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glänzt! Und wie die Farben hell sind! Teuer ist er, das ist wahr, und kostet mich ein schön Stück Geld! Aber ich will lieber was rechtes und was gründliches haben; dadurch kann man sich noch allein vom gemeinen Volk unterscheiden. Der Pöbel treibts jetzt ohnediess so weit, dass man nichts mehr kostbar genug machen kann. Alles äfft er nach! – Der Amtmann kam wieder in einem grünen Kleid in schwarzwollenen Strümpfen, und einer gelblichten runden Perücke. – Ums himmels willen, Mann, was treibst du nun wieder? Das nenn ich mir einen Streich! Das braune Kleid ziehst du aus, und das grüne, das um keinen heller besser ist, ziehst du an? Hast du denn nicht dein blaues Ehrenkleid, mit den goldnen Trotteln, und der roten Weste und Beinkleidern, das du an unsrer Hochzeit trugest? Und nicht einmal seidne Strümpfe? Ja, ihr seid Leute! Da hängt draussen deine Allongeperuque, frisch akkommodirt, und du setzst die Buchsbäumene auf! Mit dir kann man Ehr einlegen! – Nun ist es schon zu spät; nun bleib nur da! Man hat jetzt deine Unbehülflichkeit schon gesehen. Verzeihen Sies ihm nur, Herr von Kronhelm! Er hat sein ganzes Leben fast auf dem Land zugebracht; und da gehts nicht anders. Ja, in Augspurg, da wollt ich dich anders ziehen! In einem solchen Aufzug dürftest du dich ja in keiner honetten Gesellschaft sehen lassen. Komm doch her! Was hast du da wieder allerlei an dir hangen? Heu und Stroh! Man sieht doch gleich, womit einer umgeht. – Nun muste sich der Amtmann vor ihr hinstellen, wie ein Kind; sie suchte sein ganzes Kleid durch, klaubte alle Fäserchen ab; legte die Falten zurecht und sagte endlich: so, nun kannst du gehen. Er küsste ihr zum Dank die Hand; denn er war noch in sie verliebt, wie an seinem Hochzeitstage. – Die Töchter kamen endlich auch wieder, hübschgekleidet, und machten ihr Kompliment. So, nun seht ihr doch erträglich aus, sagte die Mutter; aber ich möchte doch wissen, was du gedacht hast, Henriette, dass du eine Dormeuse aufsetzst? Hast du nicht erst neulich eine so schöne Carcasse von Augspurg bekommen, und setzst jetzt das altmodige Ding auf! Das übrige ging auf dem land schon noch so mit. In Augspurg müsts freilich auch anders sein. – kommt denn der Kaffee noch nicht, Jeannette? Sieh doch nach! – Der Kaffee ward in einer silbernen Kanne aufgetragen. – Wieder ein dummer Streich! fing sie an. Warum denn die kleine Kanne, da wir doch die grosse haben, die mit der getriebnen Arbeit, und dem vergoldeten Bild oben? Wenn ich nicht nach der Haushaltung sehe, so schiest ihr lauter Böcke! Das ist ja, wie eine Milchkanne! – Sie ging selbst hinaus, um die grössere Kanne zu holen. Indess fragte der Amtmann unsern Kronhelm und Siegwart, ob sie nicht Taback rauchen? Und als sie ja sagten, stopfte er ihnen ein paar lange Pfeifen. Seine Frau kam wieder. Bist du gar toll, Mann? rief sie. Willst du ganz zum bauern werden? Um des himmels willen! Das hab ich doch mein Lebtag nicht gehört, in einer solchen Gesellschaft Taback rauchen! Es ist ja, als ob du deine fünf Sinnen verloren höttest! Schäm dich doch in deine Seel' hinein, solche Sottisen zu machen! Den Augenblick pack dich mit deinem Kram zum Henker! Der Amtmann liess sie austoben, nahm seine Pfeifen zusammen, und sagte ganz kaltblütig: Die Herren haben ja rauchen wollen. – Was? Die Herren? Und hier ward sie ganz rot; Ja das ist was anders! Ja, wenn es die Herren haben wollen! ... Ich bitte tausendmal um Vergebung! Mein Mann ist schuld daran, dass er mir das nicht eher gesagt hat! Ich muss mich recht schämen! Da steht er da, wie ein Peruckenstock, und spricht kein Wort! Henriette bring den Augenblick den silbernen Leuchter mit dem Wachslicht herein! – Aber, da wirst du wieder so elenden Taback haben; ich hab dirs schon hundertmal gesagt, dass du Knaster ins Haus schaffen sollst! – Nun ward Kaffee getrunken. Terese unterhielt sich ganz allein mit den beiden Mädchen, und schien auf Kronhelm nicht im geringsten zu achten. Sie lachten sehr viel, und flüsterten sich ins Ohr. Kronhelm ward traurig, und halb böse, und unterhielt sich mit dem Amtmann, mit seiner Frau, und Siegwart. Ein Knabe von sieben oder acht Jahren, der ziemlich zoticht aussah, kam ins Zimmer, rief Mama! und wollte auf die Amtmänninn zu laufen. Sie sprang hastig auf, und rief: Den Augenblick pack dich, Andrees! Wer wird sich so vor den Herrschaften sehen lassen? Hurtig! Hurtig! Und nun ging sie mit ihm aus dem Zimmer. Terese scherzte und kicherte noch immer mit den Mädchen fort, ohne sich um Kronhelm, oder die übrige Gesellschaft zu bekümmern. Diess tat ihm ziemlich weh. Der Amtmann zeigte in seinen Gesprächen viel Verstand, und Kronhelm bedaurte ihn mit Siegwart, dass er so unter dem Pantoffel einer törichten Frau stand.

Nach einer halben Stunde kam die Dame wieder mit dem Knaben an der Hand, der nun frisirt war, einen Haarbeutel, und ein hübsches Kleid trug. Er muste erst Kronhelm, denn Teresen, und ihrem