zu uns kommen. Kannst du ihm wohl seinen Wunsch versagen?
Ich weiss nicht, sprach der alte Siegwart, ich dachte diesen Abend auch schon einigemal dran; aber mein Xaver taugt nicht für das Kloster; er ist zu munter und zu lebhaft, und hat selbst nie keine Lust dazu gehabt. Er sagt jetzt zwar Ja; aber das ist wohl nur so ein Einfall. Wie ist es Xaver, gefällt dirs wirklich hier? Hättest du wohl Lust, einmal beim Pater Anton zu leben?
O ja, sagte der zu feurige, erhitzte Jüngling; Ich wüste vorher nicht, dass es so gut hier im Kloster wäre.
Nun, wir wollen drüber nachdenken, es ist noch Zeit, sprach der Vater; und sie gingen wieder vom Grab weg. Indessen ging hinter ihnen der fast volle Mond auf, und beschien die hohen Tannenwipfel. Als sie in den langen gang mit der hohen Hecke kamen, sah man oben nah am Kloster ein Paar Kapzuiner wandeln, deren schneeweisses Haar im Mondschein glänzte. Die Nachtigallen schlugen laut, und flogen nicht davon, wenn man dicht bei ihnen stand. Das Mondlicht, das nun den ganzen Garten erhellte, und die Schatten, die das Laub der Büsche machte, hüpften vor ihnen in mannigfaltigem Gemisch dahin; in der Mitte, wo das wasser des Springbrunnens plätscherte, und tausend goldne Sternchen bildete, kamen nach und nach die Mönche aus den verschiednen Gängen zusammen, und stellten sich in einem Kreis um den alten und jungen Siegwart, und den Pater Anton her. Sie sahen im Mondschein noch so heilig und ehrwürdig aus. – Nun, wie gefällts ihm hier im Kloster, junger Herr Amtmann? sagte einer von den Mönchen zu dem jungen Siegwart. O recht gut, fiel ihm Anton ein; er will bald bei uns Profess tun. Schön, schön! riefen alle Mönche. Es gibt doch noch immer Leute, welche Gott von Herzen dienen.
Bleib er bei dem Entschluss, lieber junger Herr! sprach ein alter Mönch, der neben unserm Siegwart stand, und es soll ihn nicht gereuen; wir wollen ihm alle Liebs und Gutes tun.
Es ist noch nicht so gewiss, sagte drauf der alte Siegwart; Pater Anton scherzt nur. Ei warum, lieber Herr Amtmann? sagte P. Gregor. Hätten Sies nicht gerne, wenn Ihr Sohn ein frommer Mann würde? Sie müssen ihm zureden. Glauben Sie; ein frommer Mönch bringt Segen über seine ganze Familie.
Nun gingen sie alle mit dem brüderlichen Kuss auseinander, und jeder wünschte noch besonders dem jungen Siegwart gute Nacht. Die beiden Gäste wurden zum Verwalter vors Kloster hinausgeführt, wo sie schon ein zubereitetes Schlafzimmer fanden. Der alte Siegwart vermied vorsetzlich, mit seinem Sohn von dem, was diesen Abend vorgefallen war, zu reden. Er kannte sein lebhaftes, leicht zu erhitzendes Temperament, und dachte, die Bilder, die sich ihm diesen Abend eingeprägt hatten, würden wieder mit der Nacht verfliegen.
Allein der junge Siegwart, der in einem besonderen Zimmer lag, konnte nicht schlafen; der Gedanke an das Kloster, an die stille Ruhe und glänzende Heiligkeit der Mönche beschäftigte ihn bis um Mitternacht. Er baute tausend Luftschlösser auf; seine dichterische Phantasie malte ihm die Tage vor, die er hier so glücklich zubringen könnte; sie malte ihm das Kloster als einen Himmel auf Erden ab, und er glühte von dem Wunsche, bald ein Einwohner dieses himmels zu werden.
Endlich schlief er ein; er sah im Traum Engel herabsteigen, und ihn zum Altar führen, wo er das Gelübde ablegen sollte. Seine Mutter, die schon gestorben war, winkte ihm an der Seite der Maria, ihnen zu folgen; er hörte eine himmlische Musik, und wachte von der zu heftigen Bewegung seiner Seele auf. Der Tag war schon angebrochen; die Sonne ging auf. Er konnte nicht länger im Bette bleiben, und ging ans Fenster, von da aus er das Kloster und einen teil des Gartens übersehen konnte. Rings ums Kloster herum lagen Fruchtfelder, die, vom Tau benetzt, in frischer Farbe prangten. Ueberall schwebten Lerchen in der Luft, und sangen ihr göttliches Lied auf die neuerwachte Welt herab. Im Klostergarten sangen Rotkehlchen, Aemmerlinge, Nachtigallen und Amseln. Einen Pater sah er schon mit gefalteten Händen, die ein kleines Kreuz hielten, in den Gängen auf und nieder gehen. Dies erweckte seine Andacht, die nie feuriger gewesen war. Lieber Gott! lass mich auch zu so einem frommen Mann werden, seufzet' er, und schwieg wieder.
Rechterhand lag der Gottesacker; und er konnte deutlich das Grab sehen, auf dem sie gestern Abend gestanden hatten. Hier fiel ihm der Pater Joseph ein, und Tränen schossen ihm ins Auge.
Indem trat sein Vater ins Zimmer; er fuhr zusammen, drehte sich um, und suchte seine Tränen zu verbergen.
Wie, mein Sohn, du bist schon auf? und so traurig? ich glaube gar, du hast geweint. Fehlt dir was, Xaver?
Ach nein, Papa, ich sah da auf den Kirchhof, wo wir gestern gewesen sind. Der Pater Joseph muss ein treflicher Mann gewesen sein.
Ja, mein Sohn, das ist er gewesen, und es ist mir lieb, dass dir sein Andenken wert ist. Wie hast du denn diese Nacht geschlafen? Doch recht ruhig?
Nicht so ganz, Papa; Ich hatte allerlei Gedanken durcheinander, und dann ttäumt' ich auch