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, der sich aber am Münchnerhof als Kammerjunker aufhielt, Namens Silberling. Er war zart gebaut, und sehr galant; hatte ein schönes grünes Kleid mit einer goldbordirten Weste an, und drüber eine golddurchwürkte Hirschfängerkuppel. Sein Haar war mit einem Perlenfarbnen Bande zierlich aufgebunden, und seine Locken nachlässig schön zurückgebogen. Er würde sich nicht in die Gesellschaft dieser rohen Landjunker gemischt haben, wenn er nicht eine geheime Absicht auf das fräulein von Stellmann gehabe hätte, die eine Enkelinn vom alten Seilberg war, und sich seit dem Tod ihrer Mutter bei ihm aufhielt. Sie ging aus und ein, um die Gäste zu bedienen.

Nun sag mir einmal, Fritz, fing Junker Veit an, was ist denn dein Xaver? Wie heisst sein Vater, und was ist er? Es muss ein treflicher Kerl sein, da sein Bub schon so ein guter Jäger ist!

Siegwart. Ich heisse Siegwart; mein Vater ist Amtmann zu Dahlenburg im Oettingischen.

Jobst. Nicht von Adel?

Siegwart. Nein.

Veit. Nicht von Adel? Nun, so hol mich dieser und jener! Du bist also nichts, gar nichts? Ein Amtmanns Sohn! Element! Wer hätt das glauben sollen? – Aber, ich weiss schon, wie's gangen ist; deine Mutter hat mit'm Edelmann zugehalten. Nicht wahr, Jung, ich weiss's? – Darfst nicht rot werden! Narr, hast dich nicht drob zu schämen. Lieber ein Bankert von 'm Edelmann, als ein lausichter Amtmannssohn. Komm! ich bin dir doch gut, weil du so schiessen kannst.

Junker Jobst stunde auf, und fragte Striebeln heimlich, aber doch so, dass mans halb verstehen konnte, ob man wohl den Siegwart in der Gesellschaft mit lassen könne, da er nicht von Adel sei? Striebel sagte; weil ihn Junker Veit mitgebracht habe, so könn mans nicht gut ändern. Ueberhaupt dachte Striebel noch vernünftiger, denn er hatte in Heidelberg, wo er ein halbes Jahr lang an einer Wunde krank gelegen hatte, etlich vernünftige protestantische und katolische Professoren kennen gelernt, die seinen Verstand durch ihren Umgang, und die Bücher, die sie ihm geliehen, ziemlich aufgeklärt hatten.

Herr von Silberling schlich sich weg, um bei seinem fräulein seine Aufwartung zu machen, und das Gespräch kam wieder auf die Jagd und auf andre gleichgültigere Dinge. nachher kam das fräulein selbst in die Gesellschaft, weil sie mit dem süssen Silberling nicht gern allein war. Sie hatte viel Anmut in der Mine, und eine ziemlich gute Erziehung. Ihre braunen Augen waren lebhaft, und doch sittsam. Auf den schlüpfrigen Scherz der Junker gab sie wenig Acht, und unterhielt sich mehr mit Kronhelm und mit Siegwart. Auf den erstern war sie besonders aufmerksam, und fand viel Wohlgefallen an ihm. Sie sah ihn oft lang an, und konnte zuletzt ihre Augen fast nicht mehr von ihm wegwenden. Silberling, der dieses merkte, wurde ganz unruhig und eifersüchtig drüber. Regina, (so hiess die fräulein Stellmann) gefiel auch unserm Kronhelm, aber doch nicht so, dass sein Herz dabei beschäftigt wurde. Junker Veit und Seilberg sahens gerne, dass ihre Kinder mit einander sprachen, denn beide hatten halb und halb die Absicht, einst ein Pärchen aus ihnen zu machen; wenigstens von Silberling hielt Seilberg wenig, weil er mit ihm von nichts, als vom Hof sprechen konnte. Als Regina Siegwarts Namen hörte, ward sie aufmerksam drauf, und sagte: sie habe vor fünf Jahren in einem Kloster in München eine Freundinn gehabt, die Terese Siegwart heisse, ob sie wohl vielleicht mit ihm verwandt sei? O Ja, sie ist meine Schwester, sagte Siegwart. Regina hatte eine grosse Freude drüber, und bemerkte, dass ihr Siegwarts Gesicht gleich so bekannt vorgekommen sei; nun sehe sie dass er viel Aehnlichkeit mit seiner Schwester habe. Das ist gar ein liebes Mädchen, Herr von Kronhelm, fuhr sie fort; Sie sollten sie nur sehen! Ich weiss, das sie Ihnen wohl gefallen würde. Wir waren Ein Herz und Eine Seele. Sie hat ein himmlisches Gemüt; ist immer froh und munter, und doch dabei so gesetzt. Wenn Sie sie wieder sehen, Herr Siegwart, oder an Sie schreiben, so machen Sie ihr ja meine herzliche Empfehlung! Sie wird sich meiner noch wohl erinnern. Siegwart versprach, es gewiss zu tun.

Die Edelleute wurden indess immer lauter, denn sie tranken immer mehr Wein. Seilberg und Junker Veit stiessen ihre Gläser alle Augenblicke an. Jobst unterhielt Kunigunden; denn ob sie wohl nicht von Adel war, so bekam sie doch in seinen Augen dadurch einen Wehrt, dass sie die Beischläferinn eines Edelmanns war. Baron Striebel und Silberling hatten einen Streit, ob der Pfälzische oder Baierische Hof vorzüglicher sei? Silberling behauptete, dass, nach dem Kaiserlichen, kein Hof in der Welt dem Baierischen gleich komme. – Silberling hat Recht, schrie Junker Veit drein, denn am Münchner Hof sind zu meiner Zeit allein 500 Jagdhund ernährt worden; jetzt werdens ihrer hoffentlich noch mehr sein. Silberling machte zur Danksagung einen tiefen Bükling gegen Veit. Als das Gespräch wieder auf die Jagd kam, und allgemeiner wurde, zeigte Siegwart so viele Kenntniss und Einsicht, dass die Hasenjäger alle drob erstaunten. Junker Veit sprang auf, und sagte: Meiner Seel, dir fehlt aus der ganzen Welt nichts, als der Adel; du bist ein goldner Junge! Aus'm meinen wird