, von einer ihrer Freundinnen, und ihrer alten Mutter geführt, langsam weg; sah sich oft um, und schlug die hände in einander. – Es muss schröcklich sein, sagte Terese, und sah unsern Kronhelm weinend an, einen Bräutigam zu verlieren! Ja, und eine Braut! sagte Kronhelm; nahm sie am Arm, und sie gingen schweigend vom Grab weg. Den ganzen Abend war ihr Herz wehmütig, und dachte der geschichte nach. Sie gingen noch etwas spatzieren; scherzten aber weniger als sonst. Beim Essen sah Terese oft unsern Kronhelm lang und tiefsinnig an. Sein Auge begegnete oft dem Ihrigen, und zog sich erschrocken zurück. Nach Tisch spielte Terese ein paar schwermütige Arien; besonders das feierliche Lied von Graun und Klopstock: Auferstehn, ja auferstehn wirst du! etc. das ihr Herr von Nortern gegeben hatte. Siegwart und Kronhelm, und der alte Amtmann sangens mit. Das sollst du mir einmal auf dem Grab singen lassen, Terese, sagte der alte Siegwart. Es ist ein herrliches Lied, das die ganze Seele fasst, und zum Himmel aufhebt. Lass mir es singen, Tochter, wenn es schon ein Luteraner gemacht hat! Er muss doch ein braver Mann sein, den ich einmal im Himmel anzutreffen hoffe. Gott bewahre, sagte Terese, dass ich das je erleben sollte! Sie, und ihr Bruder, und Kronhelm weinten. Drauf spielten Kronhelm und Siegwart noch ein paar Adagio auf ihren Violinen, die sie mitgebracht hatten. Terese war tiefbewegt; ihr Busen bebte, und ihr Herz schmolz. Sie sah Kronhelm einigemal lang, und mit Bewegung an. Er merkte es, ward nachdenklich, und wünschte zum Erstemal; aber nur ganz dunkel, und im Innersten des Herzens: Möchte mich der Engel lieben!
Auf den folgenden Tag ward ein Besuch beim Prediger in Windenheim festgesetzt. Den Morgen vorher waren sie viel im Garten, wo Terese, weil es wolkigt war, und den Anschein zu einem Regen hatte, Salat pflanzte, den ihr Kronhelm reichte. Er sah hundertmal nach dem Himmel, ob er sich nicht aufheitre? Jedes neuaufsteigende Wölkchen erschröckte ihn. Er fragte Siegwart und Teresen mehr, als zwanzigmal, ob das Wetter wohl gut werden werde? Er tat oft zweifelhaft, und sagte: nun würds gleich zu regnen anfangen. Aber er sagte es nur in der Absicht, dass man ihm wiedersprechen möchte. Terese, die das merkte, gab sich das Ansehen einer grossen Wetterkennerinn; nahm eine zweideutige Mine an, und erschröckte ihn alle Augenblicke mit der Nachricht, dass der Regen vor der Tür sei. Kronhelm jammerte, dass sie nun nicht zum Prediger gehen könnten, und er habe sich doch schon so lange drauf gefreut. Endlich trieb ein schneller Ostwind die Wolken weg, und der Himmel wurde heiter. Mit ihm heiterte sich Kronhelms Gesicht merklich auf. Ja, wenn der Himmel nicht begiessen will, sagte Terese, so müssen Sie mir eben helfen. Und nun schöpften Kronhelm und Siegwart aus dem Brunnen, und begossen den Salat. Kronhelm hatte sich an Teresen so gewöhnt, und fand an ihrem Umgang so viel Wohlgefallen, dass er immer um sie war. Es war ihm nirgends wohl, wo er sie nicht sah. Er lief überall herum, und suchte sie im ganzen Haus auf. Sie war eben so gern um ihn. Wenn sie bei Tisch aus der stube ging, so sah er ihr nach und wandte kein Auge von der Stubentür ab. Wenn sie sich öfnete, und Terese hereintrat, so war es ihm, als ob das Paradies sich öfnete, und ein Engel Gottes hereinträte. Ihre Blicke waren immer zuerst auf ihn gerichtet, und da ward ihm so wohl und so wunderlich zu Mute, dass er es Essen drüber vergass, und die Gabel mit der Speise wieder auf den Teller sinken liess. Dann glaubte er, dass ihms jemand angesehen habe, und ward rot drüber; Terese, die es merkte, wards mit ihm. Beide glaubten nun, so ganz dunkel, dass sie einander nicht gleichgültig seien; aber sie zweifelten doch noch oft daran, denn beiden war die Liebe noch ganz neu.
Den Nachmittag gingen sie nach Windensheim. Auf dem Weg dahin kamen sie durch ein schönes Tannenwäldchen, das mit jungen Eichen von hellgrünem Laub durchmischt war. Zuweilen war es ganz dunkel und schauderlich. Ei, dies Wäldchen will ich mir zueignen, und ein Einsiedler drinn werden, sagte Kronhelm. Da will ich mich ganz von der Welt absondern, und recht still und ruhig leben. Unter den Menschen ist doch nichts anzufangen; Da ist soviel Kultur, Cärimonie und Bosheit; hier soll mich nichts in meiner Einsamkeit stören! – Als ich allenfalls, sagte Terese. Denn glauben Sie, ich soll Ihnen das Wäldchen, und den guten Einfall so allein lassen? Nein, ich lieb auch die Einsamkeit, und will mir auch eine Zelle bauen! Um die Einsiedelei her leg ich ein Gärtchen an; pflanze Kohl, Salat, und Fruchtbäume drum her; halt mir etlich Schäfchen, mach die Reh im Wäldchen zahm, und die Nachtigallen, und die andern Vögel. Ich will ihnen schon brav Futter streuen, dass sie zahm werden müssen. Auch Kaninchen halt ich mir, weisse und rotgesprengte; keinen Menschen aus der Stadt, oder aus dem dorf lass ich zu mir. O, das soll ein herrliches Leben sein!
Kronhelm. Aber doch Ihre Freunde und Verwandte lassen