von sich, sprang dreimal in die Höhe, und umarmte und drückte seinen Sohn. – Um Essenszeit gingen sie nach haus. Auf dem Wege zeigte Veit sein verwildertes Gemüt ganz, und beging eine grausame Tat. Eine arme Bauerfrau aus seinem dorf ging mit ihren zwei Kindern, einem Knaben von vier, und einem Mädchen von sechs Jahren aufs Feld hinaus, um zu kräutern. Einer von den Hunden sprang an die Kinder hin, die erbärmlich zu schreien anfiengen. Die arme Frau schlug zurück, um die Hunde abzuhalten. Veit, der das sah, hetzte nun die andern Hunde auch an sie und ihre Kinder, und es entstand ein grässliches Geschrei. Siegwart, dem das einen Stich durchs Herz gab, und Kronhelm, sprangen hinzu, den Hunden abzuwehren. Die Frau sah sich kaum in Sicherheit, so verwandelte sich ihre gekränkte, mütterliche Zärtlichkeit in Wut; sie fing an zu schimpfen, und schrie: Ist das auch eine Art, mit den Leuten so umzugehen? Pfuy! Ich wollt mich schämen, Kinder anpacken zu lassen! Habs mein Lebtag g'hört. Wenn man d' Kinder schlagen will, so hat man gleich eine Rut. Das sind mir die rechten Juneker! Ihr gönnt einem doch kaum's Schwarz vor'm Nagel, und nun wollt ihr noch die unschuldigen Kinder martern; aber wart, in der Höll da wird man dich auch kriegen! Da werden d' Teufel auch brav an dich hetzen! – Indem legte Veit seine Flinte an, um auf die arme Frau zu schiessen; aber sein Jäger fiel ihm noch von hinten zu in den Arm, und der Schuss ging in die Luft. Er ward ganz rasend, und fing an zu schäumen: Blitz und Donner! Lasst mich los, dass ich sie zertrete, den Hund! Kronhelm und Siegwart sprangen auch herbei, und hielten ihn fest. Das ist schlecht gehandelt, Papa! sagte Kronhelm – Was? du Racker? rief er; willst du mir aus'm Gesicht gehen? Siegwart biss sich auf die Lippen, und dachte bei sich: der Kerl sollte Fürst sein! das wär eine Lust für den Teufel! Als Veit endlich sah, dass er nicht los kommen konnte, stellte er sich geruhiger, und bat, dass man ihn gehen lassen möchte! Kaum war es geschehen, und kaum sah er, dass die Frau mit ihren Kindern sich geflüchtet hatte, so rief er: Tyras, Melack! Fass an, fass an! Frisch! – Die Hunde hielten die Frau wieder fest, und die Kinder hiengen sich an ihre Knie. – Sie soll mir 3 Wochen in Turm, sagte er, oder ich will kein ehrlicher Karl mehr sein! Beim T** sie hat mich ja ausgemacht, wie einen Hundsführer! – Alles Bitten Kronhelms und Siegwarts war vergeblich. Die Frau ward von den beiden Jägern weg, in den Turm geschleppt. Ihre Kinder, die mit hinein wollten, wurden heraus gestossen, und sassen vor der Tür und heulten. Siegwart und Kronhelm brachten durch vieles Bitten, und die rührendsten Vorstellungen nicht mehr zuwege, als dass Veit endlich eine Woche nachliess, und die Frau zu vierzehntägiger Turmstrafe bei wasser und Brod verdammete. Endlich entschloss sich Siegwart, nach langem Kampf bei sich selbst, sich an die Hure des Junkers zu wenden, und bei ihr für die arme Frau zu bitten. Diese tat erst lange spröde, denn es schmeichelte ihr, dass ein hübscher junger Mensch sie bat. Unserm Siegwart tat es in der Seele weh, sich so tief erniedrigen zu müssen; Aber der Gedanke, der unterdrückten Unschuld beizustehen, überwand bei ihm alle andre Vorstellungen. Endlich gab Kunigunde nach, und brachte es bei dem Junker so weit, dass die Gefängnissstrafe der Bäurinn in eine Geldstrafe von drei Gulden verwandelt wurde, mit dem Anhang, sie soll so lang sitzen, bis sie das Geld baar auszahle.
Junker Veit war beim Mittagsessen ganz mismütig, und sprach wenig. Es ging ihm nah, dass sich Siegwart und sein Sohn ihm widersetzt hatten; besonders dass der letztere ihm vorgeworfen hatte, er handle schlecht. Er konnte es auch nicht vergessen, und fing alle Augenblicke wieder an, davon zu reden. Kunigunde, die nun auf Siegwarts und Kronhelms Seite war, und alles über ihn vermochte, besänftigte ihn endlich wieder; und, als ihm nach und nach der Wein zu Kopf stieg, ward er wieder ganz munter und aufgeräumt.
Was willt du denn einmal werden? sagte er zu Siegwart; doch ein Förster bei einem braven Edelmann? nicht? – Nein, antwortete Siegwart; ich will ein Geistlicher werden, ein Kapuziner.
Veit: Ein Kapuziner? Ein Pfaff? Du wirst doch klug sein, Xaver? Gelt, es ist dir nicht Ernst?
Siegwart. Ja, wahrhaftig, gnädiger Herr; Es ist mein ganzer Ernst. Ihr Herr Sohn kanns bezeugen.
Veit. Nun, so bist du ein Narr, und mein Sohn auch! Sapperment! Ich kann die pfaffen für den Tod nicht ausstehen, und nun willst du auch einer werden. Den Einfall hat dir meiner Seel! der bös' Feind eingegeben, anders kann ichs nicht begreifen. Sag, was willt du denn in so einer lausigen Kult machen?
Siegwart. Ein ehrlicher Mann werden, und Gott und der Kirch, und meinem Nebenmenschen dienen.
Veit. Geh mir zum Henker! Das sind mir die rechten,