mitten unter Ergötzlichkeiten musste er sichs oft gefallen lassen, einen verwundenden Stich zu empfangen: doch muss man es zu Fromals Ehre rühmen, dass er oft selbst den Faden zu ernsten Betrachtungen anspann und mit seiner vorigen Stärke und Lebhaftigkeit über Welt und Menschen philosophirte: er berührte so gar oft seine eignen Vergehungen, tadelte und entschuldigte sie. Belphegor liess keine gelegenheit vorübergehn, die Wiedererstattung für alle zu verlangen, die Fromals Unterdrückung gefühlt hatten: um sich auch diese beschwerliche Anfoderung zu ersparen, bot er Belphegorn das Stück Land zum Geschenke an, das er seinem Hausherrn durch Bedrückungen abgenötigt hatte. Belphegor weigerte sich, und seine Gerechtigkeitsliebe stellte ihm den Besitz dieses Geschenkes als einen zweiten Diebstahl an: doch Fromal, der den Menschen kannte, machte ihn durch häufige Zunötigungen, durch die Vorteile und Annehmlichkeiten, die er ihm dabei versprach, mit der idee davon so vertraut, dass er wirklich nach langem Weigern das Geschenk annahm, ohne es weiter für einen Diebstahl zu halten. Der Genuss mannichfaltiger Vergnügungen bei dieser Besitzung und die Erkenntlichkeit dafür minderten allmählich den Unwillen wider Fromals begangne Ungerechtigkeiten, und bald wurde nur davon gesprochen, um darüber zu spekuliren. So war nach vielfältigen, meistens selbsterregten Leiden Belphegor in Ruhe, besass ein kleines Landgütchen mit einer für ihn bequemen wohnung, mit schattichten Bäumen, um darunter philosophisch zu träumen, über sein Leben nachzudenken, die Welt nach Maassgebung seiner Laune zu schimpfen oder zu bewundern – mit einem Gärtchen, um darinne, wie die Patriarchen, zu graben, zu säen, zu pflanzen – mit einem feld, um darauf seinen Unterhalt von etlichen Negern erbauen zu lassen, die ihm Fromal dazu geschenkt hatte. Jetzt, da er selbst die Nützlichkeit dieser Schwarzen genoss, verschwand das Düstre in der Vorstellung von ihrem Zustande ganz: ob er sie gleich als Menschenfreund beklagte und behandelte, so schienen sie ihm doch nicht mehr so unglücklich wie ehmals, und die idee von einem Sklaven, von dem Verkaufe desselben, diese sonst für ihn so aufbringende idee, familiarisirte sich so sehr mit ihm, dass sie ihm gleichgültig wurde. Er lebte in der glücklichsten Einsamkeit, in der beneidenswürdigsten Ruhe; was ihm mangelte, ersetzte ihm sein Freund, und beide waren jetzt wieder mit ganzer Seele einig und vertraut.
Belphegors Glückseligkeit weckte bald in Fromaln ein Verlangen nach einer ähnlichen Ruhe auf, welches die Ermüdung von Geschäften verstärkte, besonders da er von natur eine starke Neigung zur Spekulation hatte, die jetzt durch Belphegors Beispiel wieder aufgelebt war.
Lange blieb sein Verlangen ein blosser Wunsch, und Belphegors Auffoderung vermochten nicht, ihn zu einem Entschlusse zu bringen, zu welchem ihm eine widrige Begebenheit zwang. Schon lange hatte einer von seinen Unterbedienten, vermutlich von Neid und Eifersucht angetrieben, heimlich eine Partie wider ihn gemacht, die jetzt zu seinem Schaden ausbrach. Man wollte ihn durch Verdriesslichkeiten abmatten und nötigen, die Befehlshaberstelle niederzulegen, zu deren Erlangung sein Nebenbuhler schon die nötigen Veranstaltungen getroffen hatte. Er sah ein, worauf es angefangen war, und um einem gewaltsamen Sturze zu entgehen, stieg er selbst von seiner Würde herunter und vergrub sich mit seinem Freunde Belphegor in der Einsamkeit: da er aber die Schikane und Beunruhigung des neuen Befehlshabers fürchtete, so verliess er mit Belphegorn die Insel und kaufte sich eine mässige Besitzung in Virginien, die er auf den Rat seines Freundes in drei gleiche Teile zerschnitt, um sie so mit seinen zwei Freunden zu besitzen: denn man hatte sich schon Mühe gegeben, Akanten und den guten Medardus gleichfalls zu der Gesellschaft zu ziehen. Die Nachfragen blieben lange fruchtlos; man schrieb und schrieb, und erfuhr nichts, bis endlich, da sie bereits verzweifelten, sie wiederzufinden, Fromal die Nachricht erhielt, dass sie einer seiner Bekannten auf seinem Schiffe zu ihnen führe. Die Nachricht wurde bald durch ihre Ankunft bestätigt, und die glücklichste Stunde vereinigte drei Freunde wieder, die Schicksal und Leidenschaften oft von einander getrennt hatte, um hier in stiller Ruhe dem tod langsam entgegenzuwandeln.
Akante erschien nicht; sie hatte kurz vor der Abreise eine verliebte Kuppelei unternommen, und da der Mann, dessen Frau sie durch ihre Bemühungen zur Untreue verleiten wollte, die Sache sehr übel nahm, so rächte er sich mit einem guten Schlage an ihr, der so übel abgepasst war, dass sie nach langen Schmerzen verschied. Aus alter Liebe, und weil er ihre schlimme Seite nicht genug kannte, betrauerte sie Belphegor und beklagte ihren Tod als einen Verlust für sich: allein Medardus unterbrach sein Klagelied und riet ihn, nicht Einen Seufzer an ein schändliches Weib zu verschwenden, das nicht verdient hätte, Atem zu holen. – Brüderchen, sprach er, sie hätte die Minute nach ihrer Geburt einen so gesunden Schlag auf den Hirnschädel bekommen sollen: so wären viele Menschen weniger unglücklich, und Du nicht betrogen worden. Sie war eine Falsche, die listig die Grundsätze und Neigungen desienigen annahm, dessen hülfe sie eben brauchte: in einer Minute war sie zärtlich, feurig verliebt und bis zur Uebertreibung einschmeichelnd, die folgende Minute, wenn es ihr Vorteil verlangte, kalt, verachtend stolz, und warf vielleicht einen Liebhaber zum haus hinaus, in dessen Umarmung sie kurz vorher den Himmel zu fühlen vorgab. –
Belphegor seufzte. –
Sie trieb, fuhr Medardus in seiner Parentation fort, zuletzt die schändlichste Kuppelei, und war so geschickt, Dir ihr abscheuliches Gewerbe zu verbergen. In Einem haus unter Einem dach mit ihr wusstest Du am wenigsten davon, und oft, wenn Du