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Sie zuweilen zu sich; so alle halbe Jahr einmal? Ich lass auch zuweilen den P. Philipp und P. Johann zu mir kommen; und auch meine Schwester.

Terese. Das versteht sich, Ihre Schwester, und mein Bruder müssen ganz zu uns kommen. Nicht wahr, Xaver?

Xaver. Ja freilich; wenn ich darf, so bin ich immer bei euch, und wohne gar in deiner Zelle. Ihr müsst euch aber doch auch als treue Nachbarsleute fleissig besuchen.

Terese. Zuweilen, so des Abends; aber nicht gar oft. Denn ich weis, Herr von Kronhelm und ich kommen nicht gut miteinander aus. Er hat so seine eignen Grillen, und ich die meinen. Nicht wahr, Herr von Kronhelm?

Kronhelm. Richtig, Jungfer Terese; des Zankens würde da kein Ende werden. Aber nah zusammen, denke ich, wollen wir doch bauen. Wenn wir schon uneins miteinander werden und uns saure Minen zumachen, so können doch wieder zeiten kommen, da wir gern einen Abend miteinander durchplauderten, zumal an den langen Winterabenden. Freilich wird da keins dem andern nachgeben wollen; aber ich dächte, Xaver und meine Schwester könnten da so eine Art von Friedensstiftern abgeben. Sie erkundigten sich beieinander, was wir machten? Ob einem von uns etwas fehle, weil wir so lang nicht zusammen gekommen seien? Man liesse dann einander entfernt grüssen. Ich ging einmal von ungefähr bei ihrer Einsiedelei vorbei; brächte Ihnen ein Kaninchen, das sich verlaufen hätte; tät aber übrigens ganz kalt; sähe Sie nur seitwärts an, bis endlich ein Wort das andre gäbe.

Terese. Gut! So würde ichs auch machen. Ich stellte mich, als ob ich Ihre Schwester besuchen wollte. Mit Ihnen spräch ich anfangs gar nichts, das versteht sich. Oder ich ging bei Ihrer Hütte vorbei; säh sorgfältig auf die Erde, als ob ich etwas verloren hätte. Sie fragten mich vielleicht, oder hülfen mir aus Höflichkeit wohl gar suchen. Das würde mich dann rühren, und so würden wir wieder gute Freunde, bis ein neuer Zank anginge.

Xaver. Herrlich! Herrlich! Und ich bau eine Laube auf die Höhe dort, wo wir Abends gemeinschaftlich sitzen, und pflanze Buchen und Linden drum herum; und dann lesen wir im Klopstock und im Kleist. Die andern Bücher werfen wir, bis auf etliche, ins Feuer. Auch einen kleinen Altar von Rasen richt' ich auf und da halten wir Morgens und des Sonntags Gottesdienst dabei! Ich will Priester sein! Pater Anton soll auch zu uns kommen, wenn er noch lebt! Auch etlich andre redliche Leute! Wir selber gehen nie in die Welt; da haben wir einen Boten, der uns das Nötigste herausholt. O, es soll herrlich werden!

So träumten sie fort, und bildeten den Traum immer mehr aus, bis sie an des alten Pfarrers wohnung kamen. Siegwarten brachte seine lebhafte Einbildungskraft so weit, das er alles für Ernst, und nicht mehr für einen Traum hielt. Die ganze Sache schien ihm zum Ausführen sehr leicht zu sein, und er dachte immer hin und her, das Ideal noch vollkommener zu machen. Er ward beinahe böse, wenn er sah, dass Kronhelm und seine Schwester zuweilen noch Scherz mit einmischten.

Der Prediger, der sie schon im Hof unten hatte sprechen hören, kam ihnen an der Tür entgegen, und bewillkommte sie. Er machte Teresen Vorwürfe, dass sie ihn so lange nicht besucht habe. Sie entschuldigte sich mit der Hochzeit ihres Bruders und mit andern Geschäften. Von Siegwart sagte er: Er sei so gewachsen, und habe sich so verändert, dass er ihn beinahe nicht mehr kenne. Kronhelms Mutter erinnerte er sich, recht wohl gekannt zu haben, weil er damals in der Nachbarschaft von ihrem Landgut Pfarrer war. Ich bin oft bei ihr gewesen, sagte er; Es war eine gar trefliche Frau. Damals, Junker, waren Sie noch klein; ich kann mir es wohl noch vorstellen, wie Sie in einem grünen Husarenwamms auf dem Steckenpferd herumritten. Nicht wahr, Fritz heissen Sie? – Ja, ja, Sie kamen einmal ins Zimmer, und wollten ein Stück Brod von der Mama haben; es sei ein Bettelbub draussen, der sei hungrig. Das hat mir wohlgefallen an so einem jungen Herrn. Aber von der seligen Frau konnten Sies auch nicht anders lernen; sie war eine grosse Wohltäterinn der Armut. Wenn ich in meinem Dorf Kranke hatte, so ging ich nur zu ihr; da gab sie mir guten Rat, und Hausmittelchen. Ich hab auch manch schönes Buch aus der Medicin von ihr gelesen; und das bischen, was ich von der Arzneikunst weiss, hab ich ihr zu verdanken. Gott weiss, ich hab sie schon oft noch im Grab gesegnet. Es freut mich herzlich, dass ich da so einen frommen wolgeratnen Sohn von ihr sehe. Wie würde' jetzt die gute Frau sich drüber freuen! Sie hatte wenig Freud' auf der Welt; doch jetzt ist sie längst getröstet! – Der Pfarrer liess Kaffee machen. Indess kam ein kleines artiges Mädchen von sieben Jahren herein. Das ist meines Bruders Tochter von Burgau, sagte er. Die Knaben konnte' ich nicht zu mir nehmen, die sind mir zu wild, und machen mir zu viel Unordnung im Haus. Aber das ist ein stilles artiges Kind, und lernt auch brav. Es versteht schon viel vom Gartenwesen, und weiss