. Aber sie sang mit dem ganzen herzlichen Anteil, der den Gesang allein angenehm und unterhaltend macht. Drauf trank man, in Gesellschaft des alten Siegwarts den Kaffee. Sie schenkte ihn ein, stopfte die Pfeifen, und zündete sie selbst an. Man sprach von ernstaften, oder lustigen Sachen. Nach einer Stunde ging der alte Siegwart wieder an seine Geschäfte. Drauf kam das Gespräch auf Klopstock. Sie sprachen alle mit einer Art von Begeisterung von ihm, und brachen in sein Lob aus. Terese hatte grosse Stellen aus dem Messias und aus Kleist, die ihr vorzüglich gefielen, und die auch in der Tat die besten waren, abgeschrieben. Kronhelm las sie vor; ihre Empfindungen waren fast immer dieselben, und oft riefen sie zu gleicher Zeit vor Bewunderung aus, wenn eine Stelle sie vorzüglich rührte. Sie verrichtete dazwischen ihre häuslichen Geschäfte, und ging in dem Zimmer aus und ein. Nach dem Essen gingen Kronhelm, Tersse, und Siegwart miteinander spatzieren, um die schöne Gegend zu besehen. Kronhelm führte Teresen. Sie gingen durch ein schönes Tal, wo ein kleiner Bach sich durchschlängelte. Kronhelm erzälte viel von seiner Mutter, von seinem Bruder, und von seinen Schwestern; besonders von der ältern in München. Terese nahm an allem vielen Anteil; vornemlich gefiel ihr die Schilderung von Kromhelms älterer Schwester, und sie fühlte eine ausserordentliche Zuneigung gegen sie. Terese liebte die Vergissmeinnichtchen sehr. Unten am Bach, dessen Ufer ziemlich hoch war, sah sie welche stehen. Ei die herrliche Vergissmeinnichtchen! sagte sie; wenn man die nur kriegen könnte! Kronhelm stieg, ohne weiteres, hinab; aber das lokre Ufer schurrte unter ihm weg; er wollte sich im Fallen noch an einer Brombeerhecke halten; sie riss aus, und er fiel mit der rechten Hand auf einen spitzen abgebrochnen Stab, dass die Hand fast durch und durch gestochen wurde. Terese erhub ein ängstliches Geschrei, und war ausserordentlich besorgt. Kronhelm pflückte die Vergissmeinnicht ab; stieg herauf; gab sie ihr mit den Worten: Vergiss mein nicht! und machte sich aus seiner Wunde gar nichts. Aber Terese war recht ängstlich drob besorgt, und sagte: sie sei ursache an dem Unglück; sie müsse sich Vorwürfe drüber machen, und er werde ihr nun böse werden. Kronhelm versicherte das Gegenteil, und sagte: Es sei ihm recht angenehm, dass er so ein schönes Andenken an sie, und an diesen Tag habe, denn hoffentlich werde die Wunde eine kleine Narbe zurücklassen. Sie gab ihm ihr Schnupftuch, er wickelte es um die Hand, und war über den zärtlichen Anteil recht sehr erfreut, den sie bei dieser gelegenheit an seinem Schicksal zeigte. Der ganze Nachmittag ging ihnen unter Scherz, und angenehmen Gesprächen hin. Als sie nach Haus kamen, liess Terese gleich den Bader kommen, um Kronhelms Hand zu verbinden; nachher verband sie sie ihm immer selber. Sie assen den Abend in der Laube, und sassen bis spät in die Nacht hinein zusammen. Den dritten Morgen lasen sie immer im Klopstock, besonders die geschichte von Semida und Cidli. Kronhelm las sie mit solcher Rührung, dass Teresen die Tränen dabei in den Augen standen. Die Gleichheit ihrer Gesinnungen entdeckte sich immer mehr, und erstreckte sich auf die kleinsten Umstände. Den Nachmittag sollte ein junger Bauerkerl begraben werden. Terese, ihr Bruder und Kronhelm wollten das Begräbnis mit ansehen. Sie gingen ans Trauerhaus. Der Sarg ward herausgetragen. Der Vater und die Mutter des Verstorbenen, sahen oben mit starrem auf den Sarg gehefteten, troknen blick aus dem Fenster. Das ist was fürchterliches, sagte Siegwart, wenn man so all seinen Trost, all seine hoffnung, sein Alles, in einem engen Sarge wegtragen sehen muss! Wenn die Freude des Hauses weggetragen wird, um ewig nicht mehr zurückzukehren! Als man mit dem Sarg um die Ecke hinumging, erhub die Mutter ein lautes Geschrei; schlug die hände überm Kopf zusammen. Der Vater stand stumm, und unbeweglich da. Auf dem Kirchhofe, als der Sarg eben ins Grab hinabgelassen wurde, sprang ein Baurenmädchen, schwarz gekleidet, und mit bleichen Wangen herzu; drang sich durch die Leute bis ans Grab, und rief: Wilhelm! Um Gottes willen, Wilhelm! bist du ewig für mich hin? Soll ich dich verlassen, Herzensbräutigam? Hörst du deine Anne nicht mehr? Wilhelm? Hörst sie nicht mehr? Ach du guter Gott! Warst so ein frommer, rechtschaffener Kerl! Mein Einziges! Mein Alles! Wilhelm! Nur noch Einmal möchte ich dich sehen! Nur noch einmal sprechen hören! Ach, da graben sie dich ein! Wenn sie mich nur auch begrüben! Warst ein frommer Junge! Still und gottesfürchtig! Warst der schönst im Dorf, und bist nun tot! Warst so arbeitsam! Und so freundlich, wenn du mich am Arm hattest! Gelt, nun hab ich keinen Bräutigam! Bin allein auf der Welt! Ein' arme verlassne Dirne! Wilhelm, Wilhelm! Wenn du mich doch auch mitgenommen hättest! – Jesus! Maria! und Joseph! – und nun sank sie ohnmächtig neben 's Grab hin. – Man brachte sie nach langer Mühe wieder zu sich selbst. Indess hatte man ein schwarzes hölzernes Kreutz auf dem Grab aufgerichtet, und einen Kranz von buches dran gehängt, mit Flittern. Sie hieng ein rosenrotes Band dran; da, Wilhelm! 's ist von dir! Ruh wohl! – Und nun ging sie