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Mädchen lachen in Einem fort, wenn man bei ihnen ist, und da muss man eben mit machen! Mein Sprüchlein ist: Frölich bei den Frölichen, und traurig bei den Traurigen! Ich kanns den armen Mädchen auch nicht übel nehmen, wenn sie einmal ausgelassen lustig sind; denn heute haben sie wieder für einen ganzen monat gelacht; Wenn sie bei ihrer abgeschmackten Mutter allein sind, da geht alles so ernstaft und gravitätisch zu, und keine Mine darf verzogen werden! – Kronhelm war mit dieser zuvorkommenden Entschuldigung sehr zufrieden, und ward auf einmal wieder munter. Sie machten sich nun über die lächerliche Amtmänninn lustig, und parodierten sie. – Und wer meinen Sie wohl, sagte Terese, dass sie von Stand und Herkommen sei? Nichts mehr und nichts weniger, als eine arme Goldarbeiterstochter aus Augspurg, in die sich der Amtmann, als er sie bei ihrer Verwandtinn auf dem land sah, verliebt hat. Der arme Mann ist sonst so gut und so vernünftig; aber dass er diese Frau geheiratet hat, das kann ich ihm nicht vergeben. Sie hält ihn nur wie einen Bedienten im Haus, und doch betet er die Närrinn an. – Aber, wie wärs, sagte Kronhelm, wenn wir sie in unsre Einsiedelei mit aufnähmen, und zur Cärimonienmeisterinn machten? – Ja, die Törinn brauchten wir! sagte Siegwart ganz hitzig, die würde uns alles Angenehme der Einsamkeit verbittern! – Nun, Nun, antwortete Kronhelm, du nimmst auch alles gleich im Ernst! Aber, weist du, was wir tun wollen, Xaver? Dem alten Grünbach wollen wir sie geben! Der ist auch so ehrenvest und stattlich; so wird doch der arme Amtmann von seinem Hausübel erlöst, und die Grünbachinn auch. Das magst du meinetwegen tun! sagte Xaver; nur unsre Einsiedelei soll sie nicht enteiligen! Nun muste Kronhelm Teresen vom alten Grünbach erzählen; er kam auch auf seine Tochter Sophie zu sprechen, und sagte halb im Scherz, sie sei in Xavern verliebt; dieser ward aber drüber böse, denn er wollte schlechterdings von keinem Mädchen nichts hören. Sie kamen endlich wieder sehr vergnügt beim alten Siegwart an. Beim Essen erzählten sie mit vielem lachen die Bedienung und den feierlichen Empfang bei der Amtmänninn, und glaubten, dem alten Siegwart ein Vergnügen dadurch zu machen. Er sah aber immer sehr ernstaft, oft sehr traurig aus; und blickte seine Terese oft sehr mitleidig an. Sie merkte es, und ward auch sehr tiefsinnig drüber. Sie dachte ängstlich hin und her, und konnte doch nichts ausfindig machen, womit sie ihrem Vater könnte Anlass gegeben haben, unzufrieden über sie zu werden. Nach Tische ging sie einigemal mit Kronhelm traurig im Garten auf und nieder; entdeckte ihm ihre Besorgnis wegen des Tiefsinns ihres Vaters, und sagte endlich, sie könne nicht ruhen, bis sie die Ursache davon erfahre.

Sie trennte sich auch diesmal bald von Kronhelm, und ging unter dem Vorwand, ein Buch zu holen, auf das Zimmer ihres Vaters. Es war ihm lieb, dass sie selber kam. Wo ist Xaver? sagte er. Sie antwortete: Er werde wohl beim Herrn von Kronhelm sein. Willst du ihn nicht rufen, meine Tochter? Ich hätte was mit ihm und dir zu reden. Sie kam gleich wieder mit ihrem Bruder, und der Vater fing, nach einigen gleichgültigen Reden, mit schwerem Herzen und gerührter stimme also an: Es ist mir heute was entdeckt worden, meine liebe Tochter, was mir deinetwegen viele sorge macht. Ich hoffe, du werdest offenherzig mit mir, als mit deinem Vater, der zugleich dein Freund ist, reden. Nicht wahr, mein Kind?

Terese sagte zitternd, und schon halbweinend: Ja.

Siegwart. Sieh, man hat mir gesagt, du findest an dem jungen Herrn von Kronhelm ein besonderes Wohlgefallen. ist es so?

Terese. Ich kanns nicht leugnen, er gefällt mir recht wohl; und ich denke, dass es Ihnen nicht zuwider ist, Papa.

Siegwart. Das nicht, mein Kind! Aber ich fürchte nur, dass die Sache weiter kommen möchte. Du weist schon, beim Wohlgefallen bleibts bei jungen Leuten nicht stehen. Liebst du ihn, mein Kind?

Terese. Verzeihen Sie, Papa?.. Ich weiss nicht!.. Ob ich ihn liebe, meinen Sie? Ja, das lässt sich so nicht sagen – – Ich habe selbst noch nicht dran gedacht – – Es kann sein; Ich weiss warlich selbst nicht.

Siegwart. Gut, gut, mein Kind! Sei nur ruhig! Ich will kein Geständnis herauszwingen. Mich deucht, ich weiss schon genug, und die Vermutung scheint mir ziemlich richtig.

Terese. Aber, um Gottes willen, Papa, Sie werden ja nichts unerlaubtes mutmassen? Bei der Mutter Gottes und bei allen Heiligen, auf meinen Knien kann ichs Ihnen schwören, dass mein Herz rein, ganz rein ist! dass kein unheiliger, kein unerlaubter Gedanke je in diese Brust kam! Die Engel könnens zeugen, die zugegen waren, wenn ich mit ihm allein war! Lieber wollt ich sterben. –

Xaver. Ja, ich kanns auch bezeugen, Papa!

Siegwart. Still, still, meine Kinder! Wozu die Beteurungen? Wie könnte mir so ein Gedank einfallen, meine Tochter? Ich kenne deine Unschuld. Aber die Frage ist von ganz was anders, und betrift deine Ruhe, die mir so unaussprechlich nah am Herzen liegt