, weil sie uns sonst nicht brauchen könnten. Des Lebens wurden wir satt; freier Tod ist besser als sklavisches Leben; wir schlugen zu. Achtzehn Schlösser haben wir schon bis auf den Grundstein zu Pulver verbrannt, neunzig Grafen und Edelleuten die Bäuche aufgeschnitten und einen ganzen Schwarm Edelfrauen bei Strohwischen gebraten, samt den schönen Jungen und Jungfern, Hunden und Pferden, die sie von unserm Gelde gekauft haben. Heisa! Es lebe die Freiheit! Willst du mitfechten? – Komm! wir sind zurückgesprengt worden. Wir wollen dort ans Schloss ansetzen, das im wald liegt. Dem rotköpfichten Junker dort auf den Hals! Fort Brüder! du sollst unser Anführer sein, Freund! – Ja, unser Anführer! riefen sie alle und machten sich marschfertig.
So wenig sich Belphegor diese Ehre wünschte, oder auch sein Amt versehen konnte, weil er wegen der zerprügelten Fusssolen kaum ohne Schmerz aufzutreten vermochte, so wollte er doch lieber mit seinem Kommandostabe vor ihnen her hinken, als sich an die schöne schattichte Eiche aufknüpfen lassen: er stolperte also vor seiner Armee voran, wie ein zweiter Ziska, mit dem gegenwärtig sein ganzer Körper grosse Aehnlichkeit hatte. Der Marsch ging unter einem unaufhörlichen Ausrufe der Freiheit auf das Schloss des Junkers los, dem sie ihren Besuch zugedacht hatten. Sie kündigten ihre Ankunft zuerst durch eine volle Ladung Steine den Fenstern an, erbrachen das Wohnhaus und liefen schon herum, um brennbare Materien aufzusuchen. Plözlich war der ganze stürmende Haufe von einem truppe der Landesarmee umschlossen; man schrie, man fluchte, lief, stunde, ging; man warf Steine, Balken, Dachziegeln; man erschoss, man würgte, man raufte sich bei den Haaren; einige stachen mit Mistgabeln, andre metzelten mit Säbeln die Feinde nieder, und viele schlugen sie mit Knitteln tot; viele suchten den Ausgang zur Flucht, fanden ihn nirgends, öffneten sich ihn mit Gewalt und wurden mitten im Durcharbeiten daniedergetreten; der Vater tödtete unwissend den Sohn, und der Sohn erwürgte den Vater; sterbende Stimmen ächzten – Freiheit! und lebende riefen – Rebell! Abgerissne Füsse, zerfleischte arme, gequetschte Köpfe, verstümmelte Leiber, Waffen, Beute, Pferde lagen in dem schrecklichsten Chaos neben und über einander. Zweihundert Bauern wurden auf dem Wahlplatze erschossen, von Pferden zermalmt, im Gedränge erdrückt, zertreten, eine viel grössere Anzahl gefangen, und nur wenige entkamen, worunter auch Belphegor war, der in der Begeisterung des Treffens ritterlich gefochten und von einem sich davon stürzenden Schwarme mit fortgerissen worden war. Man sezte ihnen nach, die übrigen entkamen durch die Geschwindigkeit der Füsse, doch den unglücklichen Belphegor nötigten seine wunden Fusssolen zurückzubleiben und in die hände der Nachsetzenden zu fallen. Eine lange Allee vor dem Stadttore wurde sogleich mit vierhundert aufgehängten Bauern geschmückt, hundert wurden gerädert, andre lebendig eingemaurt, und alle als Rebellen verflucht, ihre Namen in Stein eingehauen, und ihr Andenken auf ewig mit der grössten Schande gebrandmahlt. Für die Anführer, worunter auch Belphegor sich befand, wollte man bei grösserer Musse eine Strafe aussinnen, die alle Strafen der ganzen polizirten Welt an Strenge und Grausamkeit überträfe.
Belphegor, der das grässliche Schauspiel mit ansehn musste, geriet bald in Feuer; stark empfindende Herzen, wenn sie zu heftig angegriffen werden, wagen das Aeusserste: er fasste einen von den dastehenden Richtern bei der Knotenperucke. – Welches Recht, sprach er, habt ihr, Barbaren, diese Unglücklichen ohne alles Gefühl wie Rebellen niederzumetzeln? Sie wollten das Joch abwerfen, das schändlichste Joch der Unterdrückung, und ihr straft sie, dass sie eine Freiheit zu erkämpfen suchten, die ihnen die natur so gut als euch gab, und die ihr ihnen entrisset! Schande! ewige Schande für die Menschheit, dass sie ihr Wohlsein auf den Untergang etlicher Schwachen aufbaut.
Der Richter, der kaltblütigste Mann, der auf einem Richterstuhle gesessen hat, antwortete ihm zur Kurzweile ganz trocken: wer hat ihnen denn etwas unrechtes zugemutet? Es blieb ja alles bei dem Alten. –
Ja, unterbrach ihn Belphegor, bei der alten Unterdrückung! Unsre Vorfahren in dem unseligsten stand der Wildheit überwältigten die Väter dieser Elenden und legten ihnen das barbarischste Joch auf; und wir, die wir jene zeiten mit der stolzesten Verachtung unter uns herabsetzen, wir – – –2
Das ist ja immer so gewesen! fiel ihm der Richter ein. Der Stärkere hat von Ewigkeit her den Schwächern zum Sklaven gehabt, ein Mensch hat beständig über den andern herrschen wollen, und wer den andern hat daniederwerfen können, der ist der Herr gewesen. Es war ja immer so, wie wir in Historienbüchern finden, dass der Schwache, wenn er so dumm war, sich von dem Mächtigen nicht alles gefallen lassen zu wollen, gehangen, geköpft, gerädert wurde. –
"Aber diese Elenden wollten ja gern eure und der übrigen Menschheit Diener sein, nur als Menschen behandelt werden, die zu ihrer Glückseligkeit so wohl als ihr auf diese Kugel gesezt sind. –
Es ist ja immer so gewesen; was wollen sie denn neues haben? Die Menschen haben ja beständig einander gequält, und wer sich nicht quälen liess, den schlug der andre tot, wenn er konnte. Es ist ja immer so gewesen; wenn dirs so nicht ansteht, so ändre das! Mache, dass du morgen nicht gehangen wirst; wenn dus kannst, so hast DU Recht, aber bis hieher haben WIR es.
Belphegor, der durch den dehnenden fühllosen Ton und die eiskalte Frostigkeit des Mannes