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einer der brillantesten. Wir haben göttliche Sänger, und ein Orchester, das in allen vier Weltteilen seines gleichen sucht. Unser gnädigster Churfürst ist selbst Maitre auf der Gambe und spielt bezaubernd.

Veit. Ei, was Musik? Da schier' ich mich einen Teufel drum! Ich kann keine Musik leiden; das Gefiedel und Gewinsel und Gekratz möchte einen rappelköpfisch machen! Ja, wenn es noch 's Historn ist, und mein Liedel drauf: Das Jagen ist mein grösste Lust, das lässt sich noch hören! Aber sonst sag ich Ihnen, als ein guter Freund, alle andre Musik ist pur lautres Nichts.

Silberling. Sie mögen Recht haben! Aber der Gout ist eben sehr verschieden. Mir macht ein Koncert, und besonders eine Oper ein gar göttliches Plaisir. Doch, vergeben Sie! Ich wollte nicht die Impertinence begehen, Ihnen zu widersprechen. – Sie beliebten gestern schon, und auch heute wieder von München zu sprechen. Darf ich mir die Freiheit nehmen Sie zu fragen, wenn Sie da gewesen sind? Und was für Virtuosen sich damals am Hof aufgehalten haben?

Veit. Da gewesen bin ich; Anno acht und dreissig; aber von den Virtuosen weiss ich keinen Pfifferling; da hatte ich mehr zu tun, als mich darum zu bekümmern. sehen Sie, ich war beim Oberjägermeister im haus; das war auch ein Kronhelm, und mein naher Vetter. Ich war auch Officier, und zwar kein so gepuderter Hundsfott, wie die jetzigen sind. Da konnte ich nun alle meine Zeit, die ich vom Dienst frei hatte, im Gehäge zubringen. Das war ein Leben! Da hab ich was rechts gelernt. Jetzt ist es alles nichts mehr; 's wild nimmt ab, und d' Forst werden immer mehr ausgehauen. Z'lezt weiss ich nicht mehr, wo man jagen will? Aber damals waren d' Wälder voll gespickt. Hund und Jäger gabs gnug, und das lauter g'lernte Jäger, und Parforcepferd auch! Nein, solche Tage krieg ich nicht mehr. Der Churfürst war selber ein ausgemachter Waidmann, bei dem man sich durch 'n Schuss, oder durch 'n Fang kommendiren konnte. Wär ich da blieben, jetzt wär ich Obersjägermeister, und da wär alles noch im alten Stand. Aber die lumpichten Franzosen waren Schuld dran, da musst ich mit meiner Compagnie an den Rhein hinunter. Wir waren Tag und Nacht geschoren, und d' Jagd ging drüber in die Rappuse. D' Pfalz wär überhaupt nicht mein Land; in den Weinbergen hats nichts, als Füchse, und am Hof in Mannheim, wo wir einmal im Winterquartier lagen, gilt auch die leidige Musik, so wie jetzt in München. dafür schoss ich brav Soldaten tot, wenn's Feuer anging. Im Grund ist es einerlei, und man könnts auch eine Jagd nennen, wenn's Wildpret, das man jagt, nur nicht wieder schösse. Sie haben mich auch brav kriegt, und ich musste tüchtig schweissen. sehen Sie, da hab ich 'ne Kugel durch den Arm kriegt, und 'n Streifschuss in d' Waden. Es tat, meiner Seel! verteufelt weh, und ich konnte zwei monat lang nicht auf dem Fuss stehen. Aber ich drehte mich hübsch um, und schoss den Kerl auf d' Herzgrub, dass er umsank, wie ein Bock. Zwei monat lang hatte ichs gut, bei meinem Schwährvater seliger, das war ein guter Kamerad, aber als ich seine Tochter auftrieb, und zum Weib nahm, da war es aus; ich ging mit ihr heim, und seitdem hab ich hier schon was ehrliches geschossen.

Silberling. So haben ja Ew. Gnaden recht sonderbare Avanturen gehabt; in der Tat!

Veit. Das glaube ich, man könnt ein ganz Buch von mir schreiben, wenn mans so recht wüsste. Viel hab ich aber auch wieder vergessen. – Potz Element! wir vergessen ja das Trinken ganz drüber. Frisch eingeschenkt, und ang'stossen! Es lebe die Jagd und der Krieg! Das ist so meine G'sundheit Der Seilberg, der kann Ihnen auch noch viel von mir erzählen, wenn Sies wissen wollen.

Silberling. Ja, er hat mir auch schon viel Rühmliches von Ew. Gnaden gesagt. Das ist gar ein unterhaltender und amüsanter Mann, mit dem sichs gut conversirt. Und seine Enkelinn ist une jolie femme. Sie trug mir an Ew. Gnaden und Dero Herrn Sohn Ihr gehorsames Kompliment auf. (Zum jungen Kronhelm) Mon cher, Sie werden doch auch wohl an den Hof gehen? Ich bin versichert, dass Sie da Ihr fortune gewiss machen werden.

Kronhelm. Verzeihen Sie! Ich studire, um mir einmal den Aufentalt auf dem Land angenehm und unterhaltend zu machen.

Silberling. Eh bien! Die Gelehrsamkeit hat auch viele douceurs bei sich.

Veit. Sie mag haben, was sie will! Ich geb doch keinen heller drum. Das ewige Stubenhocken! Da kommt mein Lebtag nichts bei heraus. Ich bin auch ein rechter Kerl, und habs doch übers Lesen nicht 'naus bracht. Aber der Jung will klüger sein, und sein Onkel, der geheime Rat in München auch.

Silberling. Was ist das für ein Mann, wenn es erlaubt ist, Sie zu unterbrechen?

Veit. 'S ist der geheime Rat von Kronhelm, mein leiblicher Bruder.

Silberling. O, dem hab ich die Ehre