über dem Evangelio geschworen hätte. Der Donner ward immer stärker, und der Regen heftiger. – Das ist eine heilige und feierliche Nacht; sagte er. – Um Eins kam der abnehmende Mond zuweilen zwischen zerrissnen Gewitterwolken hervor, und goss sein blasses, melancholisches Licht auf die Liebenden herunter. Sie betrachteten ihn lang am Fenster; küssten sich zuweilen; sprachen abgebrochne Wolte, und fühlten, was die Sprache nicht beschreiben kann. – Um drei Uhr ging Terese weg, um den Kaffee zu machen. Kronhelm sprach von gleichgültigern Dingen mit Siegwart. Nach einer halben Stunde kam sie wieder, und brachte den Kaffee. Der alte Siegwart kam auch. Er sagte, man könne mit dem Abfahren bis halb 5 Uhr warten, ob der Regen nicht aufhöre? Aber länger nicht! – Als der Kaffee getrunken war, stellte sich Kronhelm mit Teresen wieder aus Fenster. Der Regen hielt noch an, und die hoffnung verschwand immer mehr, dass Terese sie begleiten könne. Sie hörten alle Viertelstunden auf dem nahen Kirchturm schlagen, und jeder Glockenschlag war ihnen ein Donnerton; Mit jedem sank ihr Mut mehr. – Der alte Siegwart suchte sie durch sein Gespräch etwas aufzuheitern; sie lächelten zuweilen, aber wie der Mond, der durch Regenwolken schien. Der Tag brach an, und rötete in etwas die Gewitterwolken; endlich ward der Himmel blutrot. Es schlug vier Uhr. Kronhelm bebte, als er es hörte. Er stand unbeweglich vor Teresen. Endlich ging er in die kammer, um sich vollends anzuziehen, und seine Sachen in Ordnung zu bringen. Er kam wieder auf das Zimmer. Es schlug ein Viertel. Herr Gott! wie die Zeit eilt! sagte Terese. Kronhelm holte seinen Stock. Er stand, wie ein Verurteilter da, der nun alle Augenblicke zum Tod geführt werden soll. Endlich schlugs halb. – Nun, wir müssen fort! sagte er. Er nahm vom alten Siegwart mit vieler Zärtlichkeit und Rührung Abschied. Terese konnte sich nicht länger halten, und ging vor die tür hinaus. Xaver nahm nun auch von seinem Vater Abschied. Als Kronhelm vor die tür kam, stand Terese da, und schluchzte. Er drückte ihr die Hand, und ging schweigend die Treppe hinunter. Xaver nahm von seiner Schwester Abschied; Kronhelm vom alten Siegwart. – Nun, Terese! – sagte dieser. Sie ging zu Kronhelm; umarmte ihn, gab ihm drei Küsse, sprach kein Wort, und ging weinend ins Haus zurück. Die beiden stiegen in den Wagen und fuhren fort.
Ende des ersten Teils.
Fussnoten
1 Jetzt ist der ganze Messias vollendet, und entält zwanzig Gesänge. Anmerkung des Herausgebers. 2 Die Gewohnheit zu kreuzigen, die so vielem Missbrauch unterworfen war, ist jetzt auf Befehl der kaiserin in den österreichischen Landen abgeschafft. Anmerkung des Herausgebers.
Zweiter teil.
Kronhelm war lange, wie betäubt; Er sah aus dem Kutschenschlag hinaus, und doch sah er nichts, und fühlte nichts von dem Reiz der Gegend, über der sich nach und nach der Himmel aufklärte, und die, vom Regen erquickt, nun in hellerm Grün prangte, und den süssen Duft der Pflanzen und der Blumen rings umher verbreitete; Siegwart war auch traurig, und wollte seinen Freund nicht stören. Endlich fing dieser selbst zu sprechen an, und ging die schönen Tage wieder durch, die sie mit einander durchlebt hatten. Deine Schwester, sagte er, übertrifft doch alle Mädchen, die ich noch gesehen habe! Wenn sie mir nur fleissig schreibt! Sonst wird mir der Aufentalt in der Stadt unerträglich werden. – Sie stiegen wieder in dem Dorf, und vor dem Wirtshaus ab, wo sie neulich gewesen waren. Ein Werber sass drinn, der eben einen Bauerkerl angeworben hatte. Dieser machte grossen Lerm, und war betrunken; schimpfte auf seine Mutter, die ihm sein Mädchen nicht habe lassen wollen; dann trank er auf die Gesundheit des Kaysers, der Kayserin und seiner Katrine, und schmiss das Glas beim Fenster hinaus. Endlich kam seine Mutter mit grossem Geschrei: Hanns, ist es wahr, dass du Soldat worden bist? Du Teufelskind, was hast du jetzt getrieben? Wer hat dir den verfluchten Einfall eingegeben?
Hanns. Du selbst, Mutter! hättest mir nur meine Dirne lassen dürfen! Ich hab dirs immer gesagt. Nun ist es zu spät. Vivat der Kayser und die Kayserin! Da trink auch mit! Mutter. Geh mir weg mit dem Glas! Mir tuts Not, zu trinken! Du gottloser Bub! Lässt mich nun allein sitzen und scharren. Wer soll nun 's Feld bauen, und mich ernähren helfen? Gelt! nun soll ich verderben und Hunger leiden? O, ich elendes, g'schlagnes Weib!
Hanns. 's Jammern hilft nun nichts mehr, Mutter! Ich hab dir's vorher gesagt; Aber wolltest immer nichts hören, wenn ich von Katrinen anfieng! Da hattest du den Kopf drauf gesetzt, und lachtest mich nur aus, wenn ich vom Soldatenleben sprach! Gelt, nun bin ichs?
Mutter. Nun, so komm nur, Hanns! Sollst sie ja haben, wenn es nicht anders sein kann? Komm nur mit mir heim!
Hanns. Ja, wenn es der Herr haben wollte, bin ichs schon zufrieden.
Werber. Ei, das bitte ich mir aus! Du must da bleiben, Hanns, hättest du das ein paar Stunden eher bedacht! Jetzt gehts nicht