übersteigen zu sein, als sie ihm anfangs geschienen hatten; Er fand zwar seine Liebe stark; aber auch den Eigensinn und die Vorurteile seines Vaters. Er sah den Lerm voraus, den dieser anfangen würde; und endlich, als er sich von allen Seiten her mit Hindernissen umringt sah, und sich selbst nicht mehr heraus zu helfen wuste, fing er an, sein Schicksal und den Adel zu verwünschen. – Er dachte sich sein liebes Mädchen; ihr sanftes holdseliges Gesicht; ihr liebevolles Herz voll hoher, edler Tugenden; ihren ganzen Umkreis von Vollkommenheiten; bebte vor dem Gedanken zurück, diess alles zu verlieren; weinte; rang die hände; und erhub sein Herz von neuem durch den stärkenden Gedanken: Sie soll doch, trotz allem! dein sein! – Endlich ward er wie fühllos; dachte nichts; und sah die ganze Zukunft wie ein ödes dunkles Todtenfeld gleichgültig vor sich da liegen; bis ihn ein Schlummer überfiel, aus dem er alle Augenblicke unruhig auffuhr.
Mit der Morgenröte wachte er schon wieder auf, und fing von neuem an zu phantasieren. Es kam ihm nun alles noch weit schwerer und verwickelter vor; und doch beherrschte seine Seele nur der einzige Gedanke: sie soll mein sein! Er sah jetzt selbst die Behutsamkeit als das einzige Mittel an, seine Liebe zu erhalten und fortzusetzen. Er beschloss, dieses Teresen und ihrem Vater zu sagen. Um halb sieben Uhr ging er schon ins Zimmer, um sein Mädchen zu erwarten. Sie war unter Tränen aufgewacht, und betete. Mit heisser Innbrunst kniete sie vor einem Crucifix, und bat Gott um Mut und Stärke, wenn sie Kronhelm sehe. Sie war selber bang, dass sie ihm nicht kalt und behutsam genug werde begegnen können. Und doch wollte sie diess, ihrem Vater zu Gefallen, tun. Zehnmal ergriff sie die tür, um hinaus, und nach dem Zimmer zu gehen, und zehnmal bebte sie wieder zurück. Ein ängstlicher Gedank erhub sich nach dem andern in ihrer Seele. Sie ging in der kammer auf und ab, und erblickte sich von ungefähr im Spiegel. Gott, wie bin ich so blass! dachte sie; wird er nicht sogleich alles entdecken? – Endlich ging sie mit zögernden und leisen Schritten nach dem Zimmer.
Als sie die Tür aufmachte, sah sie ihren Kronhelm, und wollte wieder zurückgehn; sie zitterte und bebte. Er kam auf sie zu, und nahm sie bei der Hand. Wollten Sie wieder umkehren? sagte er.
Terese. Nein.
Kronhelm. Sie sehen so blass und traurig aus. Haben Sie nicht gut geschlafen?
Terese. O ja.
Kronhelm. Und doch sagt Ihre Mine anders. (Er sah sie scharf an; Sie wandte das Gesicht weg.) Sie scheinen mir so misstrauisch und so kalt zu sein.
Terese. Das bin ich nicht. – Soll ich etwas auf dem Klavier spielen?
Kronhelm. Wenn Sie wollen. Aber ich spräche diessmal lieber.
Terese. Auch gut! Wovon wollen wir denn sprechen?
Kronhelm. Wovon, meine Liebe? Das fragten Sie doch sonst nicht.
Terese. Ach, ich weiss nicht. Mir ist heute so wunderlich zu Mut! Ich habe Kopfweh.
Kronhelm. Ich bedaure Sie. Aber ... Doch, ich mag nicht reden! Sie sind mir doch nicht gut. Ich sehs wohl.
Terese. (Nun weinte sie) Herr von Kronhelm!.. Tun Sie mir nicht Unrecht!.. wenn Sie wüsten –
Kronhelm. Ich weiss alles, Engel! Leider! Weiss ich alles! Nicht wahr, man will uns trennen? – Liebe Seele!.. Sind Sie mir denn noch etwas gut?
Terese. Ach, Herr von Kronhelm!..
Kronhelm. O, es ist traurig, Terese! Aber, bei Gott! Kein Mensch auf Erden soll uns trennen! Wenn es auch ein Engel wäre? Keine Seele soll sichs unterstehen!
Terese. Aber, Kronhelm ... Wenn es doch geschähe? Menschen sind gar mächtig!
Kronhelm. Ich bins auch! Und Lieb' ist mächtiger, als alles! – Fassen Sie nur Mut! Ich weiss, dass ein Ungewitter über unserm Haupt hängt. Aber noch ist es Zeit, ihm auszuweichen. Wir müssen nur behutsam sein, und unsre Liebe zu verbergen suchen. Ich will mit Ihrem Vater reden.
Terese. Wollen Sie das?
Kronhelm. Sobald er kommt.
Indem trat Xaver herein. Sie beredeten sich mit einander, was sie tun wollten? Kronhelm beschloss, ihrem Vater alles zu entdecken, und ihn anzuflehen, sie nur nicht zu trennen, und ihnen zu erlauben, Briefe mit einander zu wechseln. Mein Vater, sagte er, darf jetzt freilich nichts davon erfahren. Aber er kanns auch nicht, wenn nur wir selber alles recht geheim halten! Das übrige wollen wir der Zeit und der Vorsehung überlassen! Sie kanns bei unsern redlichen und reinen Absichten nicht bös mit uns meinen. Terese ward nun wieder ruhiger und vertraulicher. Als der alte Siegwart kam, trug ihm Kronhelm alles mit der grössten Rührung vor. Der Amtmann, der ein weichherziger Mann war, konnte dem vereinigten Bitten der jungen Leute nicht lang widerstehen. Die Tränen seiner Kinder, die er so herzlich liebte, und die dringenden Bitten Kronhelms, dem er auch so ganz zugetan war, überwältigten seine Vorsichtigkeit, und verschlossen ihm die Aussicht in die Zukunft. Er gab nach