sein muss, gnädiges fräulein!
Regina. Recht glücklich? Weiter nichts? Warum so kalt, Herr von Kronhelm? Sind Sie immer so?
Kronhelm. Immer so, gnädiges fräulein! Kalt zwar nicht. – Doch, wenn Sies so zu nennen belieben –?
Regina. Nun, was ist es denn? – Sagen Sie mir einmal: möchten Sie nicht der Eine teil des glücklichen Paars sein?
Kronhelm. O ja, gnädges fräulein.
Regina. O ja, O ja! Und immer kälter! Ihr Gesicht muss ziemlich trügen. Es verspricht so viel Empfindung; so viel schwärmerisches! Und ich liebe das Schwärmerische so.
Kronhelm. So tut mir es Leid, dass mein Gesicht trügt! Denn ich möchte Ihnen nicht missfallen.
Regina. Missfallen! Wer spricht auch gleich davon? Aber, Kronhelm! Sie sollten mehr wünschen, als mir nur nicht zu missfallen! – Verzeihen Sie, ich hab schon zuviel geredt; Ich bin eben ein Landmädchen; und die verstehen freilich so das Feine nicht.
Kronhelm. Ich verstehe Sie nicht, gnädiges fräulein!
Regina. Nicht? nun so kann ich nicht dafür. – So bedauren Sie mich!
Und nun ging sie weg, und weinte. Siegwart stand ganz betroffen da, und sah Kronhelm an. Er wuste sich in sein Betragen schlechterdings nicht zu finden. Das fräulein bückte sich; brach ein paar Tausendschönchen ab; hielt sie fest zusammen, sah sie staar an, und zerriss sie dann plötzlich. Kronhelm ging allein einen gang hinauf, Siegwart stand da, und wuste nicht, ob er gehen, oder bleiben sollte? Endlich kam Regine wieder zu ihm, sprach mit ihm von seiner Schwester; und vom Kloster, dass es da so traurig sei; überhaupt, sagte sie, sind wir Mädchen die elendesten geschöpf auf Gottes Erdboden! Alles neckt an uns; alles nimmt man uns übel, was den Männern hundertmal erlaubt ist! Siegwart wuste nichts zu antworten. Kronhelm kam wieder. Sind sie böse, Herr von Kronhelm? sagte Regine. Verzeihen Sie! Ich war vorhin viel zu heftig; das ist so mein Temperamentsfehler. Meine Mutter war auch so.
Kronhelm. Sie sind ungerecht gegen sich, fräulein! Warum sollt ich Ihnen böse sein?
Regina. Je nun! Lassen Sies gut sein! Wir haben uns missverstanden. – Sagen Sie mir doch, werden Sie noch lang hier bleiben? Werden Sie mich noch einmal besuchen?
Kronhelm. über ein paar Tage bleiben wir nicht mehr hier, die Ferien gehen bald zu Ende. Ich weiss also nicht, ob ich das Vergnügen haben werde, Sie noch einmal zu sehen?
Regina. Also auch das nicht? Nun, es ist gut! Es gehört noch zum Vorigen. – wenn es Ihnen gefällig ist, so gehen wir wieder zur Gesellschaft. Mein Grosspapa wird ohnedies heute nicht gar lange bleiben können, da ihn das Podagra erst seit gestern früh verlassen hat.
Sie kamen wieder in die Gesellschaft, wo Jobst und Kunigunde sich über Silberling sehr lustig machten. Baron Striebel nahm oft seine Partie, aber immer konnte er es doch nicht, weil Silberling oft gar zu einfältige Antworten gab. Junker Veit war ganz unaufgeräumt, und beklagte sich sehr über sein Zipperlein. Die Gesellschaft ging bald auseinander, und Junker Veit legte sich frühzeitig zu Bette. Siegwart und der junge Kronhelm gingen auf ihr Zimmer. Kronhelm sah es seinem Freund an, dass er etwas auf dem Herzen habe. Endlich fing dieser an: Hör, Kronhelm, dein heutiges Betragen gegen das fräulein Stellmann kommt mir ganz sonderbar vor; ich kann die Kälte, die du annahmst, nicht begreifen; zumal da das fräulein gegen dich nichts weniger, als gleichgültig zu sein scheint.
Kronhelm. Wie? Wenn ich aber gerade deswegen mein Betragen so eingerichtet hätte?
Siegwart. Das ist mir noch unbegreiflicher und rätselhafter. Das fräulein, deucht mir, ist ein vortrefliches Frauenzimmer, das deine Hochachtung und Liebe wohl verdiente.
Kronhelm. Vielleicht. Aber muss Hochachtung und Liebe gleich beisammen stehen?
Siegwart. Das nun eben nicht; aber ich denke, die Liebe kommt bald nach, wenn man von einem Frauenzimmer, für das man schon Hochachtung fühlt, auch noch geliebt wird?
Kronhelm. Nicht immer, Siegwart; und hier trifts gerade nicht ein. Sieh, ich glaube auch, dass mich das fräulein liebt; und eben deswegen nahm ich den kalten Ton an, der mir sonst gar nicht natürlich ist, um ihre leidenschaft mehr zu dämpfen, als anzufachen. Man kann im Umgang mit Mädchen nicht vorsichtig genug sein; jedes Wort muss man abwägen; sie legen gar zu gerne aus, und wir müssen keine Veranlassung dazu geben! Ich ärgere mich doch genug, wenn ich jetzt viele Jünglinge in dem leichtsinnigen und schmeichlerischen Ton mit Mädchen sprechen höre, der jetzt immer allgemeiner wird. Dadurch werden die Leichtgläubigen und eiteln Seelen ganz verdorben; ihre Eitelkeit wird genährt, und sie träumen täglich von Eroberungen und von Siegen. Ich halte jeden für einen Feind des weiblichen Geschlechts, der den Mädchen nichts als Süssigkeiten vorsagt; alles an ihnen bewundert und erhebt; und ihnen unaufhörlich die hände leckt. Die armen Geschöpfe wissen ja nicht, worauf es angesehen ist? und ob mans aufrichtig mit ihnen meint? Sie werden entweder Koquetten, oder misstrauisch und spröde. Ich könnt es nicht über s Herz bringen, einem Mädchen Schmeicheleien zu sagen, oder den Schein zu