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dass die Schule künftige Woche wieder anfange, und dann müssen wir übermorgen, oder höchstens in drei Tagen wieder in die Stadt.

Siegwart war es sehr zufrieden; denn seit der Misshandlung der Baurenfrau gefiel es ihm auch bei dem Junker Veit gar nicht mehr. Sie beschlossen, es ihm morgen zu sagen, und legten sich, nachdem sie noch etwas auf der Violine gespielt hatten, zu Bette.

Junker Veit befand sich den andern Morgen, wegen seines Zipperleins, sehr übel; er muste sich zu Bette halten, und liess seinen Sohn und Siegwart zu sich kommen. Seht ihr, was ich für ein Hundsfotr bin? sagte er. Da lieg ich, wie eine alte Hirschkuh, und kann mich vor Schmerzen nicht rühren, und nicht wenden! Ja, wenn man in der Jugend alles so bedächte, da hätt ich freilich manches unterlassen können. Aber, Sakerkot! wer wird da immer an d' Gicht und ans Zipperlein denken? Fritz, ich sag dir, lass doch nicht zu viel mit den Mädels ein! 's nichts g'scheides bei heraus! Sieh! daher kommt mein meistes Elend. Ja, wenn ich deiner Mutter immer g'folgt wär! Aber die nahm halt vieles auch gar zu genau! Stopf mir einmal meine Pfeif! Vielleicht hilfts Rauchen für die Schmerzen; wenigstens vergisst mans drüber. – Siegwart, du siehst ja ganz trübselig aus! Hast Mitleid mit mir? Guter Jung! Aber glaube mir, ich verdiens auch; denn das Zipperlein brennt gar infam! – Ich wollt gern ein paar Messen lesen lassen, wenn es nur hülfe! Aber schaden kanns doch auch nicht. Lass dem Pfarrer sagen, Fritz, er möchte für mich beten; aber eifrig! Hasts ghört? Zuweilen, Siegwart, kann man die pfaffen schon brauchen, wenn Not an Mann geht. – Nun, Fritz, ist es bestellt? – Ich sag euch, Jungens, keine Stunde reut mich, die ich auf der Jagd zubracht hab, denn da wird man frisch und munter, wie ein Rehbock; aber das andere Zeugs hätt ich freilich können bleiben lassen. Nun, nun, was geschehen ist, läst sich nicht mehr ändern! wenn es nur nicht gar zu lang anhält; denn diessmal hat michs recht niederg'worfen heute müst ihr schon zu Haus Geduld haben! Morgen können wir vielleicht wieder 'naus, wenn es besser wird! – Verzeihen Sie, Papa, sagte Kronhelm, auf den Montag gehen unsre Schulstunden wieder an, und da werden wir wohl übermorgen reisen müssen. Was? schrie Junker Veit, schon wieder fort? Und seid kaum herausgekommen? Sapperment! Erst zweimal sind wir auf der Jagd gewesen, und ich wollt euch noch in allen meinen Forsten rumführen! Nein, das geht nicht an! Seht, jetzt wollt ihr mich verlassen, da ich wie ein Krüppel da liege, und mir nicht zu helfen weiss. Nein, bei meiner Seel! ihr müst noch bleiben! Siegwart sagte, dass es schlechterdings nicht angehe; Sie würden bei ihren Professoren in Ungelegenheit darüber kommen, und beständig Vorwürfe deswegen hören müssen. Ja so gehts bei den Blitzpfaffen; sagte Veit; da ist das ewige Kommandiren und Einsperren! Da werden die besten Leute durch verdorben, und zu Dummköpfen gemacht, die nicht wissen, ob die Welt grün oder gelb aussieht? Mit der einfältigen Gelehrsamkeit! Ich hab in meinem Leben nie gehört, dass ein Gelehrter 'n guten Soldaten, oder Jäger abgeben hab. Da müst ihr nun wieder in euer Klaus 'nein, und bei den dummen Büchern schwitzen! Ja, da wär ich ein Narr! Da ist mir Gott's freie Luft lieber! Könnt ich nur jetzt drinn sein! – Er klagte noch so eine ziemliche Zeit fort, und erzälte dann wieder von seinem Soldatenstand, und von seinen Jägertaten. Endlich nahmen seine Schmerzen etwas ab, und er liess sich aus dem Bette heben. Bei Tisch wurde er wieder ganz munter, und mit den Schmerzen verliessen ihn auch seine ernstaften Gedanken wieder. über Tisch liess sich der Pfarrer aus dem dorf melden. Hah, hah! sagte Veit, der riecht den Braten; Nun, last ihn nur kommen! Er wird wieder durstig sein, und da weiss er, dass er am ersten etwas kriegt, wenn ich krank bin. S ist sonst ein guter Narr, mit dem man wohl 'n Spas haben kann. –

Der Pfarrer kam, und schlich sich demütig in die stube herein. – Willkomm, Herr Pfarr! schrie Veit; Nur frisch hereingegangen! 'S ist schon wieder besser.

Pfarrer. Ich bedaure, gnädiger Herr! Ich hab gehört, dass Sie wieder nicht recht

Veit. Ja, ja! 'S ist schon gut, sag ich. Leg er nur den Hut ab, und setz er sich hieher! Wie stehts denn, Alter? Was macht seine Köchinn? Braucht er bald wieder eine neue?

Pfarrer. Ich bitte um Vergebung, Ihr Gnaden! Warum sollt ich eine neue brauchen?

Veit. Je nun, das hat so seine Ursachen. Man kennt euch Leute schon! Tu er nur nicht so sittsam, als ob er alle Heiligkeit allein gepachtet hätte! Vor den Leuten da darf er sich nicht scheuen, die kennen seine Umstände schon. Das ist mein Sohn, und der andre ist ein guter Freund von ihm. Was giebts denn Neues