, und erlaubte ihnen einen Briefwechsel; nur bat er sich aus, dass er alle Briefe lesen dürfte. Die Liebenden willigten mit Freuden ein. Ich habe das meinige getan, sagte er; ich bin nicht ohne ängstliche Besorgnis wegen eures Schicksals. Aber das meiste muss ich der Vorsehung überlassen. Sie hats immer väterlich mit mir gemeint, und wirds auch jetzt wohl machen. Ich kann weiter nichts, als zur äussersten Behutsamkeit raten, und dass ihr euch auf alles Widrige gefast macht, was dem Menschen, und besonders einem Liebenden begegnen kann.
Auch hielt ich es für ratsam, Herr von Kronhelm, wenn Sie bald mit meinem Sohn von hier abreisten; etwa übermorgen! So gern ich Sie auch länger hier hätte, so kann ich doch nichts anders raten. Ich habe meine Ursachen dazu. Kronhelm liess sich auch dieses gefallen.
Unsre Liebenden waren nun wieder ruhiger, obgleich sehr oft ein Seufzer sich in ihre Freuden mit einmischte. Terese ging ans Klavier, und sang:
Was ist Lieb? Ein Tag des Mayen,
Der in goldnem Glanz erwacht;
Hell auf froher Schäfer Reihen
Vom entwölkten Himmel lacht.
Flöten locken zu den Tänzen
Der vergnügten Mädchen Schaar;
Blumen sammeln sie zu Kränzen,
Schmücken ihrer Schäfer Haar.
Schnell verdüstert über ihnen
Sich der schwülen Sonne blick;
Schlecken blickt aus ihren Minen,
Schüchtern eilen sie zurück.
Regengüsse strömen nieder;
Blum' und Wiese sind verheert;
Und der frommen Freude Lieder
Sind in Trauerton verkehrt. –
Schau! der Friedensboge stralet
Ins erschrockne Tal herab;
Schau! der hoffnung Freude malet
Sich auf allen Wangen ab. –
Gib, o Gott der frommen Liebe,
Uns ein ruhiges Gemüt,
Das durch Wolken, schwarz und trübe,
Ins Gefild der hoffnung sieht!
Wer hat das liebe Lied gemacht? sagte Kronhelm. Es schickt sich so auf unsern Zustand. – Ich habs vom Hauptmann Nortern, antwortete Terese;–noch–nie hab ichs so gefühlt, wie diesmal! Drum sollte man, sagte Siegwart, jedes Gedicht in der Lage lesen, worinn's der Dichter sang, und ihn nicht mit kaltem Blut beurteilen! – Alles traurige entfernte sich nun wieder aus Teresens und Kronhelms Brust; nur der nahe Trennungstag schwebte, wie ein aussteigendes Gewitter, vor ihnen. Sie gingen in den Garten, wo Terese Geschäste hatte. Sie brachen Birn an den Franzbäumen miteinander ab, und legten sie ins Körbchen, das Terese am Arm trug. Dann kamen sie an einen Aprikosenbaum. Terese fand zwo aneinander festgewachsne Aprikosen; gab die eine Hälste ihrem Kronhelm und die andre ass sie. Die beiden Kerne, sagte Kronhelm, wollen wir hier in die Erde stecken, dass sie beieinander aufwachsen; wenn die Bäume gross werden, wollen wir uns unter ihren Schatten setzen, und an diesen Tag denken! Terese lächelte, und steckte ihren Kern neben Kronhelms seinem, in die Erde. – Ach, die armen Balsaminen müssen wir begiessen! sagte sie; sie stehen so traurig da, und senken ihre Blätter! Kronhelm sprang zum Brunnen, und holte wasser, und begoss sie. Sehen Sie! sagte er, wie sie sich schon allmählich wieder ausrichten! Denken Sie nicht, dass es uns auch wieder wohl gehen wird? Ich hoff es, antwortete das Mädchen, und suchte eine Träne zu verbergen, die ihr ins Auge trat.
Den Nachmittag gingen sie miteinander spatzieren, und bestiegen einen ziemlich hohen Berg, von da sie die ganze Gegend übersehen konnten. Sie setzten sich in ein ausgehauenes Buchengebüsch, das eine Art von Laube bildete, wo ein Nasensitz angebracht war. Unten am Berge sahen sie das Dorf liegen; der Bach schlängelte sich an seiner Seite hin, wo Kronhelm seine Hand verwundet hatte. In der Ferne sahen sie die Donau durch ein weisses Weidengebüsch hinströmen. Weiter weg sah man einen Berg, der wegen seiner Ferne ganz in Blau gehüllt war. Nicht wahr? Dort ist ihr Kloster? sagte Terese. Hier will ich oft am Abend sitzen, nach Ihrer Gegend hinsehen und an Sie und diesen Abend denken. – Wir haben auch einen Berg, sagte Kronhelm, der bald wie dieser aussieht; da will ich auch oft hingehen, und mich der vergangnen zeiten erinnern. Wir wollen uns zuschreiben, und einen Tag ausmachen, an dem wir zugleich auf den beiden Bergen sind, und lebhaft an einander denken. – Aber, morgen, sagte Xaver, müssen wir zu meinem lieben Pater Anton, nach Füllendorf! Ich verschob es immer, aber jetzt müssen wir hin; da wir übermorgen abreisen! Ich könnt es nicht übers Herz bringen, den alten ehrwürdigen Mann, und überhaupt mein liebes Kloster nicht zu sehen; da ich ihm so nahe bin. Du kannst auch mit Terese! Ja, sagte sie; aber ich dachte, man liese keine Mädchen in die Mannsklöster? Das ist schon wahr, antwortete ihr Bruder; aber wir geben dich für jünger aus, und sagen, du seiest 15 oder 16 Jahr alt. Die Paters tun mir es schon zu Gefallen, und lassen dich mit hinein. Man nimmts so genau nicht. – Sie gingen aus der Laube nach einer andern Seite des berges. Nun, lebe wohl! sagte Kronhelm; sobald sehe ich dich nicht wieder! Aber ich will oft an dich, und den schönen Abend denken. Terese! Tun Sies auch, und denken Sie an mich, wenn Sie hier sind! Tausendmal! antwortete sie, und drückte