1776_Miller_071_82.txt

Garten hinauf, und sah sich nach Kronhelm um, als ob sie wünschte, dass er ihr folgen möchte. Er blieb aber immer sitzen, und sprach fort. Als sie wieder kam, sagte er: Er wolle auch Soldat werden, und sich tot schiessen lassen! Das tun Sie gewiss nicht, sagte Terese. Warum nicht? Fragte er. Glauben Sie, es fehle mir an Mut? Da kennen Sie mich noch wenig. Zuletzt sprach er gar nichts mehr.

Endlich nahm der Hauptmann Nortern mit dem Lieutenant Abschied. Dieser warf Teresen, als er schon auf dem Pferde sass, noch einen Kuss zu. Kronhelm lachte höhnisch drüber, und biss sich in die Lippen. Terese warf ihm einen schmachtenden blick zu, und ging weg, um das Abendessen zurecht zu machen. Kronhelm ging auf sein Zimmer, nahm seine Geige, und phantasirte wild und rasend drauf. Ein paarmal stampfte er auf den Boden, und dann weinte er. Man rief zum Essen; er sass Teresen gegenüber, blickte unter sich, und sprach nichts; bis das Gespräch auf den Lieutenant kam. Es ist ein windiger Mensch, sagte Terese. Kronhelm nahm seine Partie, und verteidigte ihn, aber in einem bittern Tone. Der alte Siegwart, der auf ihn bisher nicht acht gegeben hatte, konnte sich in sein Betragen nicht recht finden; aber Xaver sah die Ursache davon bald ein. Terese schwieg endlich ganz still, und war sehr traurig. Nach dem Essen ging sie zwischen den Blumenbeeten mit ihrem Bruder auf und ab. Kronhelm ging mit dem alten Siegwart, und sprach vom Hauptmann Nortern. Als der Amtmann, wegen der feuchten Abendluft auf sein Zimmer ging, spatzierte Kronhelm allein. Er kam an Teresen und Xavern vorbei. Sie redete ihn an: Sie scheinen heute unaufgeräumt zu sein, Herr von Kronhelm!

Kronhelm. Ein Bischen, Jungfer Terese. (Siegwart ging indessen weg.)

Terese. Haben Sie Ursache dazu? Ich werde Ihnen doch keine Veranlassung gegeben haben?

Kronhelm. Nein!

Terese. Nein? Und doch sehen Sie mich so stürmisch, oder gar nicht an.

Kronhelm. Stürmisch? Sie tun mir Unrecht, Jungfer Siegwart. Sie bilden sichs nur ein.

Terese. Ich glaube nicht, Herr von Kronhelm. Mir dünkt, Sie sind über den Lieutenant unzufrieden.

Kronhelm. Vielleicht! Ich weiss selber nicht!

Terese. Sie Wissens selber nicht? Ach, mein lieber Kronhelm; es schmerzt mich sehr, dass Ich das entgelten soll! Sie werden doch nicht glauben, dass mir die Süssigkeiten des Lieutenants angenehm waren? Da würden Sie mich sehr verkennen! Ich versichere Sie, dass mir der Mensch sehr zuwider ist; dass ich ihn, wer weiss, wie weit? weg gewünscht habe!

Kronhelm. Ist das Ihr Ernst, Jungfer Terese?

Terese. Mein völliger Ernst! Wie könnt ich Ihnen etwas weiss machen, Herr von Kronhelm? Ach Sie wissen nicht – – Ich schätze Sie unter allen Jünglingen, die ich noch gesehen habe, am meisten hoch (Mit diesen Worten sah sie ihn zärtlich, und mit nassen Augen an. Kronhelm ergrif ihre Hand; küsste sie mit Innbrunst; und sagte: Lieber Engel! Es folgte ein langes Schweigen.) Endlich sagte

Kronhelm. Verzeihen Sie! Ich hab Ihnen Unrecht getan! Ich verdiene Ihre gute Meinung nicht! Nein, bei Gott nicht! (Terese drückte ihm die Hand, und nun drückte er ihrem Mund den ersten, heiligen, keuschen Kuss der Liebe auf.) Nach langem Schweigen sagte

Terese. Sind Sie mir noch böse, Herr von Kronhelm?

Kronhelm. Um Gottes, und der heiligen Jungfrau willen, schweigen Sie! Wie könnt ich das sein? Ich will nichts, als Verzeihung! Ach, liebe Freundinn, ist das nicht zu viel? Ich bin ein Tor, ein Unmensch gewesen! Ich verdien Ihren Abscheu, Ihre Verachtung!

Terese. Tun Sie sich nicht Unrecht, Herr von Kronhelm? Es ist gut, dass Sie heftig sind. Vergessen Sie nur den fatalen Lieutenant! Er soll mich so leicht nicht wieder führen! Aber, Gott weiss! ich war unschuldig; wenn Sie nur davon überzeugt sind!

Kronhelm. Ganz, ganz! Mein Engel! (Und hier küsste er sie wieder) Ich schäme mich wegen meiner Heftigkeit. Sie waren ja ganz unschuldig. Der Lieutenant bot Ihnen seine Hand an; Sie sahen sich nach mir um! Ich sah alles, und war doch verblendet. Verzeihen Sie mir nur! –

Terese weinte, und Er auch. Sie setzten sich auf eine Rasenbank. Der Mond schien ihnen ins Gesicht. Sie sahen sich oft lang an; schlugen die Augen nieder; seufzten; und lächelten dann einander halb wehmütig zu. Dann blickten sie zum Mond auf, betrachteten jedes Wölkchen, jeden hellen Stern. Künftig will ich immer an Sie denken, wenn ich den Mond sehe, sagte Kronhelm. – Es ist so traurig, dass man sich verlassen muss, wenn man sich erst recht kennen lernt! Aber, wir sehen uns doch wieder. Hier sah ihn Terese traurig an. Eine Träne rollte, hell vom Mondschein, über ihre blassrote Wange; sie sah wieder nach dem Mond; und indem kam Xaver zwischen den Johannisbeerhecken langsam hergewandelt. Nun, wollt ihr hier über Nacht bleiben? sagte er. – Wo bist denn du umhergeschlichen? Fragte sie. – Ich sass da drunten,