zu verbannen; nicht mehr mit Zärtlichkeit an ihn zu denken; ihm kalt zu begegnen; und so viel, als möglich zu vermeiden, allein mit ihm umzugehen. Aber dann stellte sie sich den lieben Jüngling wieder vor, wie er mit der sanften Mine, und dem schmachtenden Auge vor ihr da stand; sie mit Unschuld und Wehmut ansah, als ob er fragte: Terese, womit hab ich diess verschuldet? Dann brach ihr Herz; ihre Tränen flossen häufiger, und sie sahs für Grausamkeit und Meineid an, ihm so unbarmherzig zu begegnen. Dann beschloss sie wieder, ihm getreu zu bleiben, wenn es auch ihre Ruhe und ihr Leben kosten sollte! – Aber ihr Vater; seine Bitten; seine Vermahnungen; und herzrührende Vorstellungen auf der andern Seite! – Sie stand auf einer Klippe, von zwei Abgründen umgeben! Auf beiden Seiten Tod! Welchen sollte sie nun wählen? – Sie rang, bis gegen Morgen, mit sich selbst; hatte nicht beschlossen, was sie wählen wollte? Und schlummerte endlich, von Tränen, und von Seufzern abgemattet, ein.
Der junge Siegwart unterhielt sich unterdessen mit Kronhelm. Er war zu gewissenhaft, und ängstlich in der Freundschaft, und hätt' es sich als einen Verrat angerechnet, wenn er das, was vorgefallen war, seinem Freund nur eine Stunde hätte vorentalten sollen. Er erzählte ihm also offenherzig die ganze geschichte. Kronhelm, sagte er, mein Vater glaubt, du liebest meine Schwester, und sie liebe dich, und da ist er sehr besorgt und ängstlich drüber.
Kronhelm. Wer? Dein Vater? Hat er was dagegen? – Ja, ich liebe deine Schwester, Siegwart! Lieb sie herzlich! Hat er was dagegen? Sag!
Siegwart. An sich hat er nichts dagegen. Aber du bist ein Edelmann.. Du weist schon –
Kronhelm. Nun ja! Tut das was? Mein ichs drum nicht ehrlich?
Siegwart. Sei nicht wunderlich! Warum sollt er das von dir glauben? Aber er meint, es geh nicht an, dass ein Edelmann ein Bürgermädchen so liebe, dass er es heiraten kann.
Kronhelm. Warum nicht? Das wär mir schön! Meint er das? So will ich ihms gleich anders sagen. Was hat der Adel mit der Liebe zu tun? Da wollt ich lieber meinen Federhut in die Donau schmeissen! – Nein, Siegwart, wenn mich deine Schwester liebt, so soll sie, bei Gott! mein sein.
Siegwart. Das sagt' ich auch; aber er hat Besorgnis wegen deines Vaters.
Kronhelm. Der kann dagegen sein, das leugn' ich nicht. Aber in der Liebe hat man weder Vater noch Mutter! Da bin ich mein eigner Herr!
Siegwart. Du bist ja so heftig, Kronhelm!
Kronhelm. In der Liebe muss mans sein!
Siegwart. Du liebst also meine Schwester wirklich?
Kronhelm. Brauchts noch eine Frage? – Kannst du sagen, dass sie mich wieder liebt?
Siegwart. Ja, das kann ich, Kronhelm! Ich wollt' einen Eid drauf schwören!
Kronhelm. Nun, Gott sei Dank! Dann soll uns auf der Welt nichts im Wege stehen! – Was macht deine Schwester? Was sagte Sie?
Siegwart. Sie weinte, schwieg, und sah gegen Himmel, als ich sie verliess.
Kronhelm. Nun, Gott wird sie trösten, hoff ich! – Das arme Mädchen! Dass sie meinetwegen leidet! – O, das geht mir durch die Seele, Xaver! Hast du sie nicht trösten können? Hast ihr nicht gesagt, dass ichs ehrlich meine? Dass sie mein sein soll, auf ewig?
Siegwart. Wusst ich das?
Kronhelm. Freilich hättest's wissen sollen! – Komm, lass uns noch zu ihr!
Siegwart. Jetzt ist es schon zu spät, Kronhelm! Sie wird schon im Bette sein. Du kannst ihrs ja morgen sagen.
Kronhelm. Morgen! Man sieht wohl, dass du nie geliebt hast! Ein Augenblick, den sie um mich leidet, wird mir zum Jahrtausend! Warum hast mir es doch nicht eher gesagt!
Siegwart. Ich sagt' es dir ja gleich, als ich von ihr herkam.
Kronhelm. Nun, so ist es schon gut! – Aber morgen mit dem frühesten muss ich mit ihr reden, und sie trösten, und ihr schwören, dass ichs ehrlich mit ihr meine! Mein soll sie sein, wenn es auch die ganze Welt nicht wollte!
Siegwart. Nur behutsam must du drein gehen, Kronhelm! Es ist besser, wenn dein Vater jetzt noch nichts davon weiss. Und vor meiner Schwägerinn must du dich auch in Acht nehmen! Du hast letztin gehört, was sie für Anmerkungen machte.
Kronhelm. Ei, was geht mich die an? – Aber du hast Recht. Behutsam will ich drein gehen. Wenn nur Terese mein wird, dann ist mir alles gleichviel, wie sies wird?
Siegwart besänftigte doch nach und nach den aufgebrachten, liebevollen Jüngling ziemlich. Kronhelm, den der unerwartete Sturm stutzig gemacht, und dann mit ergriffen hatte, dass er nichts mehr um sich her sah, als seine Liebe und Teresen; ward nun, als er sich zu Bette gelegt, und das Licht ausgelöscht hatte, nachdenklich und am Ende traurig. Je mehr er die Sache kalt überschaute, desto mehr Hindernisse stellten sich ihm dar. Die Schwierigkeiten schienen ihm nicht mehr so leicht zu