alten Siegwart, um das Glück der Liebenden zu untergraben. Der alte Mann, der seine Tochter herzlich liebte, und auch dem jungen Kronhelm sehr gut war, erschrack über die Entdeckung, und über die Gefahr, die ihm, sehr vergrössert, vorgemalt wurde. Er hatte die veste Meinung von seiner Tochter, und sagte, sie werde gewiss keinen Schritt wagen, der ihrer Unschuld nachteilig sei. – Aber ihrer Ruhe, sagte seine schlaue Schwiegertochter. Ich wollte selbst auf ihre Tugend alles bauen; aber das ist bei uns Frauenzimmern noch nicht genug. Wir müssen auch behutsam und vorsichtig mit den Mannspersonen umgehen; und unser Herz, auch in der besten Absicht, nicht so aufs Geratewohl verschenken! Sie wissen wie's mit Edelleuten ist; und den Junker Veit kenn ich von aussen und von innen. Er hält auf seinen Adel, wie auf seine Jagdhunde; und, sobald er das geringste von erfährt, ist kein Mensch, weder sein Sohn, noch ihre Tochter, noch Sie selbst ihres Lebens sicher. Ich weiss, er hat seinem Sohn schon ein fräulein ausersehen, und die muss er nehmen, es mag kosten, was es will. Denken Sie, was dann aus Ihrer Tochter werden wird? Soll sie seine Maitresse werden? Oder was sonst? Wenn ich Ihnen wohlmeinend raten darf, so warnen Sie Ihre Tochter! brauchen Sie Ihr väterliches Ansehen, und untersagen Sie ihr ihren Umgang mit dem Junker! Es kann dem armen Mädchen einst bei einer andern Heirat hinderlich sein. Denn was wird die Welt sagen, wenn man sie so vertraut miteinander umgehen sieht? – Dem alten ehrlichen Siegwart ging das in der Seele nah. Es klärte sich ihm vieles in dem Betragen seiner Tochter gegen Kronhelm auf. Er hatte keine Ruhe. Er dachte hin und her, wie er seine Tochter retten möchte, ohne doch dem jungen Kronhelm, gegen den er in der Tat nichts hatte, zu viel zu tun. Er beschloss endlich, bei der ersten schicklichen gelegenheit, mit seinem Sohn und seiner Tochter ernstlich drüber zu reden.
Kronhelm, Xaver, und Terese kamen indessen bei dem Amtmann in Belldorf an. Der Amtmann, seine Frau, und seine zwei Töchter kamen augenblicklich an die Kutsche, und hoben sie aus dem Schlag heraus. Sie wurden mit vielen Cärimonien bewillkommt, und die Treppen hinauf geführt. Die Amtmänninn machte tausend Entschuldigungen, dass sie so schlecht gekleidet sei, und dass im Zimmer alles so unordentlich aussehe. Sie war aber in der Tat mehr prächtig, als nachlässig gekleidet; und im Zimmer war alles ordentlich. Ich sag dirs tausendmal, Mann! sagte sie, dass du alles so herumfahren lässest, und dich nie an keine Ordnung gewöhnst! Wenn man dann einmal so vornehme Gäste bekommt, wie wir heute die Ehre haben, (hier verneigte sie sich sehr tief) da muss man ja mit Schimpf und Schande bestehen! Nehmen Sies doch nicht übel! Was werden Sie zu haus sagen, dass ich so ein unordentliches Weib sei? Man glaubt ja, man komm in eine Baurenstube! – Indess räumte der Amtmann stillschweigend auf. Sie redete ihm immer ein, und sagte: Das gehört dahin, und das dortin u.s.w. Sie beurlaubte sich auf einige Augenblicke. Terese besprach sich indess mit ihren Töchtern. Der Amtmann sprach, wiewohl ängstlich, indem er immer dazwischen seine Schriften aufräumte, mit Kronhelm und mit Siegwart. Endlich, als er fertig zu sein glaubte, setzte er sich zu ihnen, und fing ein sehr vernünftiges Gespräch an. Allein seine Frau kam im grössten Staat, mit einem hohen Kopfputz und einem Reifrock herein, und machte eine tiefe Verbeugung. Um Gottes Willen, Mann, sagte sie, was ist das? Du setzst dich in deinem abgeschabten Rock zu den Herren hin? Sollte man nicht glauben, du habest sonst kein anders Kleid? Den Augenblick! – Der Mann lief stillschweigend weg, um sich umzukleiden. Nach vielen Komplimenten setzte sie sich nieder, spielte mit dem Fächer, und gab ihren Töchtern einen Wink, sich zu entfernen, und sich umzukleiden. Als sie Kronhelms Namen hörte, und dass er von Adel sei, stand sie wieder auf; fing von neuem ihre Komplimente an; und schätzte sich doppelt glücklich, einen Kavalier in ihrem Haus zu haben. Nur bedaurte sie aufs neu, dass er alles so in Unordnung angetroffen habe. Es ist ein trauriges Leben auf dem land! sagte sie. Man mag auch noch so sehr auf Nettigkeit und Ordnung sehen, man kanns doch nie ganz erhalten; es kommt einem hundertlei dazwischen; wenn es auch nur die Fliegen wären, die sich haufenweis auf alles hinsetzen, und es beschmutzen. Da ist es in meinem lieben Augspurg ganz anders; da ist alles so reinlich, und so nett; da glänzt alles; kein Stäubchen darf man im Zimmer sehen; und Fliegen sieht man auch beinahe gar nicht. Ich kanns meinem Papa und meiner Mama noch nicht vergeben, dass sie mich aufs Land verheiratet haben! Man ist von allem abgesondert und abgeschnitten; Man vergisst den guten Ton ganz, und erfährt die neuen Moden immer vierzehn Tage später. Zwar ich erfahr sie immer gleich, weil ich alle Wochen mit meiner Mama korrespondire. Z.E. sehen Sie, Mademoiselle, dieser Zitz ist jetzt die neueste Facon in Augspurg; Schüle hat diese Art zu drucken erst erfunden. sehen Sie nur, wie er