truppe versammelten, um einander desto wirksamer befeinden zu können, durch ihre natürlichen Anlagen, durch die Oekonomie ihres Wesens zum immerwährenden Kriege bestimmt, den sie beständig in roher grausamer, oder minder grausamer, oder verkleideter Gestalt fortsetzen, blutig oder unblutig, so wie gesetz, Sitten und Verhältnisse es ihnen erlauben; eine Heerde Raubtiere, wo eins über das andre will, eins das andre zu unterdrücken sucht, und wo die meisten auch in einer beständigen verjährten Unterdrückung gehalten werden: – denn übersiehe die ganze Fläche der Erde, ob nicht bloss kleine Flekken von der Sonne der Freiheit mit schwächerm oder stärkerm Schimmer erhellt werden, indessen dass grosse weite Ebnen von der tiefsten Finsterniss der Sklaverei überdeckt sind, wo jedes mutige Wort auf der Zunge stirbt, wo der Geist der Freundschaft nie atmet, und jeder mit rückhaltender Kälte den andern in langer Entfernung von sich hält, wo der Elende nicht einmal das Eigentum seines Lebens besitzt: übersieh alle zeiten, und sie werden Dir das nämliche Trauerspiel der Unterdrückung vorstellen: übersiehe Dein eigenes Leben, Freund, und hast Du nicht allentalben, wenige gute, edlere Seelen ausgenommen, die Menschen im einzelnen und im Ganzen mit meiner Schilderung passend gefunden?
BELPH. Ja, leider! sind mir Lähmungen, Narben, Beulen unverwerfliche Zeugen davon!
FROM. Wovon Du Dir aber den grössten teil erspart hättest, wenn Du der Partie jenes londner Jungen gefolgt wärest, dessen Beispiel für mich die goldne Regel meines Verhaltens jederzeit gewesen ist. Ein Haufen grösserer Buben, in deren Mitte er stunde, gerieten in Zank: das Handgemenge wurde allgemein, man schlug sich blutrünstig, man riss sich Haare aus, nur mein Knabe bückte sich und kroch mit besondrer Geschicklichkeit durch die erhabnen arme der Streiter hindurch und kam allein unversehrt aus dem Kampfe. Lass den Menschen die wilde Lust ihres Kampfjagens, lass sie sich balgen und raufen, mit dem Degen, mit der Feder, mit Verläumdungen, mit den Nägeln! schleiche dich durch sie hindurch und lass dich nie gelüsten, ihnen zu sagen, dass sie Narren sind, noch vielweniger sie gescheidter machen zu wollen! Die Maschine kann nichts mehr oder weniger und nichts anders tun, als wohin sie der Stoss der auf sie wirkenden Räder treibt, und wer sie aus ihrer Richtung herauslenken will, muss Kräfte genug zum Wiederstande haben, oder er bekömmt Stösse, wovon ihn vielleicht der erste schon zu Boden wirft. – Entdeckte ich Dir nicht diese Erfahrung, Freund? Und warum folgtest Du ihr nicht?
BELPH. Folge einer kalten Erfahrung, wenn dein Herz in lichten Flammen lodert, und die Glut Dich ersticken oder den Busen zersprengen will! Folge ihr, wenn Du keinen Schritt tun kanst, ohne dass Dich nicht tausend Gegenstände umgeben, die Dich durch ihre Narrheit oder Schändlichkeit zum Unwillen reizen, wenn du bessern oder nicht sehen, kein Mensch sein, kein Gefühl von Recht und Unrecht, vom Guten und Bösen haben musst!
FROM. Alles diess besitze für DICH, zu DEINEM Gebrauche, um Dich in Deinem eignen Verhalten davon leiten zu lassen, und danke der natur und dem Schicksale, dass sie sich beide vereinigten, Dich zum warmen gefühlvollen denkenden mann, zum Kenner und Verehrer des Guten und Rechtschafnen zu machen! dass sie unter Deinen übrigen Mitgeschöpfen nur wenigen diese Wohltat erzeigten, ist das DEIN Werk? oder kannst DU das ändern? Es ist im Laster und in der Torheit eine gewisse Fatalität – hier in Virginien zwischen zwei Freunden kann ich diess sagen – die Erfahrung lehrt es, man folgre daraus, so viel schädliches man wolle: was kann ICH dafür, dass die Erfahrung mich eine Wahrheit lehrt, die aus schädlichen Folgen beschwängert ist? – Mein eigenes Beispiel lehrte mich sie. Ich habe zwo Hauptvergehen in meinem Leben begangen: ich habe Dich, Belphegor, meinen Freund, hintergangen, und bin ein Unterdrücker geworden. ICH war es – ich gestehe diess, Freund – ICH war es, der Akanten antrieb, Dich aus ihrer Liebe und ihrem gesicht, obgleich nicht mit der gebrauchten Härte, zu verbannen: allein die Liebe riss mich hin; sie überwältigte meine Freundschaft für Dich so ganz, dass ich Dich unmöglich ohne Neid in ihren Umarmungen die süsseste Wohllust geniessen sehen konnte: die Freundschaft kämpfte wider die Eifersucht, und ich war bloss ihr Tummelplatz: ich konnte nichts wollen und nichts beschliessen: die leidenschaft siegte, ich verdrängte Dich, und wurde ein Falscher, um mir die Scham vor Deinen Vorwürfen zu ersparen, hinterging Dich zweimal mit Lügen: doch Akantens Treulosigkeit strafte mich dafür. – Freund, vergiebst Du mir einen Fehltritt, zu welchem mich alles hinriss? Ich war meiner nicht mächtig, ich musste ihn tun, in meiner Lage war er unvermeidlich, notwendig.
BELPH. Meine Freundschaft vergab Dir ihn, ehe Du ihn tatest. Umarme mich! Verzeihung geben und empfangen ist die geschichte des Menschen. Jeder dieser Fehltritte ist mir begreiflich; allein wie Du, ein so entschlossner Feind aller Unterdrückung, verleitet werden konntest, Handlungen zu begehn, die Du jederzeit verabscheutest, das, das ist mir unerklärbar.
FROM. Nicht unerklärbarer, als da Du über den Tod eines einzigen Schwarzen einen Krieg mit mir, Deinem Freunde, anfangen konntest –
MEDARD. Oder da ich eine Mauer um Niemeamaye ziehen und allen Einwohnern ihr Gold abnehmen liess. Siehst Du, Brüderchen? dazu wird man Dir durch die gelegenheit so hingerissen, dass man hinter drein sich nicht einmal erzählen kann