Gespinste aus seinem Gehirne zu erzeugen. Er erzählte sie seinem neuen Freunde und liess sich die seinigen erzählen, wodurch ihre gegenseitige Zuneigung täglich fester wurde, wiewohl auch der Fremde noch eine andre Absicht hatte, warum er Belphegors Haus so oft besuchte, und mit welcher er gleich anfangs hineingekommen war.
Auch dieses war nichts geringers als ein Projekt, das aber nicht die weitläuftige Besserung eines Fürsten oder staates, sondern die Kur eines Anverwandten betraf, der sich allen Ausschweifungen überliess, ihm, um sie desto freier zu geniessen, entlaufen war, und den er darum Schritt vor Schritt betrachten wollte. – Wir hatten, erzählte er eines tages Belphegorn, ansehnliche Besitzungen in NEW WIGHT: mein Verwandter und ich sollten eine Erbschaft heben, auf die wir längst gewartet hatten; allein der Befehlshaber des Gebiets, der ungerechte FROMAL –
Fromal? rief Belphegor erstaunt. –
Ja, er selbst, dieser gewissenlose Mann, verwickelte uns in feingewebte Schwierigkeiten, die uns den Besitz der Erbschaft lange Zeit aufhielten. –
Fromal! ER tat das? –
Ja, und zwar aus einem Grolle wider den Erblasser und aus Habsucht, ein Stück Landes zu besitzen, welches an einem seiner Gärten stiess, den er dadurch zu erweitern wünschte. Der Verwandte, den wir beerbten, schlug ihm sein Ansuchen darum etliche Mal ab, aus welchen Ursachen weiss ich nicht; und hätte der ruchlose Fromal ihn nicht gefürchtet, so würde er ohne Bedenken Gewalt gebraucht haben, zu seinem Zwecke zu gelangen; allein da ihm seine eigne Sicherheit dieses widerriet, so versteckte er sich hinter tausend Kunstgriffe, die ihm aber unser Verwandter glücklich zu vereiteln wusste; doch liess die Vereitelung einen Groll in ihm zurück, den nichts als unser Verlust versöhnen konnte –
Alles diess tat Fromal? –
Ja, alles tat er, der Ungerechte! Er legte uns mannichfaltige Fallstricke, als unser Verwandte starb, wovon jeder eine rechtmässige Foderung zu sein schien; die Schwierigkeiten waren unendlich, und wir würden unsre Erbschaft noch nicht gehoben haben, wenn wir uns nicht entschlossen hätten, ihm das Stück Landes zu überlassen, das die Ursache seiner Verfolgung war. Wir mussten unsern Bedrücker liebkosen, ihm ein Geschenk damit machen und noch oben drein allen Schein der Bestechung sorgfältig vermeiden, und in kurzer Zeit waren wir die ruhigen Besitzer unsrer Erbschaft. –
Alles diess tat Fromal? –
Er tat noch mehr als alles diess; wir sind nicht die einzigen, zu deren Unterdrückung er seine Gewalt missbrauchte. –
Komm! wir müssen ihn bessern oder strafen! – Er war mein Freund, sein Herz war gut, ich will ihn sprechen, er wird mich hören; schon einen meiner Freunde habe ich von dem Wege der Unterdrückung zurückgebracht, warum nicht auch diesen? – So bald Du in sein Gebiet wieder gehst, so nimm mich mit Dir! Er muss ein gerechter oder kein Befehlshaber sein. –
Wenn diess möglich zu machen wäre, Freund! Ich habe schon über manchem Entwurfe gebrütet, wie man ihn bessern könnte, aber wer will sie ausführen? –
ICH! unterbrach ihn Belphegor hitzig. –
Einen schlafenden Löwen mag ich nicht wecken. Die Schuld einer Ungerechtigkeit, die er an uns begangen, liegt auf ihm. Ich werde, so bald ich meinen Anverwandten gewonnen habe, in sein Gebiet zurückkehren und dem Götzen opfern müssen, damit er mich nicht verschlingt: siehe! das ist das Grundgesez des Schwächern. Alles, was man tun kann, ist – Plane entwerfen; aber sie ausführen zu wollen, dafür bewahre der Himmel! –
ICH will meinen ausführen, sagte Belphegor, und seitdem war er unaufhörlich mit seiner Reise zu Fromaln und mit seiner Besserung beschäftigt, deren Anfang er so sehnlich wünschte, und wovon er so gewiss einen glücklichen Erfolg hofte, dass er mit Ungeduld und oft mit Härte seinen Freund ermahnte, die Abreise zu beschleunigen.
Nachdem dieser seine Geschäfte abgetan, seinen Neffen, dem er ungekannt in alle lüderliche Häuser nachfolgte, wieder gewonnen und von seinen Ausschweifungen abgezogen hatte, so wurde die Fahrt angetreten, und Belphegor erhielt unter der Bedingung die erlaubnis, der Reisegefährte seines Freundes und sein Hausgenosse zu werden, wenn er sein Projekt, den ungerechten Fromal zu bessern, aufgeben wollte, wenigstens sich es nicht befremden liess, wenn er, so bald Ungelegenheit von seinem Verfahren zu besorgen stünde, sein Haus und seine Freundschaft meiden müsste. Belphegor versprach alles, vergass Akanten, seinen Freund Medardus, sein Haus, und folgte allein dem Triebe seines warmen Gerechtigkeit liebenden Herzens.
Sie erreichten die Insel NEW WIGHT glücklich; und Belphegors erste Bemühung war, seinen alten Freund zu besuchen. Er glaubte, dass seine person seinem Vortrage ein grosses Gewicht geben werde, und suchte sich darum so gleich zu entdecken, als er sich um den Zutritt zu ihm bewarb. Fromal empfieng ihn mit der lauen Höflichkeit eines Vornehmen, begegnete ihm freundlich, aber nicht freundschaftlich. Belphegor vermisste die ehemalige Wärme der Vertraulichkeit bald und gab sich alle Mühe, ihn zu befeuern: Er lenkte das Gespräch auf die Vorfallenheiten seines Befehlshaberamtes, und sein Freund wurde noch zurückhaltender: er kam auf die Begebenheit des Mannes, der ihn mit sich gebracht hatte, liess etliche hingeworfne Worte verraten, dass er von der Sache wohl unterrichtet war und sie als eine Ungerechtigkeit verabscheute. Er erzählte ihm die geschichte davon unter veränderten Namen und mit starken lebhaften Ausdrücken der Missbilligung. Fromal schien dabei zu empfinden: er machte die gewöhnlichen Geberden eines Menschen, der sich