1776_Miller_071_83.txt

antwortete Xaver, auf der Bank am Gartenhäuschen, sah dem Mond zu, wie er mit den Wolken sein Spiel hat, und da dachte ich über unsre Einsiedelei nach; wie es einmal schön sein wird, wenn wir des Abends da beisammen sitzen, uns über neue Einrichtungen besprechen, und uns glücklich schätzen, dass wir uns von der Welt losgewunden haben. Man mag sagen, was man will, das Klosterleben und die Einsamkeit hat doch immer den meisten Reiz für ein edles, empfindungsvolles Herz! Wenn wir nur erst in unserm Wäldchen wären!

Terese lächelte zu Kronhelm, und wollte jetzt die angenehmen Träume ihres Bruders nicht zernichten. Sie reichte Kronhelm die Hand, und stand auf. Indem fuhr eine Sternschnuppe vor ihnen am Horizont hinab, so hell, als sie noch nie keine gesehen hatten. Sie sahen sich erst erschrocken an, und freuten sich denn drüber. Daran wollen wir unser Lebelang denken, sagte Terese. Das war herrlich! Man hörte sie ordentlich zischen, und sah noch die Funken hinter drein! – Sie ging in ihrem weissen Gewand, und mit aufgelösten HaarenKronhelm hatte sie auf der Rasenbank unvermerkt aufgelöstdurch den langen gang hinunter. Ihr weisses Kleid schimmerte, und tausend Schatten von dem Laub der Hecke hüpften drauf herum. Kronhelm war zufrieden, wie ein Gott; denn er fühlte nun das Glück zum erstenmal ganz: Geliebt zu sein. Siegwart nahm seine Schwester auch bei der Hand, und fühlte in seinem Herzen eine nie empfundne sehnsucht, die er sich nicht erklären konnte. Ein paarmal hub ein unwillkührlicher Seufzer seine Brust; es war ihm wohl, und weh. Sie gingen endlich, weil es schon um zwölf Uhr war, auf ihre kammer. Terese sass noch allein, und ohne Licht auf dem Zimmer, und spielte ein paar zärtliche Arien auf dem Klavier. Kronhelm, der schon im Bette lag, glaubte die Musik der Engel zu hören, und schlief erst spät ein.

Den andern Morgen waren Kronhelm, Terese, und ihr Bruder von Karl und seiner Frau zum Kaffee gebeten. Sie hatten da wenig Vergnügen, weil sie sehr gezwungen waren. Karls Frau schien Kronhelms Zuneigung zu Teresen zu merken, und sehr neidisch drüber zu sein. Das arme Mädchen musste viel Spöttereien und beissende Anmerkungen hören. Sie wuste nicht, wie sie sich dabei betragen sollte? und ward oft rot. Ihre Schwägerinn erzälte recht mit Vorsatz die geschichte einer unglücklichen Heirat zwischen einem Edelmann, und einem bürgerlichen Mädchen; und schloss damit, indem sie Teresen ins Gesicht sah: So sollts all denen Mädchen gehen, die sich über ihren Stand und andre ihres gleichen erheben wollen! Da heists recht: Hochmut kommt vor dem Fall. Man muss nicht fliegen wollen, wenn man keine Federn dazu hat, u.s.w. Kronhelm wurde böse drüber, und stand um zehn Uhr wieder auf. Sie werden wohl Geschäfte haben, Jungfer Siegwart, sagte er; wenn wir um zwölf Uhr zu dem Amtmann in Belldorf fahren wollen, so müssen wir uns jetzt empfehlen, denn ich hab auch noch was zu arbeiten. Darüber ward Karls Frau noch mehr aufgebracht, und schäumte fast vor Wut. Als die jungen Leute Abschied genommen hatten, liess sie's ihren Mann entgelten, und fing einen grossen Lerm im Haus an. Aus deiner Schwester wird was schönes werden! sagte sie. Das Mädel tut so stolz, als ob sie schon eine gnädige Frau wäre, und ihren kahlen Junker schon hätte. Ja! sie mag sichs nur einbilden! Der Junker wird sie prellen, wie's die Leute immer machen. Es ist eine Schande, dass ihn dein Vater so einsetzt! Aber heute will ich ihms sagen, und ihn gutmeinend warnen, dass er auf sein Mädel acht gibt, und ihr die Träumereien aus dem Kopf bringt! Karl schien weniger böse gegen seine Schwester zu sein; denn er dachte: wenn sie einen reichen Junker kriegt, so wird sie von ihrem väterlichen Vermögen nichts haben wollen. Er hielt also ihre Partie, und liess sich von seiner Frau brav ausschelten. Nach Tisch fuhren die jungen Leute zum Amtmann in Belldorf. Karls Frau war der Gegenstand ihres Gesprächs; sie bedaurten ihren Mann, und sie selbst, indem sie ihres Lebens und Vermögens gar nicht froh ward; denn der Geiz machte ihr jeden Bissen, den sie, oder andere genossen, bitter. In Belldorf, sagte Terese zu Kronhelm, werden Sie auch eine sonderbare Frau von einer andern Gattung antreffen. – Jesus! Maria! rief sie, indem der Wagen eine Anhöhe hinabrasselte, und umsank. Kronhelm, der zu oberst lag, arbeitete sich den Augenblick heraus; machte den Schlag auf, und zog Teresen heraus, die so blass aussah, wie der Tod. Um Gottes willen! helfen sie doch meinem Bruder! rief sie. Er lag halb unter dem Wagen, denn er war, im Sinken, aus dem Schlag gefallen. Kronhelm hob, mit hülfe des Kutschers, den Wagen auf, und Siegwart kroch hervor. Da keines durch den Fall Schaden gelitten hatte, so fiengen sie endlich an, über den Zufall, und über die lächerlichen Stellungen, und Grimassen, die sie gemacht hatten, zu lachen. Doch ward Terese ängstlich, so oft der Wagen auf die Seite hieng, und hielt sich fest an Kronhelm.

Während dass sie auf dem Weg sich lustig machten, und scherzten, ging Karls Frau zum