das Mädel mit Gewalt nicht lassen wollt; aber ich dachte eben nicht, dass du gleich so oben 'naus sein würdest. – Ich hab schon viel Kreutz g'habt, aber das ist 's grösst, das ich wohl nicht überleben werde. – Hättest so ruhig in unserm Hüttlein leben können! Nun muss ich allein drinn schmachten! – O Hanns, Hanns! Wenn ihr Leute dächtet, was ihr euren Eltern für Kummer macht! 's ist ein Elend, eine Mutter zu sein! –
Sie jammerte noch immer so fort; Endlich kam Katrine mit einem Bündel Kleider. Der Werber führte Hanns bald darauf fort, weil er fürchtete, die bauern möchten zusammen laufen; die Mutter hieng sich ihrem Sohn an den Hals, und wollte ihn nicht loslassen. Endlich musste sie; heulte jämmerlich, und schlug die Händ über dem Kopf zusammen. Sie wollte noch mit vors Dorf hinaus, aber der Werber, der den Lärm fürchtete, gab es nicht zu. Kronhelm versprach es Hanns noch einmal, beim Hauptmann für ihn und seine Katrine zu sprechen. –
Nach einer halben Stunde fuhren Kronhelm und Siegwart auch wieder weiter. Sie sprachen viel über den Rekruten, und seine Mutter. Das muss ein schreckliches Leben für die beiden sein, sagte Kronhelm, wenn sie getrennt wären, und das Mädchen keinen Augenblick wüsste, ob nicht ihrem Hanns der Kopf gespaltet, oder eine Kugel ins Herz geschossen würde? So ist sie doch um ihn, und kann ihn warten, wenn er verwundet wird. Der Hauptmann lässt sie gewiss beisammen, ich kenne ihn von meinem Vater her; und der Kerl ist gross; denen sieht man schon nach, wenn sie Weiber haben; sie gehen dann auch weniger durch. –
Nach andertalb Stunden trafen sie den Hauptmann auf einem Spatzierritt an. Kronhelm trug ihm sogleich seine Bitte wegen Hanns vor. Ich habe den Kerl dort angetroffen, und sein Mensch auch, sagte der Hauptmann. Sie fiel mir gleich zu Füssen, und bat, dass sie mit in Krieg dürfte. Ich versprach ihr nichts Gewisses, denn man sieht die Weibsleute im Feld nicht gern; sie hindern nur auf dem Marsch. Aber zuweilen macht man wohl eine Ausnahme; und weil Sie auch für den Kerl bitten, und er schön und gross ist, so will ichs so mit hingehen lassen. Wenn ich einmal auf Ihr Schloss komme, so beding' ich mir eine Bouteille Burgunder dafür aus. Herzlich gerne, sagte Kronhelm, und nahm von dem Hauptmann Abschied. – Er war nun recht froh, dass er etwas zur Vereinigung dieser beiden Leute mit beigetragen hatte, und dachte nun mit desto grösserm Vergnügen, aber auch mit grössrer Wehmut an seine Terese. Siegwart musste ihm tausenderlei kleine Geschichten von Teresens Kindheit erzählen; manche gefielen ihm so wohl, dass er sie sich zweiund dreimal erzählen liess.
Endlich kamen sie auf ihrer Schule wieder an. Kronhelm gab dem Kutscher ein paar Zeilen mit, die an den Amtmann und an Teresen zugleich gerichtet waren, und bloss die Nachricht von ihrer glücklichen Ankunft, und Danksagungen für die viele genossene Freundschaft entielten. Sie gingen dann sogleich zu ihrem lieben P. Philipp, der sich herzlich über ihre Ankunft freute. Sie mussten ihm sehr viel von ihrer Landlust erzählen. Kronhelm vermied es sorgfältig, Teresens Namen zu nennen, oder nur entfernt von ihr besonders zu reden, weil er sich zu verraten fürchtete; denn die erste Liebe ist mehrenteils sehr furchtsam und zurückhaltend. Nach etlichen Tagen fiel aber P. Philipp selbst auf die Vermutung, dass er verliebt sei; denn er war so still, und verfiel oft auf Einmal in ein tiefes Nachdenken, und sah aus, als ob er weinen wollte. Unserm Kronhelm muss was wichtiges begegnet sein, sagte er, und wandte sich zu Siegwart; Er ist seit der Reise ganz verändert. Ich weis nicht, antwortete Xaver; und Kronhelm ward feuerrot. – Nein, –es fehlt mir nichts, sagte er; ich weis nicht, wie Sie darauf kommen? Aber gewiss, es fehlt mir nichts! – Nun, nun, ich hab auch kein Recht zu Ihren Geheimnissen, sagte P. Philipp; wenn es nur nichts schlimmes ist, was die Veränderung hervorbrachte. Kronhelm ward so verwirrt, und entschuldigte sich so viel, dass er sich zuletzt selbst verriet, und mit vielen Umständen und weit hergeholten Wendungen dem Pater das ganze Geheimnis entdeckte. Das ist ja was gutes, und unschuldiges, sagte Philipp, und braucht der Beschönigungen gar nicht. – Ja, ich weis wohl, sagte Kronhelm; aber es wird mir so sonderbar zu Mut, wenn man davon spricht. Es ist gewiss um die Liebe die unschuldigste Sache, der man sich mehr zu rühmen, als zu schämen Ursache hat; aber es hält einen immer so was zurück. – Das kommt von der Erziehung her, sagte Philipp. Nun, ich wünsch ihm von Herzen Glück; denn ich hoffe, dass er nicht so auf Geratewohl gewählt hat; und was ich bisher von Teresen gehört habe, bringt mir die beste Meinung von ihr bei. Sie muss ein frommes, unschuldiges und liebenswürdiges geschöpf sein, das vor Tausenden den Vorrang hat. Nur Eine wohlgemeinte Warnung kann ich nicht zurückhalten, und Er wird mir sie nicht übel nehmen! Mach Er die Liebe nicht zur Haupttriebfeder seiner Handlungen, und vergess Er seine übrige Bestimmung nicht drüber! Diess ist der gewöhnliche Fehler bei jungen