre Einsamkeit, die für sie ein Zustand der erfreulichsten Ruhe und der süssesten Zufriedenheit, die glücklichste Periode ihres ganzen Lebens war. Sie suchten sich je länger, je mehr von dem geist des Nachforschens und der grübelnden Untersuchung abzuziehn, weniger zu denken und mehr zu handeln, sich in alle die kleinen Beschäftigungen des Gartenbaus, der Feldarbeit zu zerstreuen, zu säen, zu pflanzen, zu begiessen, zu erndten, und dadurch ihre Lebensart derjenigen nahe zu bringen, die die geringste an achtung, und die oberste an Glückseligkeit ist, der friedlichen Lebensart der ersten Väter, des arkadischen Dichterlandes und des Landmanns in den Zonen der Freiheit. Ein jeder hatte in seiner Besitzung eine kleine reinliche wohnung, worinne er nebst seinen Sklaven Raum hatte, ein jeder machte mit seinen Sklaven eine Familie aus, wovon er der Vater war, der seine Kinder nur so lange in leichten Einschränkungen erhielt, bis sie erkannt hatten, wie liebreich ihr Vater war. Hinter jeder wohnung breitete sich ein Garten in eine längliche Fläche aus, mit Küchenkräutern und Gewächsen, auch mit einigen Blumen, die das Klima vertrug, geschmückt, den jeder Besitzer mit eigner Hand pflegte und bearbeitete: jeder ass das Werk seiner hände, und jede Staude, die auf seinem Tische erschien, schmeckte ihm doppelt süss, weil er sie mit dem Schweisse seines Angesichts erkauft hatte. Wenn sie die arbeiten des Gartens ermüdeten, gingen sie auf das Feld, die Verrichtungen ihrer Sklavenwiewohl sie ihnen nie diesen Namen gabenzu übersehen, sie durch ihre Gegenwart zum Fleisse und durch Freundlichkeit zu Mut und Geduld anzufrischen. Zu gewissen Jahrszeiten und nach Endigung gewisser arbeiten, des Pflanzens, des Säens, der Erndte stellten sie kleine Feste an, wo sie unter hohen Bäumen oder am Eingange ihrer Wohnungen sassen und sich väterlich an den Ergötzlichkeiten ihrer Angehörigen vergnügten: Diese spielten die rohen Spiele ihres Vaterlandes, sangen mit rauher Kehle und mit der vollsten Empfindung, tanzten mit unabgezirkelten Schritten, wilden Sprüngen, hüpften sich lustig, mengten in alles ihren ungebildeten Scherz und plumpe Schäkereien, und lachten sich frölich, frölicher als die Tafel der auserlesensten witzigen Köpfe. – Oft versuchten ihre Herren, ihre Spiele und Tänze nachzuahmen, und wurden für jeden Fehler der Ungeschicklichkeit mit einem lauten Gelächter bestraft. Die kleine Bande wurde durch diese Ermunterungen belebt und erfindsam: sie strengten oft ihren Wiz an, ihre Herren gleichfalls mit kleinen Freuden zu ergötzen. Sie überraschten sie unvermutet mit einer vorzüglich grossen oder schönen Frucht, mit einem ansehnlichen Gewächse, das sie entdeckt und verborgen, oder mit Fleiss und in der Absicht heimlich gewartet hatten, ein unvermutetes Vergnügen damit zu erwecken: sie sannen neue Tänze und Verschönerungen für die alten aus, um sie bei dem nächsten Feste aufzuführen, und die Erwartung des Vergnügens machte ihre hände und Füsse tätig