1776_Miller_071_8.txt

gar nicht vorgestellt.

Nun kam der Torwart des Klosters, und fragte, ob sie in das Conversatorium kommen wollten? die Paters waren alle schon da versammelt, und hatten ihre Vigilien schon gesungen. Sie besprachen sich über den jungen Siegwart, den sie gern bei sich im Kloster gehabt hätten, und redeten dem Pater Anton zu, weil er doch soviel über den Herrn Amtmann vermöge, dass er ihm ja recht anliegen sollte, seinen Sohn der Kirche und dem Kloster zu schenken!

Indem trat der Vater mit dem Sohn herein. Sie eilten dem ersten mit offnem Arm entgegen, und empfiengen ihn, einer nach dem andern. Dem jungen Siegwart drükten sie treuherzig die Hand, und nannten ihn ihren jungen Bruder. Das gefiel dem Jüngling. –

Morgen sollt er hier sein! sagte der Guardian. Wir haben Festtag, da wirds ihm gefallen!

Ja, ich bleibe hier, rief der enzükte junge Siegwart, der Papa hats schon gesagt.

Gemach, mein Sohn, sprach der Vater; du must erst von den Ehrwürdigen Herren die Erlaubnis dazu haben.

O recht gerne, sagte Pater Gregor, der dabei stand, und wandte sich zu den übrigen: der junge Herr möchte etwas bei uns bleiben. Sie erlaubens doch?

Warum nicht? riefen alle. Herr Amtmann, sagte einer, Sie müssen Ihren Sohn ja der Kirche schenken! Er hat recht einen göttlichen Beruf dazu. Wir sahens ihm schon gestern an, und sprachen noch heute viel davon. Er wird ihnen Freude, und dem Orden Ehre machen. Wir glaubten schon, Ihren Karl zu kriegen; aber Xaver taugt noch mehr dazu. Lassen Sie ihn so lange bei uns, als Sie wollen; Er soll gewiss gut aufgehoben sein.

Das bin ich überzeugt, sprach der alte Siegwart; wenn Sie so erlauben wollen, so lasse ich ihn etliche Tage hier; er bat mich heute darum. Es scheint, dass er recht viele Lust zum Kloster hat, und wenn es Gottes Wille wäre, so bin ichs auch recht wohl zufrieden. Ich sollte auch einmal ins Kloster, und vielleicht wär' mir es besser gegangen, als so. Doch ich bin jetzt auch zufrieden. Wollen Sie erlauben, so schick ich heute statt des Kostgelds etwas Wein und Korn. In ein paar Tagen hol ich meinen Sohn dann wieder ab.

Sie müssen aber heute doch erst bei uns zu Mittage essen, sagte Gregor, und das Kloster ein bischen besehen.

Er und Anton gingen nun mit den beiden Siegwarts auf die Bibliotek, wo sie Bücher mit den schönsten Kupfern sahen. Dann besahen sie die herrlichen mit Perlen und Gold gestickten Messgewande, deren Anblick das Auge des jungen Siegwarts fast verblendete; die goldnen, mit Steinen besetzten Kelche; Silberne und vergoldete Bildnisse von Aposteln und Heiligen. In der Kirche schimmerten die goldbedeckten Altäre im Stral der Morgensonne. An den Wänden hiengen herrliche Gemälde von Heiligen, und Kapuzinern, die als Märtyrer gestorben sind. Besonders rührte ein Gemälde den jungen Siegwart bis zu Tränen. Viele Kapuziner hiengen todtblass, aber doch mit einer inneren Heiterkeit, und einem halbgebrochnen, mühsam zum Himmel empor gehobnen Auge, an Kreuzen. über ihnen schwebten, in halberleuchteten Gewölken, Engel mit Siegerkronen, und Palmzweigen in der Rechten. Auf einer andern Seite wurden welche durch das Schwert hingerichtet. Verschiedne, mit Blut befleckte Rümpfe lagen schon vor ihnen. Auf einem derselben kniete ein alter silberhaarichter Kapuziner, der eben hingerichtet werden sollte, mit dem Kruzifix in der Hand. Auf dem Vordergrunde wurden andre an einem Turm vorbei geführt, aus dessen festvergitterten Oefnungen abgehärmte Gesichter heraussahen, die sich eben einen solchen Tod mit sehnsucht zu wünschen schienen; besonders rührte unsern Siegwart das Gesicht eines Jünglings, der ihn mit Tränen anzusehen schien.

Das waren alle unsre Brüder, sagte Anton, die als Missionarien nach tausendfachen Leiden der Märtyrerkrone sind teilhaftig geworden. Wir werden sie einst alle wieder bei Gott antreffen, wenn wir, wie sie, willig Armut, und, wenn es sein soll, auch Verfolgung tragen.

Mit diesen Worten sah er den jungen Siegwart an, der den ganzen Ausdruck dieses Blickes fühlte.

Nun kamen sie im Hof an ein kleines steinernes Häuschen, das ans Kloster angebaut war. Gregor machte das Türchen auf, und ein Haufen Krücken und Stäbe lag da über einander getürmt.

Das sind Zeugen von den Kuren, sagte Gregor, welche mit Gottes hülfe durch unser Gebet, und die Kraft unsers wundertätigen Marienbildes, das Sie in der Kirche gesehen haben, hier im Kloster verrichtet worden sind. Krüppel und Lahme kamen an ihren Krücken, und auf Wagen zu uns. Gesund und frisch konnten sie in ihre Häuser zurückgehen, und liessen zum Andenken ihrer Heilung ihre Krücken und Stäbe hier. So tun wir Gutes, was wir können, an Leib und Seele.

Der junge Siegwart betrachtete diese Stützen der Elenden, die sie nun nicht mehr bedurften, mit einer heiligen Ehrfurcht; und noch mehr die Väter, denen er in seiner frommen Einsalt solche Wunderkräfte zutraute. Er glaubte nun, er müsse ein Mönch werden, und brannte vor Begierde, es schon jetzt zu sein. Seine ganze Seele war von einem Taumel ergriffen, der ihn nichts hören, und nichts sehen liess, als nur das Kloster. Die ganze andre Welt war ihm nun verhast, und öde. Er betrachtete sie als den Wohnplatz abgeschiedner, bedaurenswürdiger Seelen; und hätte in diesem Augenblicke den gehast, der ihn wieder aus seinem