so wunderlich.
Nun, wovon denn?
Je, vom Kloster, und dergleichen.
Ja, das hab ich mir eingebildet, und deswegen kam ich auch herüber. Du warst gestern auf eine ausnehmende Art bewegt; ich gab immer auf dich achtung, aber ich wollte nichts davon sagen. Es schienen mancherlei sonderbare Veränderungen in dir vorzugehen. Heute muss ich nun aufrichtig mit dir reden. Der Pater Anton lag mir schon lange an, dass ich dich ins Kloster tun sollte. Ich hatte wenig Lust, weil ich deine Munterkeit kannte, die sich nicht fürs Kloster schickt; und deswegen hab ich dich auch nie mitnehmen wollen. Nun ist es einmal geschehen, weil du mir keine Ruhe liessest. Du sagtest gestern dem Pater Anton, dass du Lust zum Klosterleben hättest. Er fing das auf, und sagte es gleich vor den andern Mönchen. Diese freuen sich nun immer, wenn sie neue Ankömmlinge bekommen können. Sie werden heute gleich wieder davon anfangen, und darum wollt ich erst mit dir davon reden. Du sagst, es habe dir vom Kloster geträumt; was war es denn?
Ich war in der Kirche, sagte Xaver, wo die Kapuziner alle um mich herum stunden. Ich sollte zum Altar hin gehen; und da war mir es, als ob Engel herabkämen, und als ob die selige Mama mit der Mutter Gottes käme, und mir winkte, dass ich hingehen sollte. Ich wachte dann wieder auf, und konnte nicht mehr einschlafen.
Das ist sonderbar, sagte der alte Siegwart, und ging auf und nieder. Es hatte ihm was ähnliches von seiner Frau geträumt, weil er sich an Pater Josephs grab allein mit dem Gedanken an sie beschäftigt hatte. – Xaver, ist es dir denn Ernst mit dem Kloster?
O ja, Papa; wenn Sie es wollen –
Ich will es nicht, mein Sohn; Aber ich will dir auch in deiner Wahl nicht vorgreifen; ich weiss, dass du jetzt dafür bist; aber du must alles wohl überlegen; wenn man hier einmal gewählt hat, dann ist die Neue zu spät. Ich wünschte schon zuweilen, dass einer meiner Söhne ein Geistlicher werden möchte; mit Karl und Wilhelm geht es nicht mehr an; die haben ihre Versorgung; aber wegen deiner war ich immer zweifelhaft. Mit dem Klosterleben ist es so eine Sache; bald gefällt es mir, bald wieder nicht, und die wenigsten schicken sich dazu. Gestern Abend hat mich nun Pater Anton wieder ganz dafür eingenommen. Er ist ein guter frommer Mann, und mein vieljähriger Freund. Wenn du ihm gleich werden könntest, so würde ich Freude an dir erleben. Aber, Xaver, ich glaubte immer, für dich wäre eine so ganz einförmige Lebensart nicht. Du bist zwar oft gern allein; aber zuweilen bist du wieder immer in Gesellschaft. Und dann must du dir das Kloster nicht so vorstellen, wie es dir gestern das erstemal vorgekommen ist! So lange einem etwas neu ist, da gefällt es immer. Vor den Leuten tun die Paters immer friedlich, und scheinen, wie die Engel zu leben; aber es mögen wohl, wie ich manchesmal aus des Pater Antons Reden merkte, manche böse Leute unter ihnen sein, die einem das Leben recht sauer machen können. Kurz, ich weiss nicht, ob ich dir dazu raten soll? – Freilich, wenn ich an den Traum denke; denn ich muss dir nur sagen, dass mir eben das geträumt hat.
Eben das geträumt? rief Xaver. O Papa, das ist gewiss nicht umsonst geschehen! Es gefällt mir so gut hier, als mir es noch an keinem Ort gefallen hat. Ich wollte Sie wohl bitten, dass Sie mich hier liessen! – Hier im Kloster bleiben kannst du jetzt noch auf alle Fälle nicht, erwiderte der Vater, denn die Kapuziner unterrichten keine jungen Leute, und dann wüstest du auch noch vorher auf Akademien. Aber dazu wollt' ich dir wohl raten, dass du einige Tage lang hier zurücke bliebest, um die Einrichtung der Lebensart genauer kennen zu lernen. Du must auf alles genau Acht geben, ob die Paters dir gefallen? ob du dich an die beständigen Andachtsübungen; an den Gehorsam; an die strenge Klosterzucht; an die, mehrenteils geringe und schlechte Kost; an das einförmige, stille, von der übrigen Welt abgeschnittne Leben gewöhnen kannst? Ob du dich für stark genug hältst, den Vergnügungen der Welt zu entsagen, und, von ihr ungekannt, nur dir und Gott zu leben? Pater Anton soll dich von allem noch genauer unterrichten, auf ihn kannst du dich verlassen. In vier oder fünf Tagen komm' ich wieder, um deine Meinung zu erfahren; denn nun ist es gerade Zeit, dass du dich zu einer Lebensart entschliessest, welche künftig dein ganzes Leben ausfüllen soll. Ich werde alt, wer weiss wie lange ich noch lebe; und ich wünschte dich so gern vor meinem Ende noch versorgt. Ich dachte, dich zu meinem Bruder dem Forstmeister zu tun, aber der ist nun vor sechs Wochen auch gestorben. Doch ich lasse dir die freie Wahl, und rede dir zu nichts zu, um nachher keine Vorwürfe zu haben. Willst du so, mein Sohn?
O ja, Papa; Sie sind auch gar zu gütig. Lassen sie mich nur hier! Ich hoffe, dass es mir recht wohl gefallen soll; denn so schön hätt' ich mir das Klosterleben