. Es ward ihnen eine Kutsche geschikt, um sie abzuholen. Sie kehrten unterwegs in dem wirtshaus ein, wo Siegwart ehemals den Streit über die Wildschützen mit angehört hatte. Diesmal war niemand da, als eine alle Zigeunerinn, die unsers Jünglingen mit Gewalt wahrsagen wollte. Sie weigerten sich eine Zeitlang; aber, als sie nicht nachliess, hielt endlich Kronhelm seine Hand hin. Ei, Ei, Junker, lauter Glück, lauter grosses Glück! rief die Frau. Viel Geld dass mans in Scheffeln messen muss! Langes Leben und Gesundheit! Hohe Ehr, und vor allem andern eine hübsche runde Frau! O, ein allerliebstes Mädel! und ein Dutzend Kinder hinter drein! – Ach, wie allerliebst! Siehst du, Junker, was du für ein Glückskind bist! Kannst mich auch dafür bezahlen! – Nun muste ihr auch Siegwart die Hand hinreichen. Ich wollt dir gern auch Gutes prophezeihen, Junker, aber die Lineamenten wollens nicht erlauben. Ei, Ei, Ei! Schmerz und Jammer! Angst und Leiden! Eine Braut und keine Hochzeit! Gesundheit und ein frühes Grab! Fass Mut, Junker, denn du brauchst viel! Armer Junker daurst mich, denn du bist ein gutes Kind. Aber sieh, dass ich unparteiisch bin, und rede, was wahr ist. Darfst mir nichts geben, denn ich hab dir Unglück prophezeiht. Fass Mut, du brauchst viel! Unsre Jünglinge achteten der Reden des alten Weibes wenig, und fuhren wieder weiter. Eine Stunde noch vom dorf kam ihnen Terese in einem schneeweissen Gewand mit himmelblauen Schleifen, und einem schwarzen Sommerhut entgegen. Siegwart sah sie kaum, so sprang er aus dem Wagen auf sie zu, und sank ihr, ohne ein Wort zu sprechen, in den Arm. Das gute Mädchen weinte vor Freuden, und drückte ihrem Bruder einen heissen Kuss voll schwesterlicher Liebe auf den Mund. Ach, mein lieber Xaver, hab ich dich denn wieder? O du Herzensbruder, diese Freude hab ich mir so lange schon gewünscht! – Nun kam der Wagen näher, Kronhelm sprang heraus. Sie empfieng ihn mir einer Freudigkeit, und mit einem Lächeln, das seine ganze Seele durchdrang. Ihr Betragen war natürlich, ungezwungen, munter, und doch nichts weniger, als frei. Sie unterhielt durch ihre Lebhaftigkeit ihn und ihren Bruder, und wüste ihre Aufmerksamkeit auf beide aufs geschickteste zu teilen. Beinahe hab ich mir Ihr Aussehen so vorgestellt, Herr von Kronhelm! sagte sie; aber doch nicht völlig. Nun wünsch ich nur, dass Sie bei uns Geduld haben, und sich die Zeit nicht lang werden lassen mögen! Am guten Willen solls nicht fehlen, Sie zu unterhalten, aber ob wir auch die Kräfte haben? Doch ich weis, Sie nehmen auch mit dem guten Willen vorlieb, haben Sies doch bei meinen Briefen getan. Dann fragte sie nach dem P. Philipp, und nach andern Dingen. Ihren Bruder betrachtete sie unaufhörlich, oft zitterte ihr eine Trän ins Auge, und dann lachte sie, wann er sie ansah. Kronhelm tat erst etwas ängstlich, und schwieg; denn er war überhaupt bei Frauenzimmern etwas furchtsam. Aber ihr offenes und ungezwungenes Betragen machte ihn sehr bald gesprächiger.
Sie kamen nun ans Haus des alten Siegwart. Er ging ihnen mit Freuden entgegen; drückte seinem Sohn die Hand, und bewillkommte Kronhelm aufs freundschaftlichste. Weil der Tag sehr schön war, so ass man im Garten in der Sommerlaube, zwischen Blumen, die alle Teresens Hand gepflanzt hatte. Karl ass mit seiner neuen Frau diessmal auch mit, und betrug sich gegen Kronhelm und seinen Bruder ziemlich artig. Aber seine Frau war verdriesslich, und stolz, und sprach wenig. Wilhelm war noch der alte Träumer, der sich immer gleich blieb. Der alte Siegwart war recht herzlich froh; erzälte Geschichten aus seiner Jugend, und liess sich von den jungen Leuten wieder welche erzälen. Wenn Terese vom Tisch weg, ins Haus ging, so sagte er viel zu ihrem Vorteil, und lobte sie, dass sie sich seiner, und des Hauswesens so treulich annehme. Nach Tische waren unsre drei jungen Leute allein im Garten, schüttelten Birn und frühe Aepfel. Siegwart stieg auf die Bäume; und Terese und Kronhelm sammelten das Obst auf. Das Mädchen war sehr munter; machte viel Spas; und Kronhelm, der sonst stiller und ernstafter war, machte unvermerkt auch mit. Sie sprachen beide viel in dem vertraulichen und angenehmen Ton der Ironie, der den Deutschen so gewöhnlich ist. Des Abends half er ihr die Blumen begiessen, holte das wasser aus dem Schöpfbrunnen, und war der Gärtner, und sie seine Gärtnerinn. Dann nahm man wieder ein kleines, ländliches Maal ein, setzte sich in die Laube oder vor das Haus, und brachte so den Abend bis elf Uhr, oder zwölf Uhr unter freundschaftlichen Gesprächen hin. Den zweiten Morgen hörte Kronhelm ihre stimme früh im Haus, und wachte dran auf, ob ihn gleich sonst kein Geräusch so leicht weckte. Sie spielte in dem, an die kammer stossenden Zimmer das Klavier, und sang dazu. Er rief ihr sogleich einen guten Morgen; sie erschrack, und er trat ins Zimmer. Er bat sie, noch ein paar Arien zu spielen und zu singen; sie tat es sogleich, ohne das viele vorhergehende, dem weiblichen Geschlecht sonst so eigene Gezier. Ihre stimme war rein und natürlich, ob sie gleich eben nicht sehr nach der Kunst sang