, so vorzüglich war. Die beiden Freunde fühlten so viele Uebereinstimmung ihrer Seelen; ihre kleinsten Empfindungen schmolzen so ineinander, dass sie beinahe unzertrennlich wurden; und in jedem Augenblick eine Leere fühlten, den sie nicht miteinander zubringen konnten. Kronhelm, der in den eigentlichen Wissenschaften schon weiter war, teilte unvermerkt im Umgang alle seine Kentnisse seinem Freunde mit, und P. Philipp erweiterte sie durch seinen Umgang immer mehr. Er liebte sie, wie seine Kinder. Beide malte er ab, und hieng sie über seinem Schreibpult auf. Die beiden Bildnisse sahn einander an, und lächelten sich mit dem unbeschreiblichsten Gefühl der Freundschaft zu. Wers nicht wuste, sah es, dass die Beiden Freunde waren. – Zweimal in der Woche gab der junge Pater, der Musikdirektor war, ein Koncert, und unsre beiden Jünglinge nahmen so sehr im Violinspielen zu, dass sie Meister wurden. Sie spielten sich in ihren Privatübungen so zusammen, dass, wenn sie spielten, die Töne ihrer Violinen zwei Bäche schienen, die erst nebeneinander herrieseln, und dann in eins zusammenfliessen. Auch im Singen nahm Siegwart täglich zu.
Gegen den Herbst bekam Kronhelm folgenden Brief von seinem Vater:
Mein Sohn.
Ich sag dir, Jung, du must zu mir kommen, und mich auch besuchen tun. Sapperment, hab dich ja sint vielen Jahren nit gsehn. D'Jagt ist braf, und Hirsch und Reh gibts ihr gnug, auch Haasen die schwere Meng. Komm nur und sollt deine Lust hahn. Muss doch auch mal sehen, wie d' aussehen tust, bist wohl ein Kopf grösser worden? Narr, 's sind dir Junker ten. Wirst doch schiessen können, sonst bist 'n Hundsfutt, und 'n alte Hur, sag ich. Kanst auch 'n Kammraden mitnemmen, oder 'n Paar, wenn d' willt. Z'fressen gibts gnug. Auch z' sauffen. Hol mich der Teufel! ich bin dein getreuer Vater, und must kommen, sag ich, auf d' Fakkants. schreibe mir es erst, wie viel Gäul du brauchen tust, dass ichs schick durch den Jackerl, und wenn du kommen willt? Hasts ghört? Bin, wie schon gesagt dein ehrlicher Vater
Veit Kronehelm.
Kronhelm ging nicht gern, aber er muste doch. Er trugs unserm Siegwart an, ob er ihn begleiten wolle? Ich weiss wohl, sagte er, dass du da wenig Freude haben wirst, und mehr Verdruss; aber, Bruder, du erzeigtest mir einen ausserordentlichen Gefallen. Die Zeit würde mir draussen so lang werden, wenn ich mit keinem Menschen umgehn könnte; und ohne dich kann ich fast gar nicht mehr sein. Willst dus tun, Xaverchen? Ich tu dir auch wieder einen Gefallen. Nicht wahr? Du gehst mit? Siegwart antwortete: Freilich, Kronhelm! wo du hin willst, und wenn es in die Hölle wäre! Dass du auch noch so was fragen kannst? Meinst denn, ich möchte ohne dich hier sein?
Kronhelm schrieb also seinem Vater, er würde zu Anfang des Augusts, wenn das Schuljahr geendigt die Ferien da zubringen. – Jetzt war er sehr beschäftigt, die Rolle auswendig zu lernen, die er bei der bevorstehenden Schulkomödie zu spielen hatte. Xavern wurde noch keine Rolle aufgetragen, weil er noch nicht lang auf der Schule war; aber im Orchester spielte er mit, und akkompagniete bei dem Singspiel eine obligate Arie, auf der Violine, mit solch allgemeinem Beifall dass das ganze Parterre zusammen klatschte, und den Sänger, der nicht schlecht war, drüber vergass.
Zwei Tage drauf, nach der Schulkomödie, schickte Junker Veit seinen Reitknecht mit drei Pferden nach der Stadt, um seinen Sohn und Siegwart abzuholen. Sie nahmen ihre Violinen mit, um sich allenfalls die Zeit zu vertreiben, und steckten den Virgil, nebst noch ein paar Büchern zu sich. Der Reitknecht Jakob, oder Jakerl, war ein lustiger Kerl, den Junker Veit im Notfall statt eines Kammeraden brauchte, denn er verstund die Jägerei aus dem grund, und hatte auch jetzt einen Windhund, einen Hühnerhund, einen Dax und eine Flinte bei sich. Das Schloss des Junkers lag sechs Stunden weit vom Städtchen, und hiess Steinfeld. Der Weg dahin ging mehrenteils durch Ebenen und Tannenwälder. Jakob sah die ganze Gegend als ein Jäger an, und wenn ein dicker Wald kam, bedaurte er immer, dass der gnädge Herr diesen Forst nicht habe. Der Donner! rief er einmal aus, als ein Volk Rebhüner aufflog, was ich für ein Esel bin! Man sollt mich gleich erschiessen, dass ich mein Hühnergarn nicht mit genommen habe! Hätte da mein Tyras sie so schön stellen können! Was würde sich mein Herr g'freut haben, wenn ich ihm was fremdes mitbracht hätt! Aber so gehts; man vergist immer 's best! – Sie ritten nun durch einen Eichenwald, und plötzlich geschah hinter ihnen ein Schuss; als sich Siegwart und Kronhelm umsahn, hatte Jakerl losgedruckt, und rannte nun mit seinem Pferd und dem Windspiel ins Gebüsch hinein. Die beiden sahn einander an, und wusten nicht, was sie sagen sollten? Nachdem sie eine Weile auf den Reitknecht gewartet hatten, so hörten sie im Gebüsch drinnen ein grosses Geschrei, und ritten drauf zu. Jakob war vom Pferd abgestiegen, hatte sein Weidmesser ausgezogen, und wollte den Hirsch, den er geschossen hatte, aufbrechen. Der Jäger eines andern Edelmanns,