meiner Seel! ein Hauptschwein – Du wirst ein grosser Kerl werden! Sieh nur, wie du's auf den Pelz geschossen hast! Grad am rechten Fleck! – Du kannst Oberjägermeister werden, wenn du willst – Bist ein Teufelsjunge; lass dich recht aufs Maul küssen! – Nun, Waidmanns Heil, Friedrich! (so hiess der junge Kronhelm) hast mir einen herrlichen Knaben da mit gebracht. Gott geb! dass du auch so bist! Wie gehts, wie stehts? Bist recht gross worden. Nun, nun, ein Jäger darf wohl stark sein, wenn er will 'n guten Fang geben. – Komm, wir wollen erst d' Sau wegbringen lassen, und dann zur Mamsell Kunigunde, sie ist auf der Wiese dort beim Essen; kannst ihr deinen Diener machen – Sapperment, was das 'ne Sau ist, und der Blitzkerl hat sie gschossen! 's ärgert mich halb, dass er mir sie weggenommen hat! Nu, nu, wem's Glück eben will. – Friedrich, du siehst mir so kalmäuserisch aus. – Frisch! Auf der Jagd muss man munter sein! Mir ist nie so wohl, als im Forst. Komm, sollst ein Glas Wein trinken, dass du lustig wirst; und du auch, junger Eisenfresser!
Hier nahm er Siegwarten beim Arm, und schlenderte mit ihm und seinem Sohn nach der Wiese, wo Kunigunde war. Halt, sagte er, unterwegs, riss sich von Siegwart los, und schoss einen Fuchs, der eben von der Seite durchs Gebüsch schlich. – Sieh, den hab ich schön troffen; beim Einen auge 'nein, und beim andern wieder 'raus; aber 's ist doch nichts gegen dein Hauptschwein. – Nun kam er zu seiner Maitresse, (wir Deutsche nennen's Hure) – Da, Jungfer Kunigund, da sieht sie einen Kerl vor sich, der hundert Baiersche Junker übersieht; Der hat die Sau g'schossen, auf die wir ausgangen sind; und das da ist mein Jung – Bück dich brav, Friedrich! Sie ist mein Alles und Alles. – So, nun geb sie brav Wein her, denn ich bin so durstig, wie 'n Brunstirsch! – Nu, angstossen, junger Herr! Es lebe d' Jagd und der Krieg! Ich bin auch Soldat gwest, muss er wissen, hab drei Jahr am Rhein gstanden; aber da war blutwenig z' machen, die Teufelsfranzosen hatten alles schon wegg'schossen. – Heh! wo ist denn der Michel und der Steffen? Die Kerls sollen mir 's Jägerlied blasen: (Er sang)
Das Jagen ist mein' gröste Lust
Ziehs allem andern für!
Man ist so frisch
Rennt durchs Gebüsch,
Und springt, als wie ein Tier!
Ei, wie wärs, Jungfer Gundel, wenn sie mit dem Xaver da tanzte! Mach sie keine Umständ! der Jung ist es wehrt! – Nun muste Siegwart den wildesten deutschen Tanz auf der Wiese mit ihr machen. Nach ihm tanzte Junker Veit. Fritz kann noch warten, sagte er. Der Jung muss erst zeigen, ob er mein Sohn ist, und auch schiessen kann? Sie ritten nun, weil es Abend wurde, mit einander nach Haus; Kunigunde muste auch mit reiten. Unterwegs fiels dem Junker ein, sie wollten beim Junker Seilberg vorbei reiten. 'S ist nur drei viertel stunde Umweg, sagte Veit; der ehrliche Kerl muss doch auch von meiner Freud wissen, dass ich die Sau kriegt hab. Nun gab er seinem Ross die Sporn, und die andern mussten nach, sie mochten wollen, oder nicht. Man hörte gleich, eh man noch an Seilbergs Schloss kam, ein schröckliches Geschrei; denn es war Gesellschaft da. Veit ging mit seiner Gesellschaft unangemeldet in den Saal, erzälte mit grossem Geschrei, dass Siegwart ein Schwein geschossen habe und stellte ihn mit vielem Triumph unter diesem charakter den vier da versammelten Junkern vor. Man setzte sich gleich um den Tisch herum, und muste tapfer trinken. Die anwesenden Edelleute waren: Seilberg, ein Mann von 65 Jahren, der, wegen des Podagra nicht von der Stelle kommen konnte, und die Füsse mit Kissen eingebunden hatte; sein Tochtermann, Baron von Striebel ein ehemaliger Husarenlieutenant, der auch jetzt noch die Uniform und einen schwarzgewixten Schnurrbart trug, ein Mann von vier und dreissig Jahren, war der zweite. Der dritte, Junker Jobst, war ein Junggesell von 59 Jahren; ein armer Schlucker, der nicht einmal eine eigne wohnung hatte, und sich wechselsweise bald beim Einem, bald beim andern Junker, oder auch im Notfall bei einem bauern aufhielt, der sein Lehnsvasall war, und ihm jährlich 40 oder 50 Gulden an Frucht auszalen musste. Er liess sich von den Edelleuten zu allem brauchen. Er ritt von einem Schloss zum andern, wenn ein Schmauss angesagt werden sollte; er brachte den Edelleuten ihre Pferde nach der Stadt, wo ein Rossmarkt war, und verkaufte sie da, oder handelte neue ein; er nahm die Koppelhunde mit auf die Jagd, oder trug das Hühnergarn; und liess sich einen ganzen Abend für den Narren halten, wenn er nur mit essen und mit trinken durfte. Aber Adeliche mussten's sein, die ihn für den Narren hielten; von Bürgerlichen hätt er keinen heller angenommen. Die vierte person war ein junger Edelmann von drei und zwanzig Jahren, aus dem Baierschen