, mit vielen steifen Büklingen, um seine Herren Kollegen zu bewillkommen; und fing von der Philosophei, von der Grammatika und Rhetorika ein so abgeschmaktes, weitläuftiges und ungereimtes Geschwätz an, dass Siegwart dem Kronhelm heimlich winkte, aufzubrechen. Der Schulmeister begleitete sie noch die Treppe hinab bis an die Tür, und nahm mit vielen Scharrfüssen und ungemeiner Freundlichkeit von ihnen Abschied. Drauf sah er seine bauern, die hinter ihm drein geschlichen waren, mit lächelnder Selbstzufriedenheit an, winkte mit den Augen, und drückte sie halb zu; das sind Herren, sagte er, die haben was rechts studirt! Man kann sie auf die probe stellen, wie man will, sie sind überall zu Haus! In omnibus aliquis, in totum nihil! Ja, Leute! das ist eine Lust, mit Gelehrten umzugehen! Aber bei euch vergisst man alles wieder! Doch wer kann wider die duram necessitam? Seht ihr, das ist lateinisch. – Nun ging er langsam wieder die Treppe hinauf; die bauern wichen alle aus, und sahen ihn ehrerbietig an. Droben auf der stube wollte jeder wissen, was die jungen Herren mit ihm gesprochen haben? – Ihr verstehts nicht, sagte er; das ist nur umsonst! Es betraf die Gelehrsamkeit, eruditium, wie mans nennt. Jeder Bauer trank nun seine Gesundheit; Er bedankte sich mit vielem gelehrtem Anstand, und nicht geringer Gravität.
Kronhelm und Siegwart ritten unterdessen weiter, und lachten herzlich über die gelehrte Einfalt des Schulmeisters. Jakob ritt ganz langsam hinter ihnen her, und schlief; denn er hatte sich den Brandwein im Wirtshaus ziemlich schmecken lassen. Nach zwei Stunden kamen sie in Steinfeld an; Sie waren etlich funfzig Schritte weit vom Schloss entfernt, als ihnen eine Menge Jagdhunde von verschiedner Art mit so schrecklichem Gebell entgegen sprang, dass Jakob drüber aufwachte, und ein lautes Joh ho! anstimmte. – Das ist ja eine ungeheure Menge Hunde, sagte Siegwart. – Kleinigkeit! antwortete Kronhelm, wenn du erst in den Hof, und in die Ställe kommst, dann must du sehen.
Im Hof war alles still und ruhig, als sie hinein ritten, und kein Mensch liess sich sehen. Kronhelm und Siegwart stiegen ab; endlich kam Sibylla, Kronhelms jüngste Schwester aus dem Schloss heraus geflogen, drückte ihren Bruder fest an sich, und sagte: Bist du's Bruder? Hab dich in der Tat kaum mehr gekannt! Xavern sah sie frei an, und verneigte sich vor ihm, gab ihrem Bruder die Hand, und führte die beiden in das Schloss hinauf. – Aber du must gleich wieder fort, Bruder, sagte sie, und der Herr da auch. Ihr könnt nur eine Suppe essen. – Wohin denn? fragte Kronhelm ganz betroffen. – In den Steiner Forst zum Papa. Der Jäger hat gestern ein Schwein da gespürt, und diesen Morgen ritt er gleich hinaus. Er hats aber hinterlassen, dass Ihr ja gleich nachkommen und die Lust mit ansehen sollt. Da sind zwei Flinten und zwei Jägertaschen. Siehst du, die mit Silber ist für dich, und die andre für den Herrn da – ich weiss nicht, wie er heisst? – Siegwart, sagte Kronhelm – Nun ja für den Herrn Siegwart. jetzt nur schnell die Suppe gegessen, und dann gleich wieder weiter! Wein und kaltes Essen ist schon draussen; wenn ihr nur was Warms im Leib habt! – Sie hüpfte und sprang in der stube herum, trillerte und drückte dann ihrem Bruder wieder mit aller Kraft die Hand. Siegwart gefiel ihr wohl; nur sagte sie, er sei so still, und müsse muntrer weren. Als die Suppe gegessen war, liess sie ihrem Bruder und Xavern keine Ruh; sie mussten die Waldtaschen und die Flinten umhängen, und gleich wieder fort. Sie sprang selbst die Treppe voran hinab, und führte die Pferd' aus dem Stall heraus. Als ihr Bruder aufgestiegen war, gab sie seinem Pferd einen Hieb mit der Gerte, dass es hinten ausschlug, und brach darüber in ein lautes Gelächter aus.
Kronhelm und Siegwart ritten mit dem Reitknecht nach dem Forst zu. Das ist ein wildes Mädel, weine Schwester, sagte Kronhelm; du must ihrs nur nicht übel nehmen, Siegwart; sie war sonst nicht so, als sie noch bei meiner Mutter war; sie hat im Grund ein recht gutes Gemüt; aber ich dachte wohl, dass sie bei meinem Vater so werden würde, denn sie war immer unter uns das wildeste.
Nach einer halben Stunde kamen sie an den Forst, wo das Jagen war. Der Junker Veit (so nannte ihn die ganze Gegend) stand an einer Eiche mit gespanntem Hahnen. Sobald er seinen Sohn und Siegwart in der Ferne sah, winkte er ihnen zu, von den Pferden abzusteigen. Sie tatens, und kamen näher. Er wiess ihnen, ohn ein Wort zu sagen, nur mit Winken, ihre Posten an, wo sie anstehen sollten. Sein Sohn stand am nächsten bei ihm, aber er sprach nicht ein Wort mit ihm, sah ihn auch nicht an, sondern laurte nur auf das Schwein, das herausgetrieben werden sollte. Endlich kams auf Siegwarts Seite heraus; dieser schoss es, dass es auf der Stelle fiel. Junker Veit flog wie ein Pfeil herbei, gab ihm den Fang, und nun sprang er auf Siegwarten zu, umarmte ihn, dass er hätte schreien mögen, und rief: Herrlicher Junge! 's ist,