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, sehr speciell bekannt zu sein.

Veit. Nun ja! 'S kann wohl sein! Er ist sonst ein guter Kerl; aber, wenn er mit den Büchern kommt, da mag ich ihn nicht anhören. Ich sag immer: Ein Edelmann muss nicht studieren, sonst wird er 'ne alte Hure. – Aber, was ist es? 'S lässt sich nun nicht ändern. Mein Fritz soll ihn einmal erben, und da muss ich seine Grillen schon so gelten lassen. – Sibylla, du bist ja so still! G'fällt dir denn der Herr? Sieh, so gehen sie in München.

Silberling. O verzeihen Sie, gnädges fräulein! Das ist nur so mein Reitabit. Ich muss mich sehr entschuldigen, dass ich so im Negligee vor Ihnen erscheine!

Sibylla. O, es steht Ihnen recht gut. – Ich möchte wohl auch einmal München sehen; es muss da recht lustig sein. Aufs Flühjahr besuch ich meine Schwester. kennen Sie sie auch? Sie heist Baronessin von Eller; ihr Mann ist, glaube ich, am Hof.

Silberling. O ja, ich habe die Gnade, Sie sehr wohl zu kennen. Es ist eine magnifique Dame. Sie gibt wöchentlich Einmal Concert, und zweimal Assemblee. Sie werden Ihr recht willkommen sein, gnädiges fräulein, und in München sehr brilliren.

Sibylle sprach noch viel mit ihm, und setzte ihn durch ihre Lebhaftigkeit, und ihr offenes Wesen oft in die gröste Verlegenheit. Er glaubte aber doch, eine Eroberung bei ihr gemacht zu haben, weil sie sich so viel mit ihm abgab; und ritt ganz vergnügt weg. –

Kronhelm ging noch denselben Abend heimlich nach dem Haus der armen Bauersfrau, die im Turm lag; und gab ihrem Mann die drei Gulden, damit er seine Frau lösen könnte; aber er verbot ihm scharf, niemand ein Wort davon zu sagen, auch nicht einmal ihr, damit nur sein Vater nichts davon erfahren möchte. So gab er vor; aber im grund war die Ursache seines Verbots edler; er wollte unbekannt und im Stillen Gutes tun, weil er überzeugt war, wie wenig fremdes Lob nötig ist, wenn man durch Wohltun glücklich werden will. Anfangs erschrack der Mann, als er den Junker herein treten sah, denn er fürchtete neue Misshandlungen. Seine Kinder waren auch voll Angst, und erhuben ein Geschrei, weil ihnen gleich die Hunde wieder einfielen, bei denen sie den Junker diesen Morgen gesehen hatten. Aber als der Mann die Freundlichkeit des jungen Kronhelms sah, ward er ganz zutätig, und wollt ihn eben um die Freilassung seiner Frau bitten, als ihm Kronhelm das Lösegeld in die Hand drückte. Er wuste nicht, was er sagen sollte, stotterte einige Worte ohne Zusammenhang her, drückte Kronhelms Hand, und küste sie. Ach Herr, das ist gar zu viel! Ich weiss nicht, ob ichs annehmen darf? wenn ichs nur vergelten könnte! Aber Gott vergelts, und die heilige Jungfrau! Sie haben mir auf einmal aus der Not g'holfen. Ich sass eben da, und dachte, wo ich so viel Geld aufbringen sollte? Und meine Frau ist doch in der Haushaltung nötig. Gott vergelts tausendmal! – Du lieber Gott, was das ein Herr ist! Ja, ja, das leibhafte Ebenbild seiner Mutter. Sie ist oft auch bei mir gewesen, Junker, und hat mir in der Stille ausgeholfen; denn d' Nahrung ist jetzt eben gar knapp, und d' Abgaben schwer. – Komm, Mariandel, küss dem Herrn d' Hand! Das ist gar ein braver Herr; Komm Peter! Darfst dir nicht angst sein lassen! Der Herr tut dir nichts. – Mariane kam ganz schüchtern auf den Zehen hergeschlichen, gab Kronhelm die Hand, und wischte, mit der Schürze in der andern, sich die Augen. Kronhelm gab ihr einen Dreibätzner, und dem Jungen auch. Diess wollte der Mann gar nicht annehmen. Ich hab schon gnug, sagte er, wenn nur mein Weib los ist. Von der Hand ins Maul können wir uns schon verdienen. Nehmen's Sie's nur wieder, Junker. 'S ist, weiss Gott! zu viel. – Kronhelm ging hinaus, und wischte sich die Augen.

Als er nach haus kam, war sein Vater schon zu Bette, weil er einige Anfälle vom Podagra hatte. Siegwart sass in Sibyllens und Kunigundens Gesellschaft, und erzälte ihnen allerlei vom Kloster und von Teresen. Sibylle, die viele, aber aufbrausende Empfindung hatte, fiel ihm alle Augenblicke in die Rede, klatschte in die hände, sprang auf, und rief: Das ist vortreflich, das ist herrlich! So ein drei Wochen möchte ich auch im Kloster sein! u.s.w.

Ich keine acht Tage, sagte Kunigund, die von noch aufgeräumterem Gemüt war.

Abends auf dem Schlafzimmer fing Siegwart an: Hör, Kronhelm, die geschichte mit der Bauerfrau ging mir den ganzen Tag nach. Du wirsts wohl an mir gemerkt haben, denn ich sprach desswegen in der Gesellschaft fast kein Wort. Wir müssen der armen Frau warhaftig helfen. Sieh, da hab ich schon drei Gulden in ein Papierchen eingewickelt; wenn wirs ihr nur auf eine gute Art könnten zukommen lassen! Weist du nicht, wie wirs machen? Kronhelm. Du bist ein herrlicher Knabe, Siegwart; hast ein trefliches Gemüt! Sei nur unbesorgt! Ich