nichts, das sehe ich schon! Sitzt er nicht da, wie ein Stück Holz? und spricht kein Wort, wenn's auf d' Hauptsach kommt. Du hättest sollen mein Junge werden; wir hätten z'sammen taugt. 'S ist ein Trost im Alter, wenn man so ein Kind hat. – Wenn mein Fritz einmal mein Gut kriegt, so werden ihm d' Säu 's Haus umwühlen, und d' Hirsch in d' kammer lauffen. Wie ein Kind doch so schnell aus der Art schlagen kann! 's ist ein rechtes Elend!
Als Junker Jobst sah, wieviel Veit auf Siegwart hielt, so ward er ganz gnädig gegen ihn, denn er trank bei Veit so manches herrliches Glas Wein, dass er ohne seine Gunst nicht leben konnte. Regina ward ganz traurig, als sie sah, wie sehr der junge Kronhelm von seinem Vater mishandelt wurde; denn sie nahm an ihm schon vielen Anteil, und ward nur noch mehr für ihn eingenommen, als sie seine Geduld und Gelassenheit sah. Silberling war scharfsichtig genug, dieses wahrzunehmen, und machte eine gar traurige Figur. Er bot allen seinen Witz, und seine ganze Artigkeit auf, Reginens Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen; aber vergeblich! Ihr auge, und ihre ganze Seele hieng an Kronhelm.
Endlich sagte Kunigunde zum Junker Veit: es werde nun wohl Zeit sein, endlich aufzubrechen; und es war auch wirklich schon um elf Uhr. Die Gesellschaft taumelte auf, und Veit mit seinen Leuten nahm Abschied, die andern blieben alle bei Seilberg. Regine leuchtete die Treppen hinunter, nahm von Kronhelm besonders freundlich Abschied, und hielt noch das Licht vor die Tür hinaus, um ihn länger reiten zu sehen.
Es war ein Glück für den Junker Veit, dass sein Pferd müde war, und der Mond helle schien, sonst wär er zwanzigmal gestürzt; er war brav betrunken, wackelte auf seinem Pferd hin und her, und schlief endlich ein.
Um halb zwölf Uhr kamen sie in Steinfeld an, und gingen, weil alle recht müde waren, bald zu Bette. Siegwart und der junge Kronhelm schliefen bei einander auf einem Zimmer. Sie besprachen sich noch eine Zeitlang miteinander, und Kronhelm suchte besonders die Tollheiten seines Vaters zu entschuldigen; Siegwart aber sagte, dass er das nicht nötig habe; er kenne mehr solche Edelleute, und wisse sich recht gut in ihren Ton zu schicken. Bald darauf schliefen beide vor Müdigkeit ein. – Den andern Morgen um sechs Uhr ward an ihrer Kammertür ein grässliches Gepolter gemacht. Junker Veit war draussen, und rief: Holla hoh! Auf, ihr faulen Jungens! Wollt ihr denn den schönen Tag verschlafen? D' Hirsch sind doch schon wieder all im Bette. Wir müssen heute nur auf d' Hühnerjagd. Hurtig, aus der Ruh, dass wir aufbrechen können! – Die beiden Jünglinge zogen sich schnell an, und kamen zu Junker Veit, der schon angezogen und gestiefelt war. Jedem ward ein Glas Brandwein gegeben, denn Veit sagte, diess sei des Waidmanns wahres Leben. Drauf stopfte er seine Pfeife. Nun, wie? 'raus mit der Pfeife! sagte er zu Siegwart und zu Kronhelm. Als er hörte, dass sie gar nicht rauchten, ward er ganz böse. Seid ihr auch Kerls? Wollt auf d' Jagd gehen, und nicht rauchen? Ich hab, meiner Seel! noch keinen rechtschaffenen Waidmann kannt, der nicht den ganzen gschlagnen Tag seine Pfeife im Mund g'habt hätt; das sind Narrheiten, die man in der Stadt lernt! Was brauchts da viel Umständ? Sibylle, hol du von meiner kammer die zwei Pfeifen, die gleich bei der Tür hangen; es sind Meerschaumköpfe. – Ihr müsst rauchen, und wenn alles grün und gelb um euch her wird! 'S ist nur um ein paarmal zu tun, so seid ihrs gleich gewohnt. – Sibylle brachte die Pfeifen, – Seht ihr, das sind Meerschäum, die ich von Wien kriegt hab; die kann man kecklich auf den Boden fallen lassen; 's bricht keiner. – Da, stopft! der Tabak ist gut. 'S ist drei König und Varinas unter 'nander g'mischt. So, nun wollen wir weiter. Adies Mädel! Koch fein was Guts! Wir wollen dir schon frisch Wildpret mit bringen. – Sie zogen nun mit ein paar Jägern und drei Hühnerhunden übers Stoppelfeld hin, und fiengen viele Wachteln und Rebhühner; wenn ein Volk aufstand, so schossen sie drunter, und Siegwart und Kronhelm trafen viele. Darüber ward Veit auf Einmal mit seinem Sohn wieder ausgesöhnt, nannte ihn seinen Augapfel, seinen Herzenstrost, und sagte, nun sehe er erst, dass die Kronhelms doch nicht aussterben; alle seine Vorfahren, schon sein Ur- Ur- Ur- Grossvater sei ein treflicher Schütz gewesen; er hab noch ein altes Konterfait von ihm, das er gleich zu haus zeigen wolle; da steh ein schöner Windhund bei ihm, und die Kron in seinem Wappen stehe nicht umsonst zwischen einem achtzehnendigen Hirschgeweihe. Das Tabakrauchen ging in der freien Luft auch gut von Statten, so dass Junker Veit ausserordentlich vergnügt war, und versprach, wenn auf den Nachmittag, wie es den Anschein habe, Regenwetter einfalle, so woll er sich einen derben Rausch trinken. Kronhelm schoss auch einem fetten Rammler, und nun war Junker Veit ganz ausser sich, warf die Flinte